"Mehrweg ist die Zukunft": Zu Besuch beim Glasverpackungshersteller Vetropack
KREMSMÜNSTER. Umweltlandesrat Stefan Kaineder und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler sehen in einem verbindlichen Mehrwegangebot bei Getränken die Chance, Plastikmüllberge zu vermeiden.

In Österreich ist der Mehrweganteil bei Getränkeverpackungen seit Jahren auf einem geringen Niveau von etwa 19 Prozent, Tendenz sinkend. „Um die steigende Umweltbelastung durch Plastikmüll in den Griff zu bekommen, braucht es ein flächendeckendes Mehrweg-Angebot mit dem Forcieren von Glasverpackungen, damit wir die Ziele erreichen können“, ist sich Umweltlandesrat Stefan Kaineder sicher. Ganz in diesem Sinne hat sich nun der größte Glasverpackungshersteller Österreichs, die Firma Vetropack in Kremsmünster, dem Kampf gegen Plastikmüllberge verschrieben. Immerhin bieten Glasverpackungen optimalen Schutz von Lebensmitteln und Getränken, da sie völlig undurchlässig sowie geruchs- und geschmacksneutral sind. „Es ist auch zu merken, dass die Nachfrage nach Mehrweg-Glasflaschen zunimmt“, berichtet Johann Eggerth, Geschäftsführer der Vetropack Austria GmbH. Aktuell werden auf Landes- wie auf Bundesebene Novellen der Abfallwirtschaftsgesetzgebung (AWG) erarbeitet, die Riesenschritte in eine plastikfreie Zukunft bringen sollen. In der AWG-Novelle des Bundes ist festgeschrieben, ein verbindliches Mehrwegangebot bei Getränken einzuführen, in der AWG-Novelle des Landes wird es eine Verpflichtung zu Mehrweg für Veranstaltungen über 300 Personen geben. „Wer Mehrweg will, soll auch Mehrweg bekommen“, betont Klimaschutzministerin Leonore Gewessler.
Glasindustrie auf den Weg in die Klimaneutralität
„Es muss allen klar sein, dass wir die Flut an Plastik zum Schutz unserer Umwelt eindämmen müssen. Die Auswirkungen auf unser Ökosystem sind bereits jetzt enorm. Hier bei Vetropack sehen wir, wie die umweltschonendste Variante an Getränkeverpackung hergestellt wird. Wir wissen aber, dass die Produktionsprozesse energieintensiv sind und deshalb freut es mich besonders, dass sich die Vetropack in einem großen europäischen Forschungsverbund darum bemüht, die Glasindustrie zu dekarbonisieren“, so Klimalandesrat Stefan Kaineder, der die wichtigste Aufgabe der heutigen Generation darin sieht, den Kindern einen lebenswerten Planeten zu übergeben. „Dafür braucht es jetzt mutige und entschlossene Entscheidungen. Unsere Wirtschaft und Industrie braucht daher eine starke politische Unterstützung, um den Weg der Transformation in die Klimaneutralität schnellstmöglich beschreiten zu können“, ist Kaineder überzeugt. Die Mitglieder des Europäischen Behälterglasverbands, Feve, zu dem auch die Vetropack-Gruppe gehört, haben sich zusammengeschlossen, um die weltweit erste große Hybrid-Schmelzwanne zu bauen, die zu 80 Prozent mit Ökostrom betrieben werden kann. Durch das Ablösen der fossilen Energieträger werden die CO2-Emissionen um 50 Prozent gesenkt. Diese bahnbrechende Hybridtechnologie wird ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu klimaneutralen Glasverpackungen werden. Bereits heute können die CO2-Emissionen durch die Verwendung von Altglas drastisch reduziert werden. Die 19 Glaswerke werden das Pilotprojekt finanzieren, die Schmelzwanne wird in Deutschland gebaut. Sie soll bis 2022 fertiggestellt und unter realen Bedingungen (angestrebt wird eine Kapazität von mehr als 300 Tonnen Glas pro Tag) getestet werden, um festzustellen, ob sie sowohl die Markt- als auch die technischen Kriterien vollständig erfüllen kann. Erste Ergebnisse werden 2023 erwartet.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden