Packerlflut bringt Postler ans Limit: „Es muss noch schaffbar sein“

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Michaela Primessnig Michaela Primessnig, Tips Redaktion, 01.12.2020 15:00 Uhr

ALLHAMING/OÖ. 2019 hat die Post in Österreich 127 Millionen Pakete ausgeliefert. Heuer rechnet man damit, dass die 150-Millionen-Marke geknackt wird. Obwohl auch in Oberösterreich jetzt zusätzlich Personal aufgenommen wurde, sind die Mitarbeiter bereits jetzt am Limit. Die Gewerkschaft warnt nun vor einem drohenden Kollaps in der Postzustellung.

„Zum Glück halten sich die krankheitsbedingten Ausfälle in Grenzen. Wenn das nicht so wäre, dann gäbe es keine Post mehr“, so Markus Sammer, Vorsitzender der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten, Landesgruppe Oberösterreich. „Viele Mitarbeiter haben auf ihren Urlaub verzichtet. Es ist wirklich alles unterwegs, was laufen kann.“ Die Situation in der Paket- und Gesamtzustellung entwickle sich kurz vor Weihnachten aber zunehmend zu einem Desaster. Die Mitarbeiter seien am Limit und manche würden bereits über gesundheitliche Probleme klagen. Zusätzlich belasten die betriebsinternen Corona-Maßnahmen. So stellt der gestaffelte Dienstbeginn in der Zustellung die Mitarbeiter vor große Schwierigkeiten.

Arbeitsalltag wird immer mehr zur Belastung

„Die erste Gruppe startet zwischen 8 und 9 Uhr in die Rayone, die zweite Gruppe erst gegen Mittag. Wir haben viele Mädels, die Unfassbares leisten, aber jetzt im Finsteren noch herumlaufen müssen, das ist nicht in allen Gegenden so fein“, beschreibt Sammer den Arbeitsalltag der Postler. Das Problem seien vor allem die vielen, teils auch sehr schweren Pakete. „Es kommen immer mehr Sendungen, die riesig sind. Natürlich gibt es Höchstmaße und -gewicht. Dann werden die Sachen zerlegt und in Einzelpaketen geschickt. Die Zusteller fahren mit unvorstellbaren Mengen“, verrät ein Mitarbeiter der Paketlogistik.

„Es ist super, dass wir so viel Geschäft haben, aber wir brauchen auch das Personal. Wir beten das seit dem Frühjahr. Es muss für unsere Mitarbeiter noch schaffbar sein“, fordert der Gewerkschafter. „Es stimmt, wir haben heuer massiv mehr Paketmengen als zuvor. Bereits zu Ostern hatten wir zehn Wochen Weihnachten“, bestätigt die Pressesprecherin der Post, Kathrin Schrammel. „Wir wissen, dass die Situation schwierig ist, deswegen haben wir auch 130 neue Mitarbeiter in der Distribution und 120 in Allhaming aufgenommen.“ Zusätzlich zum Eigenpersonal würde man sich im Paketdienst vermehrt mit externen Frächtern durch die Zeit retten. „Das ist nicht so einfach. Man braucht im Paketdienst auch eine Zeit, bis man diesen Job machen kann. Es ist ein echter Knochenjob“, betont ein Mitarbeiter der Paketlogistik. „Jeden Tag muss man sich eine neue Route zusammenstellen.“

Abstellgenehmigung als Erleichterung für Zusteller

Die kontaktlose Zustellung, die im Frühjahr ermöglicht wurde, gibt es jetzt aber nicht. „Das würde uns aber enorm helfen“, so Sammer. „Dazu müsste der Gesetzgeber aber die Post von der Haftung befreien.“ „Die Kunden nehmen zum Glück immer mehr die Abstellgenehmigung in Anspruch. Wir rufen auch auf, das zu nutzen, der Rest liegt bei der Politik“, so die Unternehmenssprecherin der Post. Für den Gewerkschafter ein schwacher Trost. „Die freudestrahlenden Zusteller, die jetzt wie in der Werbung im Garten das Packerl ins Spielhaus stellen, sehe ich ehrlich gesagt nicht.“

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