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LINZ-LAND. Herwig Mahr begann seine politische Karrier in Traun, ist seit 2009 Bezirksparteiobmann und seit 2015 Klubobmann des Freiheitlichen Klubs im oberösterreichischen Landtag. Im letzten Sommergespräch haben wir uns mit ihm über Politikverdrossenheit, den Verkehr im Bezirk und die anstehende Nationalratswahl unterhalten.

Herwig Mahr startete seine politische Karriere schon 1985 in Traun.
Herwig Mahr startete seine politische Karriere schon 1985 in Traun.

Tips: Seit wann sind sie politisch aktiv?

Herwig Mahr: Aktiv bin ich als Ersatzgemeindrat in Traun seit 1985, also schon eine lange Zeit.

Tips: Was hat sie an Politik besonders gereizt bzw. interessiert sie besonders an der Politik?

Mahr: Ich möchte mitgestalten und möchte nicht einer sein, der sich nur immer aufregt und sagt, es ist alles schlecht. Ich glaube, die Möglichkeit hat man im Gemeinderat genauso wie im Land oder im Nationalrat, ganz egal in welcher Funktion. Es ist wichtig in einer Demokratie, dass wir eine Meinungsvielfalt haben. Wir brauchen vor allem viele junge Leute, weil jetzt sehr viele Beschlüsse gefasst werden, die die nächste oder übernächste Generation ausbaden oder bezahlen muss. Daher wäre es so wichtig, dass sich die Jungen für Politik interessieren.

Tips: Ist Politikverdrossenheit ein Problem für die Demokratie?

Mahr: Unabhängig der Parteien, die Bevölkerung – und speziell die Jugend - will sehen, dass gearbeitet und nicht gestritten wird. Man kann durchaus in der Politik Fehlentscheidungen treffen, weil kein Mensch macht keine Fehler, aber die Bevölkerung muss mitkriegen „die arbeiten und meinen das ernst was sie da sagen“. Das müssten wir viel mehr leben, fraktionsübergreifend, das wäre der Vorteil einer Demokratie. Dann glaube ich auch, wieder Teile der Bevölkerung so motivieren zu können, erstens wieder zur Wahl zu gehen und sich auch wieder mehr für Politik zu interessieren.

Tips: Sie reden von streiten. Ist eine positive Streitkultur in der Politik nicht auch wichtig?

Mahr: In Oberösterreich haben wir eine sehr positive, angenehme Streitkultur. Wir diskutieren relativ heftig oft einmal, aber zur Sache auf so einem Niveau, dass wir uns nach der Diskussion noch die Hand geben und anschauen können. Das belebt die Demokratie und ist auch Sinn und Zweck. Dass es unterschiedliche Ansichten gibt, ist klar, die gibt es zuhause in der Familie, und die gibt es natürlich auch in der Politik. Das befruchtet sogar, es gehört aber eine Streitkultur auch dazu.

Tips: War ihre politische Laufbahn geplant oder ist sie passiert?

Mahr: Hundertprozentig passiert. Nach meinem Einzug in den Gemeinderat wurde ich 1991 – 32-jährig – in Traun Vizebürgermeister. Dadurch bin ich relativ zügig in eine tolle und verantwortungsvolle Funktion gekommen. Wenn du dann von der damals viertgrößten Stadt Oberösterreichs Vizebürgermeister bist, das hat mich beflügelt. Seit 2015 bin ich leidenschaftlich gern Klubobmann. Ich habe jetzt auf alle Fälle noch zwei Jahre bis zur nächsten Wahl und dann werden wir weitersehen.

Tips: Wann wird die Intensivphase des Wahlkampfes losgehen?

Mahr: Die internen Aufbereitungen, Listenerstellungen usw. sind alle schon abgeschlossen. Ich muss aber dazu sagen, meine Aufgabe als Klubobmann ist im Landhaus zu schauen, dass ÖVP und FPÖ koordiniert sind. Unser Landeshauptmann-Stellvertreter ist ja gleichzeitig auch Landesparteiobmann, der hat da weitaus mehr Arbeit mit dem Ganzen. Ich glaube aber, wir werden in Oberösterreich einen ganz sauberen und fairen Wahlkampf machen. Wir haben ein Arbeitsabkommen mit der ÖVP das hervorragend funktioniert und wollen das sicher nicht gefährden.

Tips: Was sind die erwarteten Hauptthemen im Wahlkampf?

Mahr: Da wird es einige Themen geben. Sowohl der Verkehr und Infrastruktur, Wohnbau sowie Natur- und Klimaschutz, aber auch der Fachkräftemangel.

Tips: Welche Lösungen im Verkehr des Bezirkes haben Priorität?

Mahr: Ich bin da voll auf Linie unseres Landesrates Steinkellner, der selbst im Bezirk in Leonding zuhause ist. Für mich ist beim öffentlichen Verkehr die Weiterführung der Straßenbahn Richtung Ansfelden ganz ganz wichtig. Das ist aber nur parallel zu sehen mit dem Knotenausbau Haid-Ansfelden. Wir haben gute Karten, dass der relativ zügig in den nächsten Jahren umgesetzt wird. Wenn ich mit dem Auto in die Arbeit fahre, müsste ich Anreize schaffen, dass ich im Bus – auf einer eigenen Busspur – die Strecke in der halben Zeit zurücklegen kann. Wenn der Bus aber im gleichen Stau steht, warum soll ich dann umsteigen? Die Situation im Bezirk mit den vielen Aus- und Einpendlern ist natürlich nicht leicht, weil wir sehr viel Verkehr haben. Trotzdem müssen wir das sinnvoll gestalten.

