Geh-Denken 2026 in Ansfelden: Erinnerung an Todesmärsche
ANSFELDEN. Im April 1945 wurden 22.000 jüdische Menschen vom Zeltlager des Konzentrationslagers Mauthausen und vom Konzentrationslager Gusen in nur drei Tagen in das mehr als 60 Kilometer entfernte Waldlager nach Gunskirchen getrieben. In Erinnerung an diese Todesmärsche findet am Mittwoch, 22. April, um 18 Uhr das Geh-Denken bei der Kremsbrücke Ansfelden statt.

Veranstalter sind die Plattform „Wider das Vergessen“, das Mauthausenkomitee Ansfelden-Traun, der Treffpunkt mensch & arbeit Nettingsdorf, der Österreichische Gewerkschaftsbund Linz-Land, die Stadtgemeinde Ansfelden, die Mittelschule Ansfelden, die Volksschule Ansfelden, die SPÖ Ansfelden und die Grünen Ansfelden.
Im Anschluss an das diesjährige Geh-Denken, gegen 19.30 Uhr, wird der Film „Das radikal Böse“ (ab zwölf Jahren) im Treffpunkt mensch & arbeit Nettingsdorf in der Nettingsdorfer Straße 58 gezeigt.
Fokus auf Täter im Nationalsozialismus
Innerhalb weniger Sekunden lassen sich die Namen von Opfern in den verschiedensten Archiven finden, die Suche nach den Tätern gestaltet sich jedoch ungleich schwieriger. Darum stehen heuer Täter im Nationalsozialismus im Mittelpunkt der österreichweiten Befreiungsfeiern.
Sie agierten auf unterschiedlichen Ebenen – von unmittelbarer Gewaltanwendung in Konzentrationslagern bis zur administrativen Unterstützung des Mordprogramms sowie durch das Mittragen der menschenverachtenden Ideologie im Alltag.
Ideologische Indoktrination
Verschiedene Faktoren trugen dazu bei, dass gewöhnliche Menschen im Nationalsozialismus den Massenmord ermöglichten. Eine zentrale Rolle spielte die gezielte Propaganda, die systematisch Feindbilder und antisemitische Hetze verbreitete.
Diese ideologische Indoktrination bereitete den Boden für die schrittweise Entmenschlichung der Opfer, die sich in sprachlicher, visueller und sozialer Ausgrenzung manifestierte.
Immer auch Umfeld betrachten
Nicht alle waren sadistische Monster, aber alle waren Menschen. Täter müssen im Zusammenhang mit ihrem Umfeld betrachtet werden. Sie fielen in den allermeisten Fällen nicht durch besondere Grausamkeit auf, bevor sie Teil des Konzentrationslagersystems wurden. Sie waren Teil der Gesellschaft, hatten Familien und ein Alltagsleben.
Das macht ihre Verbrechen nicht weniger schwerwiegend, sondern umso erschreckender – denn es zeigt, dass unter bestimmten Umständen viele Menschen zu Tätern werden können.
Lehren für die Gegenwart
Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit bietet wichtige Lehren für die Gegenwart. Alarmierende Signale sind die Verwendung entmenschlichender Sprache oder die pauschale Abwertung ganzer Gruppen – solche Muster schaffen einen Nährboden für Gewalt und gesellschaftliche Spaltung.
„Ohren, die die anderen Stimmen hören“
Zuhören ist ein politischer Akt, so formuliert es Hartmut Rosa: „Früher habe ich immer gesagt, Demokratie funktioniert nur, wenn jede und jeder eine Stimme hat, die hörbar gemacht wird. In letzter Zeit komme ich aber zu der Überzeugung: Es gehören auch Ohren dazu. Es reicht nicht, dass ich eine Stimme habe, die gehört wird, ich brauche auch Ohren, die die anderen Stimmen hören. Und ich würde noch darüber hinausgehen und sagen, mit den Ohren braucht es auch dieses hörende Herz, das die anderen hören und ihnen antworten will.“
Demokratischer Rechtsstaat und Widerstandskultur
Nur ein starker demokratischer Rechtsstaat sichert Menschlichkeit und einen menschenwürdigen Umgang miteinander. Ebenso wichtig ist die Förderung einer Widerstandskultur – der Mut zum Widerspruch gegen menschenfeindliche Entwicklungen in Gesellschaft, Politik und Alltag muss gestärkt werden.
Erinnern, aus der Geschichte zu lernen, wachsam zu bleiben und demokratische Werte zu verteidigen, um die Zukunft menschenwürdig zu gestalten, ist auch heute von zentraler Bedeutung.
„Bedenkt, dass ihr Mensch seid. Das ist das Einzige. Seid menschlich!“ Diese Botschaft von Aba Lewit, einem KZ-Überlebenden, gilt auch heute, vielleicht mehr denn je.


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