Alle Waldnutzer an einem Tisch
KLAUS. Der Wald ist nicht nur Lebensraum zahlreicher Wildtiere und Arbeitsplatz für Förster und Jäger, immer mehr Menschen nutzen ihn auch zur Erholung. Rücksicht steht dabei nicht immer an erster Stelle. Das sorgt für Verärgerung. Aufgebracht sind auch die Mountainbiker, sie wollen legal auf Forststraßen und Wegen fahren. Diese Ansichten kamen in Klaus auf den Tisch.

Wenn verschiedene Interessen aufeinander treffen, bedarf es klärender Gespräche. Mit dieser Überzeugung lud Michael Kornek, Forstamtsleiter der Fürstlich Schaumburg-Lippischen Forstverwaltung in Steyrling, Vertreter aller Waldnutzer zu einem Treffen unter dem Titel „Plattform Schnittstelle Wald“ mit dem Ziel, Problemschnittstellen aufzugreifen, zu behandeln und etwas zu verändern. Er hofft damit auf mehr Verständnis zwischen den Gruppen. “Es freut mich, dass auch viele Fachvertreter meiner Einladung gefolgt sind“, so Kornek.
Touristisches Angebot stärken
Freizeit und sportliche Erholung gewinnen in der heutigen Gesellschaft an Bedeutung und das Natursportangebot stärkt zudem den heimischen Tourismus. „Die Touristen wollen viel mehr erleben als früher. Wir müssen Infrastruktur und Angebote schaffen, wenn man das Angebot nicht hat, verliert man“, sagt Thomas Scholl, Tourismusdirektor der Pyhrn-Priel-Region, und betonte, dass der Tourismus für die Region Pyhrn-Priel der wichtigste und größte Wirtschaftsfaktor sei. Die Herausforderung der Zukunft sei es, das Angebot im Einklang mit den anderen Naturnutzern zu schaffen. Es werde bereits an Hotspots gearbeitet, um dort den Tourismus zu konzentrieren. „Die Mehrheit unserer Anträge für die Schaffung von Mountainbikestrecken wird jedoch abgelehnt. Durch die privatwirtschaftlichen Verträge hat irgendwer immer etwas dagegen“, ist Scholl enttäuscht und fordert eine allgemeine gesetzliche Regelung, um das Radfahren auf Forststraßen zu ermöglichen.
Dieser Ansicht sind auch die Naturfreunde Oberösterreich. “Wir müssen darüber nachdenken, wie wir heutige Bedürfnisse und Ansprüche seitens Tourismus, Bergführer und Alpinvereine weiterentwickeln und dementsprechend unsere Gesetze anpassen“, so Gerda Weichsler-Hauer, Vorsitzende der OÖ. Naturfreunde, die eine generelle Freigabe aller Forststraßen, jedoch mit allen notwendigen Einschränkungen, die es auch heute schon gibt wie z.B. Rücksichtnahmen auf Wild oder Jungwald, fordert.
„Derzeit gibt es nur gut 50 Kilometer Mountainbikestrecken auf Forststraßen in der ganzen Region Phyrn-Priel. Für die stark vom Tourismus abhängige lokale Wirtschaft ist deshalb ein massiver Ausbau des Radsportangebots unumgänglich“, sagt Markus Vogl (SPÖ) Abgeordneter zum Nationalrat und ist sich sicher: „Mit der derzeitigen Gesetzeslage kommen wir nicht weiter.“ Es sei auch möglich, bei einer Gesetzesänderung gleich Sperrgebiete zu definieren. Vogl berichtet: „In der Bundespolitik ist das Thema derzeit in Verhandlung. Verkehrsministerium und Sportministerium stehen der Sache positiv gegenüber, während das Landwirtschaftsministerium skeptisch ist. Jetzt gilt es rasch ein Lösung zu finden, das ist unsere Aufgabe als Politiker.“
Upmove fordert Freigabe der Forststraßen und Wege
Dietmar Gruber, Obmann des Vereines Upmove, geht noch einen Schritt weiter und plädiert im Namen der Mountainbiker „für eine Freigabe von Forststraßen und Wanderwegen für den Mountainbike-Sport ohne jegliche Haftung für den Grundeigentümer bzw. Wegehalter.“ Der Verein ist eine Interessenvertretung der österreichischen Mountainbiker und fordert „Mountainbiken, aber legal!“
Wem gehört der Wald?
Gegen die Aussage von Gerda Weichsler-Hauer „Der Wald gehört uns allen“ sprach sich Joachim Kirchmaier, Berater Forstwirtschaft der LK OÖ, der die Grundeigentümer vertritt, aus: „Der Wald gehört nicht allen. Uns muss bewusst sein, dass Eingriffe in die Eigentumsrechte auch Eingriffe in die Wirtschaftskraft des Grundeigentumes sind.“
Respekt vor der Natur
Kirchmaier ist der Ansicht, jeder Besucher dürfe den Wald zur Erholung betreten, aber er sei Gast in einem Lebensraum und solle sich auch so verhalten. Einer generellen Freigabe von Forststraßen könne man nicht zustimmen, das käme auch einer Aushöhlung der Eigentumsrechte gleich. Grundeigentümer sind durchaus für weniger Beeinträchtigungen und für die teilweise Freigabe, fordern aber auch die Einhaltung von Regeln ein und setzen auf Aufklärung und Information über das richtige Verhalten im Wald.
