Greiner wurde zum Treffpunkt für Recycling-Forschung
KREMSMÜNSTER. Wie eine Welt ohne Müll funktionieren könnte, stand im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe „Raus aus der Nebelzone – Wissenschaft bringt Orientierung“, zu der der Oberösterreichische Landtag am Dienstag, 18. Mai, in die Greiner AG nach Kremsmünster eingeladen hatte. Forschende und Wirtschaftsvertreter diskutierten dabei über Recycling, Rohstoffknappheit und neue Ansätze der Kreislaufwirtschaft.

Landtagspräsident Max Hiegelsberger betonte die Bedeutung von Forschung und Industrie für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich. „Unsere Veranstaltungsreihe zeigt auf, dass nur eine enge Zusammenarbeit zwischen industriellen Anwendern und der Forschung den Standort, wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand absichern kann“, sagte Hiegelsberger.
Kunststoff, Batterien und Holz im Fokus
Im Zentrum des Abends standen aktuelle Forschungsprojekte zur Wiederverwertung von Kunststoffen, Batterien und Holzabfällen. Wissenschaftler zeigten, wie Reststoffe künftig besser in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden können.
Der Kunststoffexperte Christian Paulik von der Johannes Kepler Universität Linz verwies auf die Dimensionen der Herausforderung: Weltweit würden jährlich rund 400 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Besonders schwierig sei das Recycling vieler Verpackungen aufgrund komplexer Materialmischungen.
Fachhochschul-Professor Gernot Zitzenbacher von der FH Oberösterreich erläuterte, wie mechanische Prozesse beim Kunststoffrecycling simuliert werden, um Recyclinganlagen effizienter einstellen zu können.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Lithium-Ionen-Batterien. Rebeka Früholz präsentierte ein Forschungsprojekt, bei dem Bakterien Metalle aus Batterien lösen und damit für die Wiederverwertung nutzbar machen sollen. Ziel sei es, Europas Abhängigkeit von Rohstoffimporten zu reduzieren.
Unternehmen und Forschung arbeiten zusammen
Auch die Wiederverwendung industrieller Reststoffe war Thema. Katrin Fradler vom Kompetenzzentrum Wood K Plus stellte Projekte zur Verwertung von Produktionsabfällen aus der Brillenherstellung vor. Daraus könnten unter anderem neue Schleifscheiben oder Verbundwerkstoffe entstehen.
In einer abschließenden Diskussionsrunde verwiesen Vertreter der Greiner AG und von Borouge International darauf, dass die nächste industrielle Revolution nicht nur digital, sondern auch „materiell“ sein werde. Als Beispiel wurde ein Becher des Eurovision Song Contest genannt, der aus recycelten Materialien hergestellt wurde.
Hiegelsberger hob abschließend auch die gesellschaftliche Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse hervor: „Wissenschaftliche Erkenntnisse von Falschbehauptungen und Fake News zu trennen, wird immer mehr zu einer entscheidenden Kompetenz.“


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