Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

ROSSLEITHEN/JEMEN. Durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Krise geraten viele andere Epidemien in den Hintergrund. Die gebürtige Roßleithnerin Bernadette Schober, Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen im Jemen, weiß jedoch um die gravierenden Umstände, welche sich abseits von Covid-19 abspielen.

Die gebürtige Roßleithnerin Bernadette Schober befindet sich derzeit in Sanaa im Jemen. (Foto: Ärzte ohne Grenzen)

Die 38-jährige Bernadette Schober befindet sich seit Juni 2020 mit ihrem Team von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Sanaa im Jemen und koordiniert dort als Einsatzleiterin elf Projekte. „Als Anthropologin finde ich den Jemen extrem spannend, denn der Jemen hat eine weitreichende Geschichte und kulturelle Diversität“, erzählt die Einsatzleiterin per Videokonferenz. „Darum bin ich auch seit 2017 wiederkehrend hier. Zuvor als Projektleiterin – nun als Einsatzleiterin.“ Als Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen möchte die gebürtige Roßleithnerin die humanitären und gesundheitsspezifischen Auswirkungen des 2015 begonnenen Konflikts im Jemen aufzeigen. „Die direkten Auswirkungen des Konflikts sehen wir ganz klar in den Krankenhäusern, wenn wieder Kriegsverletzungen zu behandeln sind. Die indirekten Auswirkungen dagegen schaffen es meist nicht in die Berichterstattung der Medien“, berichtet Schober. Diese indirekten Auswirkungen zeigen sich laut der Einsatzleiterin besonders stark im Gesundheitssystem: „Es kollabiert. Mehr als die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen funktionieren nicht und die Erreichbarkeit ist für die zivile Bevölkerung sehr schwierig. Viele Patienten schaffen es nicht oder zu spät ins Krankenhaus, weil die Transportkosten dahin zu hoch oder der Weg zu gefährlich ist.“

Masern, Polio und Diphtherie

„Zu den alltäglichen gesundheitlichen Problemen kommen im Jemen auch die Herausforderungen durch Epidemien hinzu“, betont die 38-Jährige. Masern, Polio, Diphterie und Cholera: Aus Angst vor einer Ansteckung kämen Kranke und Verletzte auch wegen regulären Untersuchungen nicht in die Krankenhäuser. „Das erschwert die Situation ungemein. Wir tun alles, um die bestmögliche Sicherheit zu bieten, doch das Vertrauen der Bevölkerung zu erlangen ist schwierig“, so die Einsatzleiterin. Dabei sei es keinesfalls normal, dass diese Epidemien im Jemen wieder aufkommen: „Man sollte meinen, dass durch die Impfungen diese Krankheiten kein Thema mehr sind. Der letzte Ausbruch von Diphterie war 1982, es ist also keineswegs dauerhaft vorhanden gewesen. Auch fanden Maßnahmen statt, aber die Bevölkerung zum Impfen zu bringen, ist schwierig.“ Besonders im Kontext von Covid-19 sei das Interesse stark von der derzeitigen Situation im Jemen mit den Epidemien weggedriftet „und der Fokus liegt nur auf Covid-19“.

Schobers Appell an die globale Community

Covid-19 habe die Situation mit den Epidemien im Jemen noch verschärft: „Wir haben klar gesehen, wie schwierig es ist, ordentliche Schutzausrüstung ins Land zu bringen.“ Ihr abschließender Appell richtet sich an die „globale community“ wie der Weltgesundheitsorganisation: „Länder wie der Jemen sollten auch in der Corona-Krise nicht vergessen und in Anbetracht der dortigen Lage besonders berücksichtigt werden.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Ferienprogramm in Inzersdorf sorgte für tierische Abenteuer

Ferienprogramm in Inzersdorf sorgte für tierische Abenteuer

INZERSDORF. Hunde, Pferde, ein Lagerfeuer und sogar Paragleiter sorgten beim Ferien-Aktiv-Programm am Hundeplatz des Österreichischen Hunde- ...

Tips - total regionalMaya Lauren Matschek
Kirchdorfer Bauernbund ehrt langjährige Funktionäre bei Sommerfest

Kirchdorfer Bauernbund ehrt langjährige Funktionäre bei Sommerfest

BEZIRK KIRCHDORF/KREMS. Beim traditionellen Sommerfest des Bauernbunds wurden sechs langjährige Altbauern-Ortsobmänner für ihren Einsatz geehrt. ...

Tips - total regionalMaya Lauren Matschek
Mollner Kinder bauen beim Ferienprogramm ein Zuhause für Igel

Mollner Kinder bauen beim Ferienprogramm ein Zuhause für Igel

MOLLN. 17 Kinder nahmen am Ferienprogramm des Siedlervereins Molln teil und bauten gemeinsam ein Igelhaus. Unterstützt wurden die Nachwuchs-Heimwerker ...

Tips - total regionalMaya Lauren Matschek
Kinder aus Kirchdorf und Inzersdorf erlebten Ferientag im Ikuna

Kinder aus Kirchdorf und Inzersdorf erlebten Ferientag im Ikuna

KIRCHDORF/INZERSDORF. Mehr als 40 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren nutzten im Rahmen des Ferienpasses die Möglichkeit, einen Tag im Freizeitpark ...

Tips - total regionalMaya Lauren Matschek
Künstlerinnenfest in Klaus stellt mit mehr als 5.000 Euro neuen Spendenrekord auf

Künstlerinnenfest in Klaus stellt mit mehr als 5.000 Euro neuen Spendenrekord auf

KLAUS/PYRHNBAHN. Beim vierten Künstlerinnen-Sommerfest beim Lokschuppm Klaus kamen trotz großer Hitze zahlreiche Besucher aus dem Bezirk Kirchdorf ...

Tips - total regionalMaya Lauren Matschek
Zwei neue Feuerwehrfahrzeuge bei Feldmesse in Hinterstoder gesegnet

Zwei neue Feuerwehrfahrzeuge bei Feldmesse in Hinterstoder gesegnet

HINTERSTODER. Die Freiwillige Feuerwehr Hinterstoder hat bei einer Feldmesse zwei neue Einsatzfahrzeuge offiziell gesegnet - ein neues Kommandofahrzeug ...

Tips - total regionalMaya Lauren Matschek
Weitere Beiträge