„Lebendige Ortszentren sind der Schlüssel für alles“

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Christian Dörfel beim Sommergespräch im Tips-Büro in Kirchdorf (Foto: Winter)
Christian Dörfel beim Sommergespräch im Tips-Büro in Kirchdorf (Foto: Winter)
Susanne Winter, MA Susanne Winter, MA, Tips Redaktion, 29.07.2021 07:46 Uhr

BEZIRK. Im Zuge eines Sommergespräches beantwortete ÖVP-Bezirksparteiobmann Landtagsabgeordneter Christian Dörfel aus Steinbach an der Steyr Fragen über aktuelle Themen im Bezirk Kirchdorf. 

Tips:Welche Themen beschäftigen die ÖVP derzeit im Bezirk?

Christian Dörfel: Unser Leitbild des Bezirkes ist „Naturregion für Arbeit, Wirtschaft und Freizeit“. Darauf bauen unsere Programme auf, die im Wesentlichen alle Lebensbereiche abdecken. Im Mittelpunkt stehen Wirtschaft und Arbeit und da haben wir sehr gute Zahlen – wir haben Vollbeschäftigung im Bezirk und mehr offene Stellen als Arbeitslose. Da wir das Arbeitsplatzangebot nicht mit den vorhandenen Leuten decken können, brauchen wir Einpendler. Es muss uns gelingen, dass wir die Leute dazu animieren, dass sie nicht nur bei uns arbeiten, sondern auch bei uns wohnen. Viele Wohnungen wurden schon geschaffen und es laufen auch einige Bauprojekte.

Tips:Die Wahl im September gilt als Klima-Wahl. Welche Maßnahmen müssen im Bezirk Kirchdorf noch gesetzt werden, um in puncto Klimaschutz Vorreiter zu sein?

Dörfel: Wir sind sowieso Vorreiter. Man muss ein Bewusstsein für die Thematik schaffen und wir von der ÖVP sagen „Klimaschutz mit Hausverstand“. Die Ziele gehen Richtung Klimaneutralität, aber man muss diese so setzen und das Verständnis so wecken, dass jeder sagt: „OK, ich leiste meinen Beitrag dazu.“

Tips:In puncto Klimaschutz ist auch der Verkehr ein großes Thema. Wie kann es gelingen, dass mehr Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel statt dem eigenen Auto nutzen?

Dörfel: Mit Micro-ÖV Konzepten, für die wir entsprechende Unterstützung des Landes brauchen. Kindergarten- und Schulbus sollen gemeinsam mit Taxi- und Busunternehmer so koordiniert werden, dass sie Zubringerdienste zum öffentlichen Verkehr leisten können.

Tips:Wie sollte man in Zukunft mit den Ausflugsgästen, die mit dem Auto anreisen, umgehen?

Dörfel: Diese Systeme mit Micro-ÖV sollen auch mit bestehenden Systemen wie Wanderbus und -taxi verknüpft werden, um die Anreise ins Wandergebiet mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zu organisieren.

Tips: Wie stehen Sie zu der geplanten Skigebietsanbindung von Vorderstoder an das Skigebiet Hinterstoder Höss?

Dörfel: Ich bin Befürworter einer naturnahen Entwicklung der bestehenden Skigebiete, weil es den jungen Leuten eine Perspektive gibt. Es entsteht ein modernes, familientaugliches Skigebiet auf einer Seehöhe wie Schladming und Großarl.

Tips:Wie lässt sich das Vorhaben mit dem Naturschutzgedanken vereinbaren?

Dörfel: Das lässt sich sehr einfach vereinbaren, weil der Standort sowieso außerhalb der Naturschutzgebiete liegt. Es wird nicht einfach irgendetwas gebaut, sondern es gibt ein Umweltverträglichkeitsverfahren. Unser größtes Kapital sind die intakte Natur und die Menschen, die diese sehr sorgfältig bewirtschaften und das werden wir nicht zerstören. Wer sagt, ein Skigebiet vernichtet den Sommertourismus oder die Natur, war im Sommer noch nie auf der Höss.

Tips: Ein weiteres Spannungsfeld besteht zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Welche Maßnahmen halten Sie in Bezug auf geschützte Raubtiere wie Wolf, Fischotter und dergleichen für sinnvoll?

