Gemeindebund-Präsident Pressl gastierte in Kremsmünster
KREMSMÜNSTER. Von Kinderbetreuung und Gemeindefinanzen über den demografischen Wandel bis zu künstlicher Intelligenz und digitaler Souveränität: Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl machte bei seiner sommerlichen Bürgermeister- und Gemeindetour im Marktgemeindeamt Kremsmünster Station. Dort tauschte er sich mit Bürgermeisterin Dagmar Fetz-Lugmayr (ÖVP) und Amtsleiter Reinhard Haider über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsfragen der Gemeinden aus.

Ein zentrales Thema im Gespräch mit Fetz-Lugmayr war der Bürgermeisterinnentag, der Frauen in kommunalen Führungsfunktionen Raum für Austausch, Vernetzung und die Sichtbarmachung ihrer Erfahrungen bietet.
Finanzielle Situation und demografische Entwicklung
Breiten Raum nahmen auch Kinderbetreuung und Gemeindefinanzen ein. Gemeinden leisten einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität von Familien und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gleichzeitig steigen die Anforderungen, während finanzielle Spielräume enger werden. Eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung bleibt damit eng mit der finanziellen Ausstattung der Gemeinden verbunden.
Diskutiert wurden zudem die Attraktivität von Gemeinden und die demografische Entwicklung. Orte sollen für junge Familien attraktiv bleiben, Rückkehrende ansprechen sowie zugleich auf die Bedürfnisse einer älter werdenden Bevölkerung eingehen. Entscheidend seien dabei verlässliche Angebote, ein lebendiges Miteinander und gute Lebensqualität.
Auch das Zusammenspiel von örtlicher Eigenständigkeit und gemeinsamen Standards war Thema. Jede Gemeinde hat eigene Strukturen und Anforderungen. Einheitliche, praxistaugliche Lösungen können jedoch Verwaltungsabläufe erleichtern, Qualität sichern und Ressourcen sparen, ohne die Nähe zu den Menschen zu verlieren.
Besondere Bedeutung kommt künftig dem sozialen Bereich zu. Die Frage, wie Altern in Würde gelingen kann, wird Gemeinden verstärkt beschäftigen. Neben passenden Angeboten brauche es dafür auch Aufmerksamkeit, persönliche Nähe und ein gutes Miteinander der Generationen.
Sichere KI-Lösungen für Gemeinden
Im Austausch mit Amtsleiter Reinhard Haider rückte die Weiterentwicklung der Gemeindeverwaltung in den Fokus. Haider ist seit Oktober 2025 Bundesobmann des Fachverbandes der leitenden Gemeindebediensteten Österreichs (FLGÖ) und damit ein wichtiger Ansprechpartner für Fragen des modernen Verwaltungsmanagements.
Intensiv besprochen wurde der Einsatz künstlicher Intelligenz. Mit GovGPT gibt es bereits eine sichere KI-Lösung für die Bundesverwaltung; daneben bestehen kommunale Einzelangebote. Aus Sicht der Gemeinden brauche es jedoch einen gemeinsamen, sicheren und praxistauglichen Zugang zu geprüften KI-Anwendungen. Das Bundeskanzleramt rollt GovGPT derzeit schrittweise in den Bundesressorts aus. Gespräche über eine spätere Nutzung durch Länder und Gemeinden laufen bereits.
Digitalisierung solle dabei kein Selbstzweck sein. Sie könne Abläufe vereinfachen, Mitarbeitende entlasten und Bürgern einen raschen sowie verlässlichen Zugang zu Gemeindeleistungen ermöglichen. Persönliche Beratung und digitale Angebote seien dabei kein Widerspruch: Gut eingesetzte Technik schaffe mehr Zeit für Anliegen, bei denen der persönliche Kontakt besonders wichtig ist.
Damit verbunden ist die digitale Souveränität Europas. Gemeinden verarbeiten sensible Daten und müssen darauf achten, welche Technologien verwendet werden, wo Daten gespeichert sind und wie unabhängig die öffentliche Verwaltung von einzelnen außereuropäischen Anbietern bleibt. Europäische Lösungen, gemeinsame Standards und eine verlässliche Infrastruktur könnten dazu beitragen.
Auch die Aus- und Weiterbildung von Gemeindebediensteten wurde angesprochen. Angesichts neuer gesetzlicher, gesellschaftlicher und technischer Anforderungen gewinnen österreichweit abgestimmte, gut zugängliche und praxisnahe Schulungsangebote weiter an Bedeutung.
Gemeinde als „umfassender Dienstleister“
Der Besuch von Johannes Pressl machte Bürgermeisterin Dagmar Fetz-Lugmayr und Amtsleiter Reinhard Haider deutlich: Die Zukunft der Gemeinden verlangt sowohl individuelle Lösungen vor Ort als auch gemeinsame Standards, wirtschaftliche Verantwortung ebenso wie soziale Nähe und den sinnvollen Einsatz digitaler Werkzeuge.
Pressl bezeichnete die Gemeinde dabei als „umfassenden Dienstleister“. Der Austausch lieferte Anregungen aus der kommunalen Praxis – für Kremsmünster und für Gemeinden in ganz Österreich.








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