Laut Gerda Weichsler-Hauer von den Naturfreunden und Michael Poltura, Obmann des Oö. Berg- und Skiführerverbandes, seien sich die Naturnutzer der gesetzlichen Richtlinien bewusst und würden sich richtig verhalten. “Es wir immer schwarze Schafe geben und zu den Ausnahmen stehen wir“, so Weichsler-Hauer.
Extremisten machen uns das Leben schwer
„Wir sind die Stimme der Wildtiere und stellen uns schützend vor sie. Das Verständnis der Nicht-Jäger nimmt der Jagd gegenüber ab. 90 Prozent der Waldnutzer verhalten sich richtig. Die Extremisten – ich nehme hier die Jäger nicht aus – machen uns das Leben schwer und beeinflussen das Leben der Wildtiere in dramatischer Weise“, sagt Bezirksjägermeister und Landesjägermeister-Stv. Herbert Sieghartsleitner und fordert „dringend Spielregeln in der Natur, um Ordnung zu sichern.“ Es müsse eine Lenkung und Information geben.
Sieghartsleitner ist der Meinung, dass das Jagdgesetz von 1964 angepasst gehört. Für ihn solle Natur zwar für möglichst viele erlebbar und nutzbar bleiben, aber er fordert die Grenzen anderer – vor allem der Wildtiere – zu respektieren: „Ich habe auch ein Problem damit, wenn man dem Grundeigentümer sein Eigentum weg nimmt.“ Der Jäger ist überzeugt: „Das heutige Treffen ist ein Startschuss für eine Entwicklung. Nur im gemeinsamen Gespräch kann man zu vernünftigen, nachhaltigen Lösungen kommen, die Jägerschaft ist dazu gerne bereit.“
Herbert Sieghartsleitnerschlägt eine transparente Einbindung aller Raumnutzer vor und befürwortet die wildökologische Raumplanung, eine räumliche und zeitliche Aufteilung der Lebensräume, von Professor Friedrich Reimoser, um keine Wildarten zu verlieren.
Raumplanung gefordert
Friedrich Reimoser von der Universität für Bodenkultur und Veterinärmedizinischen Universität Wien sprach über das Wildtiermanagement: „Das ist mehr als nur Jagd und erfordert ein gemeinsames Vorgehen aller Waldnutzer, um Wildtiere möglichst schadenfrei in unsere Kulturlandschaft in freier Wildbahn zu integrieren. Nachhaltigkeit ist eine Natur des Teilens nicht nur von Interessensgruppen, sondern auch von Generationen.“ Reimoser glaubt, die Forderung von Upmove verhindere einen vernünftigen Weg. Dazu Obmann Dietmar Gruber: „Wir sagen immer dazu, dass Einschränkungen notwendig sind und wir Wildruhezonen einhalten. Wir wollen nicht überall und immer aber im Moment können wir gar nicht und nirgends.“
Bezirksjägermeister Herbert Sieghartsleitner ist sich sicher, dass ein Mountainbiker wesentlich problematischer für das Wild sei als ein Wanderer, da er mit höherer Geschwindigkeit auftauche: „Bei der Forderung von Dietmar Gruber werden wir als Grundeigentümer und Jagdausüber nicht mitmachen.“
Flugsport und Wild
Herbert Sieghartsleitner fordert auch Überflugszonen für Paragleiter. Dazu Daniela Altmann von der Flugschule Hinterstoder: „Wir fliegen nicht freiwillig tief, in Baumnähe fühlen wir uns ohnehin nicht wohl. Wir halten uns an Flugverbotszonen und geben das an unsere Flugschul-Abgänger auch weiter. Wir können nur auf das Verständnis und die Einsicht der Paragleiter hoffen.“ Daniela Altmann appellierte auch an die Vernunft der Naturnutzer und an die Bereitschaft zur Kommunikation. „Viel ist passiert, weil nicht miteinander gesprochen wurde“, so Altmann.
Kompromisse finden
In der anschließenden Diskussion ist die Idee entstanden, ein Montainbike-Netz zu entwickeln. Das wäre ein Kompromiss, den auch Universitätsprofessor Friedrich Reimoser bestätigt.
Weiteres Treffen geplant
Nach einer angeregten Diskussion, bei der auch Ideen wie ein Mountainbike-Netz entstanden, war Michael Kornek sehr zufrieden: “Es war so, wie ich es mir vorgestellt habe und wir werden zu einem weiteren Treffen laden.“ Dieses soll dann Ergebnisse bringen. „Es hat sich herauskristalisiert, dass es in Richtung Mountainbike geht. Darüber werde ich demnächst mit Tourismus und Jägerschaft sprechen“, verrät Michael Kornek die weiteren Pläne.


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