Nach Gewalttaten: Kundgebung im Dunstkreis der Identitären, Bürgermeister rät von Teilnahme ab

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Mag. Claudia Greindl Mag. Claudia Greindl, Tips Redaktion, 17.10.2019 13:30 Uhr

LEOPOLDSCHLAG. Unter dem Titel „Gedenken an Franz G.“ ist die genehmigte Veranstaltung, die heute, Donnerstag, Abend um 20 Uhr auf dem Marktplatz stattfinden soll, auf Facebook zu finden. Die Gemeindevertretung rät der Bevölkerung von der Teilnahme ab, auch die Angehörigen des ermordeten Altbauern aus Wullowitz sind laut Bürgermeister gegen die „Mahnwache“, die im Dunstkreis der Identitären Bewegung stehen soll. 

„Bei uns hat eine Privatperson die Veranstaltung für Donnerstag um 20 Uhr auf dem Marktplatz von Leopoldschlag angemeldet“, bestätigt Sicherheitsreferent Bernhard Klein von der BH Freistadt. Eine Überprüfung ergab, dass die betreffende Person der vom Verfassungschutz als rechtsextrem eingestuften Identitären Bewegung zuzurechnen ist. Die Kundgebung wurde rechtskonform genehmigt. „Natürlich haben wir überprüft, ob Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind. Ich erwarte mir aber eine ruhige Veranstaltung“, sagt Sicherheitsreferent Klein. 

Opfer-Familie gegen Mahnwache

Einen ruhigen Verlauf der Mahnwache erhofft sich auch Leopoldschlags Bürgermeister Hubert Koller. Er hat der Bevölkerung via E-Mail und soziale Medien geraten, sich nicht an der Kundgebung zu beteiligen. „Weder die Gemeinde noch die Beteiligten oder die Angehörigen der Opfer wünschen sich eine Teilnahme“, heißt es in Kollers Schreiben. „Ich habe mit der Familie des ermordeten Landwirts gesprochen, nicht einmal sie ist dafür, dass diese Veranstaltung durchgeführt wird“, sagt der Bürgermeister im Tips-Gespräch. Ebenso wie Bernhard Klein rät er den Menschen, der Veranstaltung am besten durch Abwesenheit die entsprechende Bedeutung beizumessen.

Erhöhte Einsatzbereitschaft

Beim Roten Kreuz rüstet man sich angesichts der bevorstehenden Kundgebung mit erhöhter Einsatzbereitschaft. „Wir werden aber nicht vor Ort sein, sondern alle Fahrzeuge auf der Dienststelle Freistadt besetzen“, sagt Bezirksgeschäftsleiter Charles Pickering. 

Tränenreicher Abschied

Neben den Opfern der Messerattacke und ihren Angehörigen sind letztendlich auch die Bewohner des Asylwerberquartiers in Wullowitz die Leidtragenden. Sie wurden, wie Tips berichtete, bereits gestern, Mittwoch, in andere Unterkünfte des Roten Kreuzes umgesiedelt. „Wir haben live miterlebt, wie sich ein Schüler aus Wullowitz unter Tränen von seinen Mitschülern verabschieden musste“,  sagt Michaela Moya Calle, Lehrerin an einer öffentlichen Schule in Freistadt. Zahlreiche Asylwerber-Kinder, die in Schulen und Vereinen gut integriert waren, wurden nach der Flucht aus ihrer Heimat erneut aus ihrer vertrauten Umgebung herausgerissen. 

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