Dörfel: Alles, was ein Problem ist, muss bekämpft werden. Die Almbauern dürfen dem Wolf nicht schutzlos ausgeliefert sein, daher braucht es eine praxistaugliche Regelung – und zwar, rechtliche Grundlagen zu schaffen, dass ein Wolf geschossen werden darf. Dasselbe gilt auch für den Fischotter und allen Prädatoren, die zu Problemen werden – sonst wird das das Ende der Almwirtschaft sein.

Tips:Rechtfertigt die Nachfrage nach Tourismusangeboten und Wohnraum die steigende Verbauung von Grünflächen?

Dörfel: Seit Jahren wird mit falschen Zahlen operiert. Wenn es heißt, wir verlieren wertvolle landwirtschaftliche Grundflächen, muss man nach der Ursache fragen. Durch die Nichtbewirtschaftung verlieren wir pro Jahr 1.000 Hektar landwirtschaftliche Grundstücke in OÖ an den Wald und rund 250 Hektar verlieren wir jährlich an den Straßen- und Schienenbau. Beim Teil, der verbaut wird muss man auch noch zwischen Wohnbebauung und anderer Bebauung unterscheiden. Die Errichtung von Einfamilienhäusern ist nicht das große Thema des Flächenfraßes, sondern riesige Hallen von Industriebetrieben. Man muss leerstehende Hallen wiederverwendbar machen. Das Regionalmanagement unterstützt die Gemeinde bei der Erhebung dieser leerstehenden Gebäude. Eine zweite Strategie ist die Schaffung von interkommunalen Gewerbegebieten, das heißt man konzentriert die Betriebe auf einen bestimmten Standort. Eine weitere Strategie ist, die Geschäfte vom Ortsrand wieder in die Ortszentren zu bringen.

Tips:Was braucht es dazu?

Dörfel: Ein Gesamtkonzept, um festzulegen, was braucht ein lebendiges Ortszentrum und was ist realistisch. Was für eine Funktion soll das Ortszentrum haben? Wenn Defizite nicht alleine zu verbessern sind, dann im Verbund mit anderen Gemeinden.

Tips:Halten Sie es für sinnvoll, im Bereich der Polsterlucke und nicht unweit vom Schiederweiher in Hinterstoder ein Camping-Resort zu bauen?

Dörfel (lacht): Ja, natürlich. Erstens ist der Schiederweiher durch einen Berg davon getrennt und zweitens besteht seit jeher eine touristische Nutzung. Es gibt keine sanftere touristische Nutzung als einen Campingplatz. Die Wertschöpfung bleibt auch in der Region, wenn alle im Ort einkaufen.

Tips:Sieben Schulsanierungen im Bezirk Kirchdorf stehen auf der Warteliste. Wie lassen sich die teils jahrzehntelangen Wartezeiten verkürzen?

Dörfel: Sorgfältige Planung, den Schulbau an die oberste Stelle der Prioritätenliste zu setzen und das Land als Partner zu sehen.

Tips:Was kann in puncto Fachkräftemangel unternommen werden?

Dörfel: Aufschulen der ungelernten Hilfsarbeiter zu einer Fachkraft. Aber der Fachkräftemangel ist nur das Schlagwort, wir haben einfach zu wenig Leute. Initiativen wie der worklifehub sind extrem wichtig, weil sie Werbung für die Region machen.

Tips:Der Personalmangel in der Pflege ist auch im Bezirk nach wie vor ein Thema. Welche Schritte müssen hier gesetzt werden?

Dörfel: Der Pflegeberuf ist so ein schöner und erfüllender Beruf und so muss man ihn auch darstellen. Die Arbeitsbedingungen sind nicht schlecht, natürlich gibt es immer noch Luft nach oben.

Tips: Welches Thema nehmen Sie nach der Wahl im Bezirk Kirchdorf als erstes in Angriff?

Dörfel: Lebendige Ortszentren sind für mich der Schlüssel für alles – das Ortszentrum ist das Aushängeschild, das Herz der Gemeinde und soll seinen Zweck als Drehscheibe auch erfüllen können. Das ist die mühsamste und schwierigste Aufgabe und wird auch Gegenstand von Fördermaßnahmen des Landes sein.

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