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Probe-Straßensperren in St. Isidor und Haag sorgen für großen Unmut bei Autofahrern

Melissa Untersmayr, 12.06.2024 10:00

LEONDING. Momentan macht die Stadt Leonding „Abschneidern“ einen Strich durch die Rechnung: In der Herderstraße sowie am Südgarten wurden probeweise Straßensperren errichtet, um den Ausweichverkehr einzudämmen. Diese scheinen einem Teil der Bevölkerung sauer aufzustoßen: Man habe mit Unmut gerechnet, so Verkehrsstadtrat Armin Brunner, aber „dass es bis zur Sachbeschädigung geht, hätte ich nie erwartet“.

Der beschädigte Schranken am Südgarten ist mittlerweile wieder repariert. (Foto: OÖN/Diabl)
Der beschädigte Schranken am Südgarten ist mittlerweile wieder repariert. (Foto: OÖN/Diabl)

Die Sperren der beliebten Schleichwege in Haag und St. Isidor wurden bereits am zweiten Tag des Probebetriebs teilweise beschädigt. Offensichtlich löst das Projekt bei einigen Bürgern mehr Verärgerung aus als gedacht. Seitens der Stadt Leonding habe man mit Unmut gerechnet – „Ich bin jedoch nicht einverstanden, dass deshalb öffentliches Eigentum im Wert von mehreren Tausend Euro beschädigt wird“, sagt Verkehrsstadtrat Armin Brunner (SPÖ) auf Anfrage von Tips.

Ende Mai errichtete man die baulichen Barrieren als Pilotprojekt zur Verkehrsberuhigung. „Die Bewohner sollen erfahren, was sie im Alltag bedeuten und sehen, wie sich der Verkehr in ihrer Siedlung verändert. Diesem Probebetrieb sollte man auch eine Chance geben“, äußert sich Leondings Bürgermeisterin Sabine Naderer-Jelinek (SPÖ) im Hinblick auf die jüngsten Vorfälle. Unterstützung kommt von den Grünen: „Die Stadt Leonding hat hier eine mutige und richtungsweisende Initiative zum Schutz der Wohnbevölkerung ergriffen“, findet Lukas Linemayr, Obmann der Leondinger Grünen-Fraktion.

Endgültig obliegt die Entscheidung den Anrainern. Sie können nach Ende der viereinhalbmonatigen Testzeit im Oktober abstimmen, ob die Sperren dauerhaft bestehen sollen. Laut Aussage von SPÖ sowie den Grünen will man sich – obwohl rechtlich nicht bindend – an das Ergebnis der Befragung halten.

Verkürzung der Probephase nicht ausgeschlossen

Der Gemeinderatsbeschluss für das Projekt erfolgte einstimmig, ÖVP und FPÖ rudern nun aber teilweise zurück. Man habe Verständnis für die Verärgerung, vor allem aufgrund der täglichen Verzögerungen im Bereich der B139, die durch die Sperren entstanden sind. „Wenn der Verkehr deswegen komplett zusammenbricht, muss man gegensteuern“, so Leondings Vizebürgermeister Thomas Neidl (ÖVP). „Ich war Montagabend vor Ort, da war der Stau extrem. Wenn die Situation so bleibt, wie sie jetzt ist, dann muss die Probephase verkürzt werden“, fordert FPÖ-Stadtparteiobmann Peter Gattringer im Einklang dazu.

Tatsächlich bestätigt Brunner auf Nachfrage erhöhten Rückstau zur Hauptverkehrszeit: „Cirka eine Stunde in der Früh und zwei Stunden am Nachmittag gibt es vom Hammerlweg weg in Richtung Infracenter eine zehnminütige Verzögerung.“ Man beobachte die Entwicklung jedoch genauestens.

Das Centre for Mobility Change der Universität Innsbruck, die das Pilotprojekt begleitet, hätte ursprünglich einen Probedurchlauf von sechs Monaten empfohlen. „Wir haben diesen einstimmig auf viereinhalb Monate verkürzt, bis Oktober. Der Gemeinderat kann zukünftig aber auch anderes beschließen“, so Brunner.

Alternative Maßnahmen in den letzten Jahren erfolglos

Laut Linemayr suche man bei den beiden Durchzugsstraßen „schon immer“ nach einer Lösung: Verschiedenste Maßnahmen der letzten Jahre – darunter Fahrbahnverengungen oder Blumentröge – scheiterten kläglich beim Versuch, das Verkehrsaufkommen in den Siedlungsgebieten zu minimieren. „Es gibt genug Leute, die ein Problem mit dem Durchzugsverkehr haben“, so Linemayr.

Verkehrsstadtrat Brunner und Bürgermeisterin Naderer-Jelinek läge dazu eine Unterschriftenliste von 120 Südgarten-Bewohnern aus dem Jahr 2021 vor. Mit der baulichen Sperre der beliebten Schleichwege wolle man Lärm, Abgase und Feinstaub verringern. „Wir sind uns bewusst, dass dies nicht alle Probleme löst. Natürlich gibt es dadurch Umwege und Verzögerungen“, so Brunner. Das Pilotprojekt diene aber eben dazu, dass Vor- und Nachteile der Lösung erfahren werden können.

„Hätte keine Freude, wenn das für immer so bleibt“

Mehr Nach- als Vorteile spüren momentan zwei Anrainerinnen, die von der Sperre der Herderstraße betroffen sind: Auf ihrem Arbeitsweg nach Linz seien sie im morgendlichen Berufsverkehr zu einem etwa 900 Meter langen Umweg in die entgegengesetzte Richtung gezwungen. „Außerdem muss ich an der Kremstalkreuzung mindestens fünf Grünphasen abwarten“, ärgert sich Renate Lindorfer über den täglichen Rückstau. Auch Petra Schabl kennt das Problem: „Uns Bewohner vom Kletzmayrweg hat man komplett eingesperrt“.

Die beiden Damen haben Verständnis für die Reaktion der Stadt Leonding, denn „gegen den Ausweichverkehr gehört etwas unternommen“, so Lindorfer. Zuletzt wurden in der Herderstraße rund 4.000 Verkehrsbewegungen pro Tag gemessen, 26 Prozent davon Durchfahrten. Dennoch sehen die beiden Frauen, die keine direkten Bewohnerinnen der Herderstraße sind, in der Sperre eine untragbare Lösung: „Ich wohne seit 25 Jahren in dieser Siedlung und jetzt soll ich auf einmal die Straße nicht mehr benützen dürfen?“, so Lindorfer.

Sie tritt für ein Fahrverbot ein, das Anlieger ausnimmt. „Dann muss man eben die Exekutive hinstellen und alle strafen, die sich nicht daran halten“. Von Seiten der Stadt seien rechtliche Maßnahmen nicht ausreichend überwachbar. So bleibt in der Causa wohl abzuwarten, wie die Befragung im Oktober ausgehen wird.

Teilen Sie der Stadt Leonding gerne Ihre Erfahrungen mit den vorübergehenden Durchfahrtssperren mit!
Beteiligungsbox Am Südgarten: https://herry.at/survey/index.php/524392?lang=de
Beteiligungsbox Herderstraße: https://herry.at/survey/index.php/262254?lang=de

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