Trotz schwieriger Bedingungen sind Landwirte mit der Ernte zufrieden
BEZIRK KIRCHDORF. Die Trockenheit im August und der anhaltende Regen im September sorgten zwar für schwierige Bedingungen in der Landwirtschaft, doch von Hagel und Dürre ist der Bezirk Kirchdorf heuer zum Glück weitestgehend verschont geblieben. Mit der Ernte sind die Landwirte durchwegs zufrieden.

2022 hat es in weiten Teilen Oberösterreichs verlässlich geregnet und zu sehr guten Erträgen bei den Herbstkulturen Mais, Soja, Zuckerrüben und Ölkürbis geführt. „Leider hielt der Regen, der uns so erfreulich über den Sommer gebracht hat, zur Ernte im Herbst an und endete erst Anfang Oktober. Dies führte zu sehr schwierigen, fast unmöglichen Erntebedingungen verbunden mit hohen Trocknungskosten und der Gefahr von Bodenverdichtungen durch die Erntemaschinen“, zieht Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, über die heurige Herbsternte Bilanz.
Durchschnittliche Erträge bei der Getreide-Ernte
Auch der Bezirk Kirchdorf verzeichnete 2022 eine gute Niederschlagsverteilung, wobei es regional durch Unwetterereignisse zu Hagelschäden von bis zu 50 Prozent gekommen ist. „Im Getreidebereich kann man in unserer Region maximal Durchschnittserträge beobachten“, berichtet der Betriebsberater der Bezirksbauernkammer Kirchdorf Steyr Karl Postlmayr, selbst Landwirt in Waldneukirchen.
Gutes Wachstum bei Mais und Soja sorgte für hohe Erträge
„Bei Mais und Soja kam es heuer zu einer späteren Aussaat – Mais und Soja brauchen eine höhere Bodentemperatur, deshalb erfolgt hier die Aussaat erst Ende April/Anfang Mai – dies war heuer aufgrund der wetterbedingt schlechten Bodenbedingungen noch später als sonst möglich“, weiß Postlmayr und fügt hinzu: „Dann aber führten die guten Wachstumsbedingungen zu guten bis sehr guten Erträgen.“
Hohe Trocknungskosten
Demgegenüber führte im September das nasse Wetter dazu, dass hohe Trocknungskosten bei der Sojabohne entstanden. „Die Trocknung verhindert die Entstehung von Pilzen und ein Auskeimen bei Lagerung“, erklärt der BBK-Betriebsberater.
Erfreulicherweise ließ das warme Oktoberwetter den Feuchtigkeitsgehalt bei Mais rasch sinken und bot gute Bedingungen für die Ernte. „Außerdem kann die darauffolgende Weizenaussaat dadurch gut erfolgen“, weiß der Experte.
Comeback der Zuckerrübe
Der Zuckerrübenanbau erlebt nicht nur in ganz Oberösterreich, sondern auch speziell im Bezirk Kirchdorf einen Aufschwung. „Durch den Klimawandel und damit tendenziell wärmeres und trockeneres Wetter sowie die Abschaffung der Kontingentierung dringt der Zuckerrübenanbau weiter in Grenzlagen hin zu den Alpen vor“, berichtet Karl Postlmayr. Die Statistik zu den Zuckerrüben-Anbauflächen im Bezirk Kirchdorf zeigt im Vergleich: Waren es 2020 noch neun Betriebe mit 43 Hektar, so sind es 2022 bereits elf Betriebe mit 108 Hektar.
Weniger Birnen
Stefan und Franz Höllhuber von Höllhubers Mostkellerei aus Nußbach berichten über die diesjährige Ernte von Birnen und Äpfeln: „Bei der Birnenernte wurde ein schlechteres Ergebnis beobachtet. Birnbäume blühen etwas früher als Apfelbäume. Zu diesem Zeitpunkt war die Witterung leider noch feuchter und kühler, das führt zu einer schlechteren Befruchtung und damit zu weniger Erträgen. Das war aber schon übers Jahr zu prognostizieren, und deshalb wurde die vorhandene Reserve aus dem Vorjahr schonend verwendet und steht nun erfreulicherweise zum Ausgleich zur Verfügung.“
Ausreichend Äpfel verfügbar
Apfelbäume haben eine ausgebildete Alternanz, das bedeutet, dass im zweijährigen Rhythmus die einzelnen Sorten mehr Ertrag bringen. Nachdem 2016, 2018 und 2020 die sogenannten „Schüttjahre“ waren, wäre damit heuer ebenfalls zu rechnen gewesen. „Das war nicht in dieser ausgeprägten Form beobachtbar. Wir haben genug Äpfel zur Verfügung, jedoch kann man kein Überangebot beobachten“, berichtet Familie Höllhuber und gibt auch zu bedenken: „Von Gegend zu Gegend sehr unterschiedlich mussten viele auch Hagelschäden verzeichnen. Ebenfalls zu beobachten ist, an Orten, wo es während der Blüte stellenweise sehr kalt war, war die Befruchtung eindeutig weniger.“
Gute Most-Qualität
Bezüglich der Qualität des heurigen Jahrgangs stellen die Höllhubers fest: „Für Mostliebhaber schaut der Jahrgang 2022 sehr vielversprechend aus. Ein schöner sonniger Sommer und ein nasser Herbst, dazu noch dieser speziell warme und sonnige Oktober haben dem Geschmack viel Kompetenz verliehen – es ist mit einer ausgeprägten Frucht mit einer guten Würze zu rechnen.“


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