Missbrauch verhindern: Codekarte soll für stabile Müllgebühren sorgen
BEZIRK KREMS. Mit einer gravierenden Neuerung sind seit Jahresbeginn die Kunden der 18 Abfallsammelzentren (ASZ) im Bezirk konfrontiert. Sie müssen nun bei jedem Besuch eine digitale Berechtigungskarte vorweisen. Auf diese Weise möchte der Gemeindeverband (GV) Krems als Betreiber der ASZ Missbrauch verhindern und die Müllgebühren stabil halten. Tips sprach mit GV-Geschäftsführer Gerhard Wildpert darüber, wie das neue System funktioniert und was mit den Daten passiert.

Ganz neu ist die Einführung einer Berechtigungskarte nicht. Bereits im Jahr 2005 gab der Gemeindeverband Krems Papierkärtchen an seine Nutzer aus, die im Bedarfsfall kontrolliert wurden. Doch bewährt hat sich dieses System nicht. „Es ist im Laufe der Zeit versandet“, erinnert sich Gerhard Wildpert, der den GV seit seiner Gründung im Jahr 1992 führt. Dieses Mal soll es jedoch besser laufen. Die Kunden erhalten nun Plastikkarten mit einem Lesecode, welche die Mitarbeiter bei jedem Besuch elektronisch erfassen.
Abläufe beschleunigen
Wesentliches Ziel des neuen Systems ist es, die Abläufe zu vereinfachen. Dies gilt vor allem für jene Kunden, die kostenpflichtige Abfälle wie Altöl, Reifen oder Restmüll abgeben. Wildpert zufolge schrieben die Mitarbeiter hier zuvor rund 15.000 Lieferscheine pro Jahr, die für die Rechnungslegung dann nochmals händisch ins Computersystem eingegeben werden mussten. Nun werde der Datensatz nur noch einmal elektronisch erfasst und automatisch weiterverarbeitet. Rechnung und Lieferschein kämen weiterhin per Post.
Missbrauch verhindern
Doch Wildpert verhehlt nicht, dass man mit dem neuen System auch Missbrauch verhindern will. Gemeint sind dabei vor allem Gewerbebetriebe, die ab einer gewissen Größenordnung ihre Entsorgungsfirma frei wählen können. „Es hat sich immer mehr eingebürgert, dass Gewerbebetriebe ihren Restmüll von einer privaten Firma abholen lassen, die übrigen Stoffe aber über das Abfallsammelzentrum entsorgen“, so Wildpert. Und das ohne Müllgebühren zu bezahlen. „Wir müssen dafür sorgen, dass dieses System nur denjenigen zugute kommt, die auch dafür bezahlen“, erklärt der Geschäftsführer. Daher soll es für jedes Objekt – egal ob Firma oder Privatanwesen – ab sofort auch nur mehr eine Berechtigungskarte geben.
23.000 Karten verschickt
Rund 23.000 Codekarten wurden nach Angaben von Wildpert bereits automatisch an die Haushalte verschickt. Außerdem rechnet er mit weiteren 5000 bis 6000 Anforderungen – vor allem von Mietern, deren Daten beim Gemeindeverband vorher nicht erfasst waren. Alle Haushalte wurden kurz vor Jahresende schriftlich über die Neuerung informiert, außerdem hängen in jedem ASZ große Transparente, die auf die neue Berechtigungskarte hinweisen.
Bürger zeigen Verständnis
Wildpert zufolge hatten manche Bürger zunächst einen „ambivalenten Zugang“ zu dem neuen System. So seien einige Kunden der Meinung gewesen, dass sie die Mitarbeiter mittlerweile kennen sollten. Nach einer Aufklärung über die Hintergründe, zeigten die meisten jedoch Verständnis für die Neuerung. „Es geht darum, dass wir die Müllgebühren schützen wollen“, betont Wildpert nochmals. Kunden, welche für die Entsorgung ihrer Abfälle bezahlen müssen, seien begeistert, dass der Ablauf nun deutlich schneller gehe.
Was passiert mit den Daten?
Doch wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Laut Wildpert wird bei kostenlosen Abfällen lediglich die Kartennummer an den Gemeindeverband übermittelt, nicht jedoch die Art des Abfalls. Auf diese Weise könne der Verband sehen, ob die Bürger jeweils das naheliegendste ASZ aufsuchen oder auch andere Abgabestellen nutzen. Diese Daten geben dem Verband außerdem Aufschluss über die Auslastung der einzelnen ASZ und sind Grundlage dafür, ob die Öffnungszeiten angepasst werden müssen.


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