Büffel und Pilze: Erfolgsrezept der Revitalisierung am alten Ortnerhof

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Michaela Primessnig Michaela Primessnig, Tips Redaktion, 20.01.2021 10:36 Uhr

EGGENDORF. Rund drei Jahrzehnte ist der Ortnerhof leer gestanden und wurde nicht bewirtschaftet. Dann haben Beate und Herbert Schachner das Anwesen geerbt und Schritt für Schritt angefangen, den landwirtschaftlichen Betrieb aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Mit dem Vertrieb von Büffelfleisch und Austernpilzen haben sich die Quereinsteiger inzwischen einen Kundenstamm aufgebaut, der bis nach Wien reicht.

Zwei Physiotherapeuten erben einen alten Bauernhof. Seit zig Jahren sind alle Flächen verpachtet. Am Hof steht alles still. Beate und Herbert Schachner haben diese Herausforderung vor 14 Jahren angenommen und begonnen, als Quereinsteiger eine Landwirtschaft von Null aufzubauen. „Klar war für uns von Anfang an: Wenn wir was machen, dann muss es bio sein. So haben wir dann mal ein Feld wieder aus der Verpachtung rausgenommen und Dinkel angebaut, weil ich schon immer gerne Brot gebacken habe“, erinnert sich Beate Schachner an die Anfänge.

Dass zu einem Bauernhof auch Tiere gehören, war für sie und ihren Mann Herbert klar und so zogen vorerst einige Hühner und ein paar Freilandschweine auf den Ortnerhof. „Weil wir viele feuchte Bachwiesen haben, meinte eines Tages ein Bekannter, Wasserbüffel würden gut passen. Da haben wir zuerst noch drüber gelacht“, erinnert sich die 53-jährige Landwirtin. Bei einem Besuch auf einem Büffelbetrieb im Mühlviertel ist die Entscheidung dann gefallen: „Wir haben uns auf den ersten Blick in diese Tiere verliebt und ein Jahr später haben wir dann die ersten acht Jungtiere auf unseren Hof geholt.“

Sipbachtaler Wasserbüffel: Zwei Höfe − eine Idee

Im März werden es heuer acht Jahre, dass die Wasserbüffel zum Landschaftsbild in Eggendorf dazugehören. Das Projekt ganz alleine zu stemmen, machte den Schachners aber schon auch ein bisschen Angst. Und wie es der Zufall so wollte, haben in dieser Zeit auch die Steinhubers vom Bauer-zu-Kreuzing-Hof nach einem Konzept für ihren Betrieb gesucht und sich dann auch für die Büffelzucht entschieden. „So hat es sich ergeben, dass wir gemeinsam das Projekt ‚Sipbachtaler Wasserbüffel‘ auf die Beine gestellt haben“, verrät Schachner. Die beiden Familien helfen sich gegenseitig bei der Arbeit, haben denselben Fleischhauer und vermarkten ihre Produkte auch gemeinsam: „Jeder von uns vier bringt sich mit seinen Stärken ein. Wir unterstützen uns gegenseitig und freuen uns auch miteinander.“

Klare Vermarktungsstrategie wichtig

Weil Büffelfleisch damals noch kaum einer kannte, war am Anfang noch viel Überzeugungsarbeit notwendig, um auch Abnehmer für die Produkte zu finden. „Wir haben oft Leute zur Verkostung eingeladen, weil das ja keiner kannte. Man braucht da eine sehr klare Vermarktungsstrategie“, weiß Beate Schachner. Im Hofladen gibt es neben Frischfleisch auch verschiedene Salamis, Rohschinken, Leberaufstriche und hausgemachtes Sugo im Glas. Inzwischen hat sich über die Grenzen der Region hinaus herumgesprochen, welch hohe Qualität und intensiv-aromatischen Geschmack das magere und feinfaserige Büffelfleisch hat. Innerhalb kürzester Zeit sind die Produkte deswegen auch immer vergriffen. „Wir schlagen immer nur ein Tier, über einen E-Mail-Verteiler kontaktieren wir dann unsere Kunden und bereiten dann alles fertig vor zur Abholung.“

Austernpilze im Keller und Bio-Catering

Das Konzept des Betriebes ist somit aufgegangen. Zusätzlich hat Beate Schachner, die ausschließlich am Hof arbeitet, auch eine Zeit lang Koch- und Backkurse angeboten, das ginge sich aber derzeit nicht mehr aus. Dafür bietet sie aber Catering für kleinere Veranstaltungen und Feiern an. Ehemann Herbert, der noch in Teilzeit an der Fachhochschule Physiotherapie unterrichtet, hat auch noch ein weiteres Steckenpferd für sich entdeckt: die Pilzzucht. Seit 2018 gedeihen im früheren Mostkeller Austernpilze auf mit Weizenstroh und Gerstenkörnern gefüllten Säcken. In naher Zukunft sollen auch noch Kräuterseitlinge dazukommen. „Die Nachfrage ist so groß, dass wir einen zweiten Zuchtraum gebaut haben. Am Anfang waren wir da schon blauäugig und sind auch auf die Nase gefallen, aber mein Mann hat sich intensiv damit befasst, inzwischen stellen wir auch die Säcke selbst her. Das war alles ‚Learning by Doing‘.“ Die Entscheidung für die Landwirtschaft haben die Schachners nie bereut. „Man muss aber schon sagen, dass eine kleine Landwirtschaft wie unsere zu führen, nahe an der Selbstausbeutung ist. Oft fragen wir uns, wie wir da reingeraten sind. Es muss eine innere Führung gewesen sein und wir hatten das Riesenglück, dass wir vollkommen freie Hand hatten“, so die Bäuerin.

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