Gastgewerbe als großes Sorgenkind
BEZIRK KREMS. Insgesamt 56 Millionen Euro holte die Arbeiterkammer Niederösterreich im vergangenen Jahr im Bereich Arbeitsrecht für ihre Mitglieder zurück. Auf den Bezirk Krems entfielen davon rund 1,76 Millionen Euro. Die häufigsten Probleme mit Dienstverhältnissen gab es im Gastgewerbe.

Rund 159.000 Arbeitnehmer wandten sich im vergangenen Jahr mit ihren Problemen an die Arbeiterkammer. Der Arbeitnehmer-Vertretung sei es gelungen, rund 19,5 Millionen Euro an ausstehenden Geldern für die Betroffenen per Gericht oder Intervention zu erkämpfen, so AKNÖ-Präsident Markus Wieser bei einem Pressegespräch in Krems. Außerdem wurden rund 36,5 Millionen Euro nach Insolvenzen gesichert.
Größtes Sorgenkind in der Arbeitsrechtsberatung ist das Gastgewerbe. 40 Prozent der Arbeitnehmer aus dieser Branche, die sich 2015 landesweit an die Arbeiterkammer gewandt haben, hätten keine Lohnabrechnung vom Dienstgeber erhalten, berichtet Wieser. Fast jeder zweite Beschäftigte sei nicht korrekt angemeldet gewesen, so Rechtsschutzexperte Karl Heigel.
Auch die Kremser Bezirksstellenleiterin Doris Schartner kennt die typischen Probleme in der Gastronomie: „unzureichende Planbarkeit, unzulässig lange Arbeitszeiten und sehr oft Zahlungen im Graubereich“. Sie schildert den Fall eines 15-Jährigen, der als Kinderbetreuer in einem Gastronomiebetrieb weit über die zulässige Stundenzahl hinaus arbeiten mussten und sein Gehalt teilweise in bar ausgezahlt bekam.
Die Vertreter der Arbeiterkammer raten Beschäftigten dazu, ihre Arbeitszeiten minutengenau aufzuzeichnen und Lohnabrechnungen regelmäßig zu kontrollieren, um Ansprüche geltend machen zu können. Die Arbeiterkammer bietet übrigens auch eine App zur Zeiterfassung an: zeitspeicher.arbeiterkammer.at
Jahresbilanz der Kremser Arbeiterkammer:
Arbeits- und sozialrechtliche Beratungstätigkeit
Persönliche Beratung: 2049
Tel./schriftl. Beratung: 3127
Intervention beim Dienstgeber: 240 Fälle
Kostenloser Rechtsschutz: 112 Fälle
Außergerichtlich eingebracht:227.582 Euro
Gerichtlich eingebracht:154.884 Euro
Insolvenzvertretung:1.377.503 Euro
Gesamtsumme: 1.759.969 Euro


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