Nationalratswahl: Im Interview mit Johannes Hohenegger von der Liste GILT
BEZIRK HORN. Farbtechnisch wird bei der kommenden Nationalratswahl am 15. Oktober ein breites Spektrum geboten. Rot, grün, blau, weiß und pink- um nur einige zu nennen. 16 Parteien treten an- sechs davon allerdings nur in den Bundesländern. So viele Bewerber gab es bundesweit erst einmal, und das im Jahr 2008. In den sieben Wahlkreisen für Niederösterreich kandidieren insgesamt zehn Parteien. 37 Nationalratsmandate sind zu vergeben. Tips hat bei den Bezirks-Kandidaten der Regionalparteilisten für den Wahlkreis 3B-Waldviertel nachgefragt.

Interview mit JOHANNES HOHENEGGER, GILT
Tips: Was sind Ihre vordergründigen Ideen und Anliegen um die ländliche Region und damit das Waldviertel zukunftsfit zu machen?
Johannes Hohenegger:GILT ist keine Partei im klassischen Sinne, wir möchten den Menschen ihre Stimme zurückgeben. Wir glauben, dass gerade der Dialog zwischen den Bürgern die besten Lösungen erbringen kann. Die Möglichkeiten für ein zukunftsfähiges Waldviertel sollen mithilfe von Bürgerparlamenten aus engagierten Waldviertlern erkannt werden und wir als Abgeordnete begleiten diesen Prozess und bringen die Anliegen der Bürger 1:1 ins Parlament.
Tips: Ihre Meinung zu einer möglichen Waldviertel-Autobahn?
Johannes Hohenegger: Die W4-Autobahn ist ein typisches Beispiel für ein Thema, mit dem vor jeder Wahl Hoffnungen geweckt wird. Es wird aber weder kommuniziert, ob die Umsetzung überhaupt realistisch ist, noch sachlich beleuchtet, welche Vor- und Nachteile sie bringt. Erstens sollte geklärt werden, ob eine Finanzierung überhaupt denkbar ist und dann müssen wir uns gemeinsam mit allen Betroffenen fragen, ob eine Autobahn ihre Bedürfnisse erfüllt.
Tips: Welche Maßnahmen tragen Ihrer Meinung dazu bei, um zukunftsträchtige Arbeitsplätze zu schaffen und der Abwanderung im Waldviertel entgegen zu wirken?
Johannes Hohenegger:Für GILT zählt der Wille der Bevölkerung. Natürlich sind Politiker keine Experten. Ich möchte Menschen, die sich auf diesem Gebiet Expertenwissen angeeignet haben, die Möglichkeit bieten, in der Politik mitzureden. Auch zu dieser Frage kann ein Bürgerparlament gebildet werden, wo zum Beispiel innovative Unternehmer aus unserer Region ihre Ideen einbringen, denn gerade die Leute vor Ort wissen Bescheid wo der Schuh drückt.
Tips: Was läuft derzeit falsch in der Politik?
Johannes Hohenegger: Die Parteien konzentrieren sich auf Machterhalt und Wählerstimmen, anstatt wirklich nachhaltig im Sinn des Volks zu entscheiden. Außerdem findet zu wenig Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fraktionen statt und Vorschläge der „anderen Seite“ werden pauschal schlecht geredet, ohne sich damit zu befassen.
Tips: Wie kann den vielfältigen Herausforderungen im Gesundheits- und Pflegebereich zukünftig begegnet werden?
Johannes Hohenegger: Pflege, vielfach unentgeltlich von Frauen geleistet, wird leider seitens der Politik nicht ausreichend wertgeschätzt. Wir bieten an, dass auch direkt Betroffene politisch mitbestimmen können. Auch im Gesundheitsbereich müssen wir längst überfällige Reformen mit Fokus auf Vorsorge umsetzen, aber die Regierungsparteien waren und sind nicht in der Lage eine Lösung im Sinne der Österreicher zu finden.
Tips: Ihr persönliches politisches Vorbild?
Johannes Hohenegger: Jean-Jacques Rousseau, ein großer französischer Staatstheoretiker, der die Demokratie entscheidend weiterentwickelte und die Mitbestimmung der Bürger forderte, in einer Zeit, als Europa noch gänzlich von einer kleinen Gruppe mächtiger Monarchen regiert wurde.


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