Bezirksbauernkammer-Obmann Andreas Ehrenhuber: "Landwirte sind Hauptbetroffene des Klimawandels – nicht die Verursacher"
OBERSCHLIERBACH. Seit zwei Jahren ist Andreas Ehrenhuber aus Oberschlierbach Obmann der Bezirksbauernkammer Kirchdorf. Bei der Obmännerkonferenz wurde er in seiner Funktion für weitere sechs Jahre bestätigt. Mit Tips sprach der 47-Jährige über seine Vorhaben als Vertreter der Bauern im Bezirk und die Zukunft der Landwirtschaft.

Tips:Wie geht es Ihnen in Ihrer Funktion als BBK-Obmann von Kirchdorf, die sie vor zwei Jahren von Franz Karlhuber übernommen haben?
Andreas Ehrenhuber: Ich wurde von allen sehr gut aufgenommen. Mir ist es wichtig, für alle Landwirte ein Ansprechpartner und offen für unterschiedliche Meinungen zu sein. Wir haben beim Bauernbund im Bezirk Kirchdorf das beste Wahlergebnis in ganz Oberösterreich eingefahren – eine Bestätigung für unsere Arbeit.
Tips:Was gefällt Ihnen und was ist herausfordernd?
Ehrenhuber: Unter den Leuten – unter den Bauern – zu sein und diese zu vertreten, gefällt mir. Es lässt sich auch gut mit der Landwirtschaft kombinieren. Interessant ist, dass ich früher meinen Vorgänger oft kritisiert habe. Jetzt sehe ich vieles aus einer anderen Perspektive. Man bekommt ein ganz anderes Verständnis, wenn man die Abläufe kennt.
Tips:Wie hat die Corona-Krise die Landwirtschaft beeinflusst?
Ehrenhuber: Das letzte Jahr war schwierig. Wir hatten keine Veranstaltung, keine Treffen und mussten viel online machen. Aber es hat sich auch gezeigt, dass wir heimischen Landwirte die besten Lebensmittel produzieren – regional, saisonal und mit kurzen Transportwegen.
Tips:Vor welchen Herausforderungen stehen die Landwirte?
Ehrenhuber: Die Tierschutzdebatte ist eine große Herausforderung. Standards und Auflagen werden mehr und streng kontrolliert – mit teils erheblichen Sanktionen. Zur Erfüllung der Standards müssen wir auch mehr Geld in die Hand nehmen. Zum Beispiel ist die dauernde Anbindehaltung verboten, das heißt keine Kuh darf 365 Tage im Jahr angebunden sein. Deshalb sind wir auf eine Ausgleichszulage angewiesen. Ohne dem Geld würde kein Betrieb rund laufen. Wir sind gewillt, unseren Beitrag zu leisten und behandeln unsere Tiere gut. Schwarze Schafe gibt es leider überall. Bei Verstößen muss die Amtstierärztin aktiv werden.
Tips:Warum wird die Klimadiskussion auch in der Landwirtschaft ein wichtigeres Thema?
Ehrenhuber: Wir werden als Klimasünder hingestellt. Doch wir sind Hauptbetroffene, weil wir mit der Natur arbeiten müssen, und nicht die Verursacher. Wir tun mit unserer täglichen Arbeit viel für das Klima, weil wir die Kulturlandschaft pflegen. Wir halten unsere Wälder gesund und mähen die Wiesen, damit wir viel CO2 speichern können. Dazu gehört auch das Düngen mit Wirtschaftsdünger, um den Boden bestmöglich zu versorgen und gesunde Pflanzen zu erhalten. Auch in Photovoltaik-Anlagen wird derzeit viel investiert.
Wir Bauern sind Teil der Lösung und müssen den Konsumenten darauf hinweisen, dass es ein Schwachsinn ist, sich ein Rindersteak von Amerika auf den Griller zu legen, obwohl wir in Österreich ein viel besseres Produkt haben. Klar ist es teurer, aber aufgrund der Betriebsgröße und Auflagen können wir es nicht billiger produzieren.
Tips: Wofür wollen Sie sich in der nächsten Zeit einsetzen?
Ehrenhuber: Dass sich die Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft nicht verschlechtern, damit das „Landwirte-Sterben“ eingebremst wird. Dazu müssen wir in der Politik alle an einem Strang ziehen. Unterschiedliche Anschauungen sind legitim und auch wichtig, denn nur in der Diskussion kann man auch Lösungen finden.
Tips:Was soll sich verändern?
Ehrenhuber: Die Landwirtschaft soll einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft einnehmen. Wir wollen niemandem etwas Böses, aber es muss ein Verständnis für die Landwirtschaft geben – uns beschäftigen Themen wie die Gülleausbringung, das Verhalten der Naturraumnutzer und geschützte Tiere wie Wolf und Biber.


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