Bürger werden jetzt vermehrt in die Gemeinde-Entwicklung einbezogen
BEZIRK KIRCHDORF. In fünf Gemeinden im Bezirk Kirchdorf laufen derzeit Agenda 21 Prozesse, die sich mit den Ideen und Meinungen der Bürger für eine nachhaltige Gemeindeentwicklung auseinandersetzen. Tips nimmt dieses Fördermodell des Landes Oberösterreich unter die Lupe.

Gemeinden, die sich für einen Agenda 21 Prozess entscheiden, sprechen sich für die aktive Beteiligung der Bevölkerung aus und fragen sie „Was ist zu tun im 21. Jahrhundert, um die Lebensqualität auch in Zukunft aufrecht zu erhalten?“. „Agenda 21 gibt der Bevölkerung in den Gemeinden die Möglichkeit, gehört zu werden, um dann gemeinsam mit Ehrenamtlichen Lösungen zu finden und umzusetzen“, erklärt Cosima Öllinger, die seit April als Regionalmanagerin für Nachhaltigkeit und Umwelt die Gemeinden im Bezirk Kirchdorf berät.
Zutiefst demokratischer Prozess
„Die Gemeinden zeigen damit, dass sie Gemeindepolitik nicht nur im Kammerl machen, sondern gemeinsam mit der Bevölkerung entscheiden, wohin sich die Gemeinde entwickeln soll. Die Bürger identifizieren sich mit der Gemeinde und verstehen deren Entscheidungen besser. Das ist ein zutiefst demokratischer Prozess,“ betont Cosima Öllinger.
Basisprozess mit Kernteam
Agenda 21 gibt es seit 1998 in Oberösterreich. Um die Förderung des Landes zu erhalten, muss die Gemeinde – nach einem mehrheitlichen Beschluss im Gemeinderat – gemeinsam mit einem externen Prozessbegleiter einen Basisprozess starten, um die brennenden Themen in der Gemeinde herauszufinden und ein Zukunftsprofil samt Maßnahmenplan zu erarbeiten. Der Basisprozess dauert ein bis zwei Jahren und kann alle zehn Jahre durchgeführt werden. Ein Kernteam, bestehend aus Mitgliedern im Gemeinderat und Ehrenamtlichen aus der Gemeinde, trifft sich regelmäßig und steuert den Prozess. Das Ergebnis ist ein Zukunftsprofil, das vom Gemeinderat beschlossen wird und nach dem sich zukünftige politische Entscheidungen richten.
Kremsmünster hat bereits Maßnahmen umgesetzt
Gemeinsam mit Ehrenamtlichen geht es in die konkrete Umsetzung. In dieser Phase befindet sich derzeit die Marktgemeinde Kremsmünster. Unter anderem wurden bereits ein Mobilitätskonzept erarbeitet, ein Generationenvertrag zum Thema Klimaschutz beschlossen und es entstehen eine Food-Coop (Einkaufsgemeinschaft) sowie ein Kost-Nix-Laden.
Leerstände von Gebäuden
Nach dem Basisprozess besteht die Möglichkeit, einen „Follow Up“ Prozess zu speziellen Themen wie Nahversorgung oder einzelnen Zielgruppen wie junge Erwachsene zu starten. Derzeit läuft so ein Prozess in Steinbach an der Steyr und es werden Themen wie Nahversorgung und Leerstände von Gebäuden behandelt. Mittels Online-Umfragen werden die Bürger laufend in die Weiterentwicklung der Gemeinde eingebunden.
Auftakt in Micheldorf
Die Marktgemeinde Micheldorf hat Anfang September den Agenda 21 Prozess mit einem Infoabend, zu dem über 60 interessierte Besucher kamen, gestartet. Prozessbegleiter Peter Jungmeier von der SPES Zukunftsakademie erläuterte die Anliegen und Grundsätze dieses Beteiligungsprozesses und lud anschließend alle Anwesenden zu angeregten Tischgesprächen über die Zukunft Micheldorfs ein. „Als wesentliche Stärken Micheldorfs wurden unter anderem die hohe Wohn- und Lebensqualität in einer weitgehend intakten Natur- und Kulturlandschaft, die sehr gute Infrastruktur in Verbindung mit dem Arbeitsplatzangebot und das rege Vereinsleben hervorgehoben. Augenmerk sollte in Zukunft etwa auf eine nachhaltige Siedlungs- und Tourismusentwicklung, auf die Belebung und Begegnung im Ortszentrum sowie die Förderung sanfter Mobilität gelegt werden“, berichtet Jungmeier.
Zuzug in Schlierbach
Die Gemeinde Schlierbach startet einen themenbezogenen Basisprozess zum Thema „Chancen und Herausforderungen einer Zuzugsgemeinde“. Mit den Bürgern werden Ideen zu den Themen sorgsamer Umgang mit Boden, nachhaltige Siedlungsentwicklung und soziales Miteinander aus Alteingesessenen und neu Zugezogenen entwickelt.
Lebensqualität für alle
Die Gemeinde Klaus startet einen themenbezogenen Basisprozess, um die Wohn- und Lebensqualität für alle Generationen zu steigern. Die für 3. Oktober geplante Startveranstaltung wurde coronabedingt verschoben.
Prozessbegleiter Johannes Brandl von der SPES Zukunftsakademie: „Das Kernteam hat sich bereits gegründet und wird laufend mit interessierten aus der Bevölkerung ergänzt. Wir überlegen, wie wir die Lebensqualität für Junge, pflegende Angehörige und ältere Menschen ausbauen und bestehende Angebote wie Dorfladen und Dorfmobil erweitern können.“
Potential der Bürger erkannt
Regionalmanagerin Cosima Öllinger freut sich, dass im Bezirk Kirchdorf weitere Prozesse gestartet wurden: „In der Corona-Zeit ist deutlich geworden, wie essentiell das Ehrenamt für das Funktionieren des Gemeindelebens ist und wie wichtig Regionalität und Nahversorgung sind. Das sind auch große Aspekte von Agenda 21. Die Gemeinden haben das Potential der Bürger erkannt.“


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