Flüchtlingskoordinator Karl Öllinger: „Man gewinnt im Ehrenamt so viele Freunde“
KREMSMÜNSTER. Ende Mai wurde für den Koordinator für Flüchtlinge in Kremsmünster ein großes Fest gegeben, nachdem auch die letzten Asylwerber in Kürze aus dem leerstehenden Bezirksgericht ausziehen werden.

Der gebürtige Kremsmünsterer Karl Öllinger war lange Zeit im Export tätig und ist in der Welt viel herumgekommen. Nach seiner Pensionierung suchte er sich neue Herausforderungen. Nachdem er den Jakobsweg gegangen war, stellte er fest, dass das Stift Kremsmünster immer fremdsprachige Leute sucht, für Führungen von Touristen. „Seit fünf Jahren führe ich jetzt durch das Stift und durch die Sternwarte. Auf deutsch aber auch englisch und italienisch“, so Öllinger.
Dann kam das Jahr 2015, wo etwa 30 unbegleitete Jugendliche in das freistehende Bezirksgericht in Kremsmünster einzogen. „Da habe ich mir gedacht, ich kann ein bisschen Deutsch unterrichten“, erzählt Karl Öllinger. Bei einem Treffen in der Gemeinde, bei dem die Arbeitsgruppen festgelegt wurden, kam es zu einer folgenreichen Entscheidung: „Ich habe mich nicht darum gerissen, aber habe die Ehre gehabt, als Koordinator nominiert zu werden.“
Kernteam findet zusammen
Bald bemerkte Öllinger, dass die unbegleiteten Jugendlichen eine ordentliche Betreuung erfuhren, aber die 44 erwachsenen Flüchtlinge, die in Vier-Bett-Zimmern im Containerdorf nahe der Straßenmeisterei untergebracht wurden, viel mehr Hilfe brauchen. „Es war klar, dass wir für diese Menschen nicht 44 Betreuer finden werden. Ich habe mir aber gedacht, vielleicht zwölf, weil die Flüchtlinge in zwölf Zimmern untergebracht waren“, erzählt der Koordinator.
So hat sich ein harter Kern der Gruppe von einem Dutzend Ehrenamtlichen zusammengefunden. Doch sie blieben nicht alleine. Unterstützt wurden sie von etwa 30 Personen, die immer wieder einmal mitgeholfen und sich für die Menschen engagiert haben.
Intensive Tätigkeit
Karl Öllinger hat schon länger Bezug zu Flüchtlingen, da schon die Familie seiner Frau aus Pressburg (heute Bratislava) geflüchtet war und dank der großherzigen Gräfin im Schloss Kremsegg untergekommen ist, wo sie auch geboren wurde. Zudem war ihr Sohn als evangelischer Vikar in Traiskirchen. „In diesen sieben Jahren wo er Vikar war, habe ich natürlich einiges mitgekriegt, deshalb weiß ich etwas von der Flüchtlingsgeschichte.“
Darum hat er sich auch gerne dieser Sache angenommen, die aber auch sehr fordernd ist. „Man ist täglich in irgendeiner Form damit beschäftigt gewesen, aber nicht unentwegt den ganzen Tag“, so Öllinger. Hin und wieder hat er sich dennoch eine Auszeit gegönnt und eine Reise gemacht, um auf andere Gedanken zu kommen. „Unentwegt in dieser Materie – das geht nicht. Das nimmt zu viel Energie.“
Dennoch stellte sich für ihn nie die Frage damit aufzuhören. „Ich habe immer gesagt, wenn mir nach zwei Jahren Flüchtlingsbetreuung die Luft ausgehen sollte, dann sollten die das verstehen und mich freigeben. Nur wenn man da drinnen ist, da kann man nicht mehr raus. Man gewinnt so viele Freunde. Nicht nur was Flüchtlinge oder Asylsuchende anbelangt, sondern im Ehrenamt so viel Freunde. Das war sehr toll“, kann er auch sehr viel aus dieser Tätigkeit für sich persönlich mitnehmen.
Viel erreicht für Flüchtlinge
Karl Öllinger war selber für eines der Zimmer im Container zuständig und hatte nach seiner Aussage Riesenglück damit. „Diese Bewohner sind von Anfang an super Leute gewesen“, berichtet er mit einem Lächeln. „Einer aus diesem Zimmer hat bereits ein Bleiberecht und arbeitet bei der Firma Sturmberger, ein anderer als Lehrling im Café Schlair. Ein Dritter im Hofgarten. Die Integration hat sofort funktioniert.“
Hilfsbereitschaft nimmt ab
Umso mehr schmerzt ihn der Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung: „Am Anfang war es ja eine Willkommenskultur und viele haben gespendet, aber das hat sich irgendwann einmal gedreht. Vor zwei Jahren ist das immer weniger geworden, auch die Unterstützer sind weniger geworden. Das war natürlich spürbar. Aber es gab keinen Anlass. Die Volkshilfe hat betont, Kremsmünster ist Vorzeigeort für Flüchtlinge, das ist nicht überall so.“ Dass er damals nicht die Lust verloren hat, verdankt er der Unterstützung seitens der Gemeinde und des Stiftes Kremsmünster.
Zusammenhalt groß im Ort
Zu Beginn waren die Zustände beim Unterricht im Container nicht ideal. „Im Sommer war es so heiß in einem Zimmer. Es war verheerend, auch für die Lehrkräfte. Dann bin ich zum Schloss Kremsegg rüber und habe gefragt, ob Raum zur Verfügung steht, wo wir ein bisschen lernen könnten. Und es hat schon gepasst. Seither war dann der Unterricht im Schloss“, freut sich Öllinger über die Unterstützung.
Er hatte auch die Idee, bei Großmärkten am Samstag vor Ladenschluss um Unterstützung anzufragen. Aus dieser Idee ist im Laufe der Zeit auf Initiative von Bürgermeister Gerhard Obernberger der Sozialmarkt entstanden, der seit Ende April unter dem Namen Rotkreuz-Markt Kremsmünster allen einkommensschwächeren Leuten aus Kremsmünster und Umgebung offen steht.
„Ich wurde einmal gefragt: Haben wir überhaupt noch Flüchtlinge in Kremsmünster? Das bedeutet, dass die Integration durch die Unterstützung ehrenamtlicher Helfer zielführend war“, bedankt sich Karl Öllinger bei allen, die dazu beigetragen haben.


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