Tips: Wo kann man beim Klimaschutz noch gezielt ansetzen?

Mahr: Ein Thema, wo ich glaube, dass die Politik in den nächsten Jahren europaweit gefordert sein wird, ist beim Verpackungswahn. Wo der Endkonsument überhaupt keine Chance hat, hier etwas zu verändern und wo man überflüssigen Verpackungsbedarf eliminieren muss. Ich denke, wenn die Politik das mit gesundem Hausverstand vorlebt, werden wir schon Vorbildwirkung bekommen. Die Betrachtungsweise muss in Zukunft eine andere sein. Und wenn ich heute sage, die E-Mobilität ist hervorragend aber die Erzeugung der Batterie soviel Schadstoffe verursacht, dass es viel schlechter ist, muss man sich fragen, ob das der Weisheit letzter Schluss ist. 

Tips: Wie ist der Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen?

Mahr: Das ist kein bezirksspezifisches Problem, aber es wird immer schwerer, gute Leute zu finden. Wir müssen endlich wieder zu der Einstellung kommen, dass auch das Handwerk und die Lehre einen dementsprechend guten Ruf haben. Da hat die Generation von mir natürlich auch etwas Mitschuld, wenn man dann zuhause sagt „wennst nix lernst, muast ind' Lehr geh“, dann implizierst du ja der Lehre von Haus aus etwas Negatives. Aber wir haben generell einen Mangel an Fachkräften und ich glaube wir werden das mit unseren eigenen Leuten in Summe nicht schaffen. Wir müssen uns diesbezüglich einfach gut ausgebildete Leute hereinholen, die uns da aushelfen. Besonders die kleinen Firmen tun sich am Markt sehr schwer, weil sie nicht die Möglichkeiten haben wie große Unternehmen mit eigenen Ausbildungszentren usw., das können sie sich nicht leisten. 

Tips: Man hört immer wieder von Drogenlenkern in Linz-Land, ist das Thema generell ein Problem im Bezirk?

Mahr: Mir wurde von der Exekutive gesagt, dass es mehr wird. Wir bekommen auch immer mehr Autofahrer, ich habe überhaupt kein Verständnis dafür und da gehören auch rigorose Strafen gesetzt. Da brauche ich aber auch mehr Polizisten im gesamten Bezirk, damit die ordnungsgemäß ihre Arbeit durchführen können. Wenn die aber zu wenig Leute haben und der Bürokratieaufwand immer größer wird, haben wir dort ein Problem. Ich glaube auch, dass der von außen umstrittene ehemalige Innenminister Kickl da einiges gemacht und sehr viel auf den Weg gebracht hat. Wir brauchen einfach mehr Leute – ganz einfach. 

Tips: Was läuft in Linz-Land besonders gut?

Mahr: Was aus dem Bezirk rein wirtschaftlich gemacht worden ist, da hat die Politik natürlich nur die Rahmenbedingungen geschaffen, aber das ist schon herzeigbar. Wir liegen nun einmal auch sehr günstig. Wir haben  auch hervorragende kulturelle Angebote durch die Großstadt. In Summe glaube ich, dass Linz-Land ein sehr schöner und pulsierender Bezirk ist, in dem man sehr gut leben kann. 

Tips: Wo gibt es Problemfelder, wo sehen Sie noch Nachholbedarf?

Mahr: Wir haben sicher ein Problem was die Ärzteversorgung betrifft, das ist auch österreichweit ein Thema. Allerdings profitieren wir da von der Nähe zu Linz, weil wenn etwas ist, ist man in zehn Minuten mit der Rettung im Spital. Im ländlichen Raum mit größeren Distanzen ist das natürlich problematischer. Ärztemangel wird aber sicher auch in Zukunft ein Thema bleiben. 

Tips: Sie sind selbständig, Bezirksparteiobmann und leiten den Landtagsklub. Haben Sie noch Zeit für Familie und Privates?

Mahr: Sehr wenig Zeit, das muss man ganz objektiv sagen. Ich versuche um 07.30 Uhr spätestens im Büro zu sein und recht viel vor 23 Uhr am Abend habe ich zumindest fünfmal die Woche keine Chance daheim zu sein. Das bringt der Job eben mit sich, aber er ist sehr interessant und gestaltungsreich.

Tips: Wie schafft man den Ausgleich?

Mahr: Ich habe bei mir in Traun ein Wasserkraftwerk gebaut und produziere Strom. In der Aulandschaft sind meine Schafe und Hühner, das ist genau das, was ich brauche, dass ich wieder frei werde im Kopf. Die Arbeit ist zwar vielleicht körperlich anstrengend, aber erdet einen und gibt einem Kraft. 

Tips: Wie stehen sie zu einer Neuauflage der Koalition mit Türkis auf Bundesebene?

Mahr: Zuerst müssen wir einmal das Wahlergebnis abwarten, dann kann man über verschieden Sachen diskutieren. Persönlich glaube ich, dass die türkis-blaue Regierung sehr gute Arbeit geleistet hat. Das ist auch bei der Bevölkerung so angekommen. Daher bin ich auch für eine Fortführung der Koalition.


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