Hilferuf aus Liebenau: Abwanderung nimmt bedrohliche Formen an
LIEBENAU. Hilferuf aus der Gemeinde auf dem Dach der Mühlviertler Alm: Die Zahl der Einwohner sinkt trotz der attraktiven Infrastruktur drastisch, die Kosten drücken immer stärker auf das Gemeindebudget. Grund genug für den Gemeinderat und alle Verantwortungsträger, sich in einer Klausur Gedanken über „Liebenau 2025“ zu machen.

Die Mitglieder des Gemeinderats, die Leiter von Kindergarten, Volksschule und Neuer Mittelschule brüteten in dieser Klausur gemeinsam darüber, wie Liebenau im nächsten Jahrzehnt aussehen soll. „Eines ist klar geworden: Wir haben vom Eltern-Kind-Zentrum bis zur Neuen Mittelschule ein gutes Bildungswesen, mit dem Hallenbad, dem Schilift und dem Tanner Moor ein gutes touristisches Angebot und dazu ein aktives Vereinsleben“, sagt Bürgermeister Erich Punz (SPÖ).
Abwanderung wird bedrohlich
Trotzdem ziehen immer mehr Menschen aus Liebenau weg, sei es, wie eine Umfrage ergeben hat, wegen des Partners, wegen Nähe zum Arbeitsplatz oder wegen der besseren Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Auch der Umzug von Liebenauern in Seniorenheime bedeutet ein Einwohner-Minus für Liebenau. „Und da beißt sich die Katze in den Schwanz: Weniger Einwohner heißt weniger Geld für die Gemeinde, das wiederum für den Erhalt der Infrastruktur fehlt“, sagt der Bürgermeister. „Es kann nicht sein, dass periphere Gemeinden wie Liebenau den Kommunen im Speckgürtel von Linz gleichgestellt sind“, prangert er genauso wie Vizebürgermeister Manfred Eckl (ÖVP) an, dass es keine bessere Förderung für abgelegene Gemeinden gibt.
Arbeitsplätze fehlen
Neben der schlechten Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz leidet Liebenau auch unter dem Mangel an Arbeitsplätzen. Punz: „Wir haben zwar mehr als 100 Einpendler zu ihren Arbeitsplätzen in der Gemeinde, denn auch kleine Betriebe brauchen Arbeitskräfte, aber es könnten viel mehr sein – müssen denn alle Arbeitsplätze, privat oder auch Behörden, im Zentralraum angesiedelt sein?“ Der Ortschef fordert daher von der Politik, die Rahmenbedingungen für mehr Arbeitsplätze im peripheren Raum zu schaffen.
Waldanteil jenseits von 70 Prozent
Ebenso dringend seien Änderungen bei der Flächenwidmung und der Raumordnung. „Die brauchen wir dringend, auch in Hinsicht auf die Nachfolge bei Privatobjekten und vor allem in der Landwirtschaft“, weiß Punz von einem Fall zu berichten, in dem ein Interessent für ein landwirtschaftliches Grundstück drei Jahre lang warten musste, bis er grünes Licht für seinen Pferdehof bekam. In den meisten Fällen werde leider aufgeforstet, sobald ein Bauernhof die Bewirtschaftung aufgibt. Ein Waldanteil von mehr als 70 Prozent in der Gemeinde nimmt für diese bereits jetzt bedrohliche Formen an.
Attraktives Tanner Moor
In der Gemeindeklausur wurde nun festgelegt, welche Strukturen für „Liebenau 2025“ unbedingt erhalten bleiben sollen, und wer auf Gemeinde-Ebene dazu beitragen kann. Ein wichtiger Bereich dabei ist der Tourismus mit dem Tanner Moor, das jährlich 30- bis 40.000 Tagesgäste anzieht. Mitte des Jahres wird es Resultate einer derzeit laufenden Studie über eine weitere Attraktivierung des Moorwegs geben. Punz: „Diese werden wir im Einvernehmen mit dem Grundbesitzer, der Familie Sachen-Coburg und Gotha, umsetzen.“


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