25 Jahre ohne menschliche Eingriffe: So hat sich der Wald im Nationalpark verändert

25 Jahre ohne menschliche Eingriffe: So hat sich der Wald im Nationalpark verändert

Susanne Winter, MA Susanne Winter, MA, Tips Redaktion, 11.07.2019 10:18 Uhr

BEZIRK KIRCHDORF. Die einzigartige Waldwildnis des Nationalparks Kalkalpen wurde in den vergangenen fünf Jahren von den Österreichischen Bundesforsten (ÖBF) umfassend dokumentiert – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Stille – nur das Summen von Insekten, Vogelgezwitscher und Rauschen der Bäche ist zu hören. Im 20.850 Hektar großen Nationalpark Kalkalpen ist der Mensch nur Besucher in einer artenreichen Wildnis. Rund 90 Prozent der Flächen werden von den Bundesforsten eingebracht. Im Randbereich werden beispielsweise Maßnahmen gegen den Borkenkäfer getätigt.

Almen und Wiesen bewirtschaftet

Auch Almen und Wiesen werden bewirtschaftet, um die Artenvielfalt zu erhalten. Im Nationalpark Kalkalpen gibt es 20 Almen, davon sieben bewirtschaftete. 90 Prozent der Wanderer sind auf zehn Prozent der Fläche unterwegs – hauptsächlich auf Wanderwegen und Almen.

Umfassende Waldkatierung

Mit 15.600 Hektar Wildnisbereich umfasst der Nationalpark Kalkalpen die größte Waldfläche ohne menschliche Eingriffe in Österreich. Seit 25 Jahren konnte sich die Waldwildnis entwickeln. „Es gibt auch Wälder, bei denen wir den Verdacht haben, dass sie nie von Menschen genutzt wurden“, erzählt Johann Kammleitner, Leiter des Nationalparkbetriebes Kalkalpen der ÖBF.

Die Mitarbeiter des Nationalparkbetriebes der ÖBF haben in Zusammenarbeit mit der Nationalpark Gesellschaft in den vergangenen fünf Jahren eine umfassende Waldkatierung im Nationalpark vorgenommen und die Entwicklung des Waldes dokumentiert. Dazu wurden rund 8.700 sogenannte „Waldorte“ ausgeschieden. Jeder Waldort wurde beschrieben und der Totholzbestand erhoben. Das ist eine österreichweit einzigartige Dokumentation bei den Bundesforsten.

Veränderung der Baumarten

Das Ergebnis: Die Baumarten und die Struktur der Wälder verändern sich massiv. 25 Jahre ohne menschliche Eingriffe bewirkten einen deutlichen Baum­artenwechsel. 30 verschiedene Baumarten sind derzeit zu finden. Hauptbaumart ist zwar nach wie vor die Fichte mit 45 Prozent, sie verzeichnete jedoch in den vergangenen 20 Jahren einen Rückgang um acht Prozent.

Die Buche ist von Natur aus sehr dominant, deshalb ist es nicht überraschend, dass ihr Anteil um 23 Prozent auf derzeit 38 Prozent gestiegen ist. 2017 wurden 5.250 Hektar Buchenwaldflächen im Nationalpark als UNESCO-Weltnaturerbe prämiert. Die älteste gefundene Buche ist 530 Jahre alt.

Sorgenkind Tanne

Die Lärche, die für die Verjüngung viel Sonneneinstrahlung braucht, hat um 27 Prozent auf derzeit 11 Prozent abgenommen. Der Anteil der Tannen ist von 1,5 Prozent auf 0,7 Prozent gesunken. Grund dafür sind Stürme 2007 und 2008 sowie Verbiss durch Wildtiere.

Alles ist willkommen

„Ich deute diese Entwicklung noch nicht als ein Zeichen des Klimawandels. Die Natur holt sich das zurück, was früher durch die Aufforstung des Menschen verändert wurde,“ erklärt Johann Kammleitner und betont: „Im Nationalpark Kalkalpen ist alles, was wächst, willkommen und wird nicht aussortiert. Deshalb wird der Wald auch ungleichmäßiger werden. Es werden Lichtungen und Verdichtungen entstehen.“

In den vergangenen 20 Jahren hat der Holzanteil um rund zehn Prozent auf derzeit 3,8 Millionen Kubikmeter zugenommen. Der Anteil an Totholz hat von 17 Festmeter pro Hektar auf 33 Festmeter zugenommen. Das Durchschnittsalter der Bäume im Nationalpark Kalkalpen beträgt 108 Jahre.

Wildbestand am Zustand der Vegetation reguliert

Das Rot-, Reh- und Gamswild wird reguliert, weil es Einfluss auf die Vegetation hat. „Nur so können sich die Wälder ,natürlich' verjüngen“, erklärt Kammleitner. 65 Prozent der Fläche sind jedoch Ruhezone. Gefüttert wird nur das Rotwild an drei Futterstellen. „Ziel wäre es diese auch aufzulassen, derzeit ist dafür jedoch der Bestand zu hoch“, erklärt der Forstmeister.

Empfehlung für Wanderung und Mountainbike-Tour

Wer die Waldwildnis auch erleben möchte, dem steht ein Wegenetz von 170 Kilometern Forststraße zur Verfügung. Eine empfehlenswerte Wanderung startet beim Parkplatz Haslersgatter und führt in rund drei Stunden auf den Großen Größtenberg (1.724 Meter), die höchste Erhebung im Hintergebirge. Vom Parkplatz Haslersgatter aus führt auch eine Mountainbike-Strecke zum Hengstpass.

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