Andrea Weiß: „Eine Unterstützung durch die Psychotherapie ist nicht beschämend“

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Andrea Weiß aus Edlbach arbeitet seit 1985 mit psychiatrischen Patienten. Foto: Winter
Susanne Winter, MA Susanne Winter, MA, Tips Redaktion, 20.09.2018 12:04 Uhr

EDLBACH. Viele Kinder und Jugendliche freuen sich über den Schulstart. Doch nicht jeder Schüler geht gerne zur Schule – mancher hat sogar Angst davor. Hier kann die Psychotherapie helfen. Dass man sich dafür nicht schämen muss, betont Pädagogin und Psychotherapeutin Andrea Weiß (52) aus Edlbach.

Tips: Was können Symptome von vertiefter Schulangst sein?

Andrea Weiß: Somatische Beschwerden wie Bauchweh vor Prüfungen, Kopfweh, Spannungsgefühle oder Blockaden. Das heißt, das Kind kann das eigene Potenzial nicht anwenden.

Tips: Wann sollten sich Eltern Unterstützung für ihre Kinder holen?

Weiß: Beispielsweise bei Hyperaktivität, Durchschlafstörungen, Essstörungen, Bettnässen, Stottern, einer Veränderung der familiären Struktur und wenn das Kind soziale Ängste oder Schulängste hat.

Tips: Wie kann geholfen werden?

Weiß: Eine Stütze von außen kann helfen. Die Kinder brauchen Freiraum und dafür ist zu Hause oft nicht die Möglichkeit. In der Psychotherapie finden wir gemeinsam mit dem Patienten die Diagnose, welche die derzeitige Situation gut beschreibt und den Grund dafür. Wir arbeiten an einer Veränderung oder zumindest Stabilisierung.

Tips: Warum treten Verhaltens- und Entwicklungsstörungen auf?

Weiß: Unsere Gesellschaft fordert uns unter anderem mit den neuen Medien derzeit sehr heraus. Wir müssen Antworten auf Fragen finden, welche die Generation der Eltern mitunter noch nicht kennt.

Tips: Was ist Ihre Meinung zur Nutzung von neuen Medien durch die Kinder?

Weiß: Medienerziehung beginnt, sobald das Kind in Kontakt mit den Medien kommt. Dann sollten die Eltern ein altersgemäßes Konzept haben, also die Dauer der Nutzung und die Inhalte festlegen.

Tips: Welche Schwierigkeit besteht darin für die Eltern?

Weiß: Eltern brauchen ein Bewusstsein dafür, dass sie ihrem Kind ein alters- und entwicklungsgemäßes Wissen mitliefern müssen, das Schritt für Schritt zu erweitern ist. Damit das Kind nicht nur eine Medienfertigkeit, sondern auch eine -kompetenz erreicht. Das Kind soll erkennen können, was ihm nutzt und schadet. Verbote ohne Erklärung dazu sind wirkungslos. Dazu müssen Eltern ein Verhalten vereinbaren und sich auch selbst daran halten.

Tips: Was brauchen Kinder für eine gesunde Entwicklung?

Weiß: Eine sichere Bindung. Und dafür brauchen sie kompetente Erwachsene, die sich im Leben auskennen und ihnen exemplarisch vorleben. Wenn Eltern das aus unterschiedlichen Gründen überfordert, ist Unterstützung sinnvoll – und es geht niemals um Schuldzuweisung, sondern jeweils um individuelle Förderung. Die Eltern haben oft einen Grund für ihr Verhalten. Aber es muss ja nicht so bleiben.

Tips: Welche Voraussetzungen braucht ein Patient für eine erfolgreiche Psychotherapie?

Weiß: Immer wieder finden wir uns in privaten, beruflichen oder schulischen Situationen, mitunter Krisen, die uns enorm herausfordern. Die Psychotherapie unterstützt beim Erarbeiten neuer Verhaltensmöglichkeiten, sinnvoller Einsichten und Kompetenzen, um wieder einen guten Platz im Leben und in der Gesellschaft einnehmen zu können. Wir erarbeiten im Konsens mit den Betroffenen gut erreichbare und haltbare Ziele.

Tips: Wie läuft eine Psychotherapie bei Ihnen ab?

Weiß: In der Integrativen Psychotherapie arbeitet man sehr leiborientiert sowie mit kreativen Medien. Wir finden mit dem Patienten persönliche Ausdrucksformen, um das innere Bild darstellen zu können. Mit Kindern und Jugendlichen arbeitet man anders als mit Erwachsenen. Der Weg des Kindes zu lernen ist über das Spielen. Ich arbeite mit Handpuppen, diagnostischen Materialien oder im Kinder­atelier. Wir malen, gehen ins Freie oder bewegen uns. Auch zu Hause wird weitergearbeitet.

Tips: Warum haben Sie das Buch „Mit vereinten Kräften. Therapeutische Wirkfaktoren in der Pädagogik“ geschrieben?

Weiß: Ich habe einige Jahre in der stationären Kinder- und Jugendhilfe gearbeitet. Dort habe ich Kinder kennengelernt, die sehr früh sehr schreckliches erlebt haben. In der Psychotherapie habe ich Heil- und Wirkfaktoren gefunden, die wissenschaftlich erwiesen sind. Ich habe versucht, die Beschreibung, was ein Mensch braucht, um sich gut entwickeln zu können, der Pädagogik zur Verfügung zu stellen. Mir ist es ein Anliegen, das großartige Wissen der Psychotherapie alltagstauglich und verständlich zu machen. Psychotherapie kann unterstützen und das ist niemals beschämend oder gar peinlich!

Tips: Was gefällt Ihnen an der Psychotherapie?

Weiß: Ich arbeite seit 1985 mit psychiatrischen Patienten und habe erlebt, wie Menschen leiden können und es doch so gute Hilfe gibt. Ich habe noch Zwangsjacken und Elektroschocker erlebt, aber die Psychotherapie hat sich weiterentwickelt und ist menschenwürdig geworden. Mir ist wichtig, die Würde des Menschen immer – unter allen Umständen – zu achten und zu fördern. Und dass der Mensch befähigt wird Verantwortung zu übernehmen für das, was in seinem Leben vorfällt.

Man ist nicht nur krank, sondern hat auch viele Bereiche, die gesund sind. Manches Schicksal muss man auch einfach annehmen und tragen lernen. Mit Werten im Leben übersteht man auch Tiefen. Wir vergeuden oft unsere Kräfte auf das was unveränderlich ist und wir vergessen oft, dass wir einen großen persönlichen Freiraum haben und wählen können.

Tips: Sie und Ihr Mann leben in einer Gemeinschaft, was heißt das?

Weiß: Michael und ich haben vor zehn Jahren die LOGOS-Gemeinschaft gegründet, weil wir immer schon gerne mit Menschen zusammenleben. Das Leben in einer Gemeinschaft ist stets heilend – es fordert heraus und es fördert zugleich. Deshalb wohnen wir mit Menschen, die das Schicksal herausgefordert hat, in einer WG.

 

Andrea A. Weiß

Pädagogin und Psychotherapeutin für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen

Fachrichtung: Integrative Psychotherapie

verheiratet, drei erwachsene Kinder

eigene Praxis seit Jahresbeginn

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