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OÖ/LEONDING. Der Verein Sozialpädagogik OÖ vereint als Dachverband 16 öffentliche und private Organisationen der Kinder- und Jugendhilfe. In einem Treffen im plan B - Kompetenzzentrum in Leonding mit politischen Entscheidungsträgern aller im Landtag vertretenen Fraktionen wurde über aktuelle und künftige Herausforderungen in der sozialpä­dagogischen Arbeit diskutiert.

Vorne v.l.: LAbg. Ulrike Schwarz, Landesrätin Birgit Gerstorfer, LAbg. Ulrike Wall, LAbg. Johann Hingsamer, LAbg. Gertraud Scheiblberger. Hinten v.l.: Alexander König, Martin Hofer, Gerhard Pohl, Andrea Scharinger, Gerhard Eisschill, Elisabeth Pammesberger (Foto: Verein Sozialpädagogik)

Wenn Kinder und Jugendliche in die sozialpädagogische Betreuung kommen, haben sie oft schon eine Reihe traumatisierender Erfahrungen gemacht, wie Vernachlässigung, Gewalt, Missbrauch oder wiederholte Beziehungsabbrüche. Die zunehmende Komplexität der Bedürfnisse stellt die Sozialpädagogen oft vor große Herausforderungen. Der Aufbau von Vertrauen und tragfähigen Beziehungen, auf deren Basis Entwicklung möglich wird, benötigt mehr Zeit und personelle Ressourcen.

Dem Obmann des Vereins Sozialpädagogik OÖ, Alexander König, ist es wichtig, Verständnis in der Öffentlichkeit herzustellen. „Wir müssen aufzeigen, was Kinder- und Jugendhilfe für die Gesellschaft leistet und leisten soll. Jeder Euro, der in Maßnahmen für die Kinder- und Jugendhilfe gesteckt wird, bringt in Zukunft drei Euro“, ist es ihm wichtig, den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich zu selbstbestimmten Menschen zu entwickeln.

Längere Betreuung gefordert

Auf Unterstützung der Kinder- und Jugendhilfe besteht derzeit ein Rechtsanspruch bis zur Voll­endung des 18. Lebensjahres mit der Möglichkeit einer Verlängerung bis 21 Jahre. „Oft ist aber sogar diese Verlängerung nicht möglich. Die Jugendlichen werden dadurch zu Bittstellern“, kritisiert Alexander König, der einen Rechtsanspruch auf Unterstützungsmaßnahmen bis 24 Jahre – gekoppelt an die Familienbeihilfe – für jene Personen fordert, die bereits vor dem 18. Lebensjahr von der Kinder- und Jugendhilfe betreut wurden.

„Brauchen mehr Zeit“

Gerhard Eisschill, Leiter der Sozialpädagogischen Wohngruppen im Diakonie Zentrum Spattstraße, führt aus, dass die Herausforderungen für Sozialpädagogen seit Jahren steigen, die Anforderungen der Kinder sich verändern: „Aufgrund der oft dramatischen Biographie der jungen Menschen, die sich in Verweigerungshaltungen und Bindungsstörungen manifestieren, brauchen wir oft länger, um sie zu erreichen. Das Problem ist, dass wir dafür zu wenig Zeit haben.“ Mitarbeiter müssen im regulären Betrieb schon oft Überstunden leisten, die Corona-Krise hat die Situation noch einmal verschärft.

Fehlende Planungssicherheit

Die mobilen Dienste bieten Familien mit unterschiedlichen Problemlagen Unterstützung durch Erziehungshilfen im eigenen Haushalt, um eine Fremdbetreuung außerhalb der Familie und damit die Trennung von Kindern und Eltern zu vermeiden. In diesem Bereich kommt es aufgrund der dezentralen Strukturen in den Bezirken in manchen Fällen zu starken Auftragsschwankungen. Diese führen zu Unsicherheiten in den Dienstverhältnissen der Sozialpädagogen. Martin Hofer, Geschäftsführer der Sozialen Initiative, sieht trotz positiver Entwicklungen in OÖ eine halbfreie Marksituation und damit einhergehend eine Unsicherheit in der Planbarkeit.

„In manchen Bereichen gibt es zu viele Träger­organisationen. Um das Überleben zu sichern, wäre es sinnvoller, dass nicht alle Träger in jedem Bezirk tätig sind, sondern eine regionale Aufteilung erfolgt“, so Hofer, der derzeit ein Sozialressort ohne Zähne verortet. „Zwischen 2010 und 2015 gab es einen leicht positiven Trend. Seither – besonders seit 2017 – ist es schwierig.“


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