Europas größter Logistik-Stromspeicher entsteht in Hörsching
HÖRSCHING. Am Standort der Schachinger Logistik Holding GmbH in Hörsching wird ab heuer ein Batteriespeicher mit 60 Megawattstunden Kapazität und 30 Megawatt Anschlussleistung errichtet. Das Projekt gilt als größter Logistik-Batteriespeicher Europas und als aktuell größter Batteriespeicher Österreichs. Realisiert wird es gemeinsam mit der Powerlink H2 GmbH. Die Investitionssumme liegt bei rund 20 Millionen Euro.

Auf dem Standort in Hörsching fahren täglich zwischen 250 bis 300 LKWs, 300 Transporter und 300-400 PKWs ein und aus. Derzeit verursachen sie rund 30.000 Tonnen CO₂ pro Jahr. „Wir betanken hier etwa zehn Millionen Liter Diesel, das kostet rund 13 Millionen Euro – Geld, das großteils ins Ausland fließt“, sagt Projektleiter Johannes Wöckinger. Mit dem schrittweisen Umstieg auf E-Lkw steige jedoch der Strombedarf massiv. Externes Laden sei teuer und schwer kalkulierbar.
Strom vom Dach – auch um vier Uhr früh
Die Lösung soll ein sogenanntes BESS (Battery Energy Storage System) bringen. Zwölf Container mit Lithium-Eisenphosphat-Technologie werden direkt mit dem firmeneigenen, acht Megawatt starken Photovoltaikpark gekoppelt. Der tagsüber erzeugte Sonnenstrom kann so zwischengespeichert und nachts für das Laden der Fahrzeuge genutzt werden. Laut Unternehmen steigt der Eigenverbrauchsanteil dadurch von rund 30 auf bis zu 95 Prozent.
„Wie kann ich Sommerenergie nutzbar machen? Indem ich sie zwischenspeichere“, sagt Werner Steinecker von Powerlink H2. Gerade in der Logistik beginne der Betrieb oft um drei oder vier Uhr früh – geladen werde daher vor allem nachts. Zusätzlich soll der Speicher Regelenergie für das öffentliche Netz bereitstellen und zur Netzstabilisierung beitragen.
Schrittweise raus aus dem Diesel
Für Schachinger ist das Projekt Teil der „Roadmap to ZERO“. Seit 2026 werden keine Lkw mit Verbrennungsmotor mehr angeschafft. Derzeit sind zehn E-Lkw im Einsatz, jährlich sollen 20 bis 40 dazukommen. Auch die Ladeinfrastruktur wird ausgebaut: Bis Jahresende sind bis zu 40 Ladepunkte mit jeweils 100 kW geplant. „Wir brauchen planbare Stromtarife. Deshalb setzen wir auf Autarkie“, sagt Mobilitätsbeauftragter Nikolaus Skarabela.
Oberösterreichs Wirtschafts- und Energielandesrat Markus Achleitner spricht von einem „Musterbeispiel der Dekarbonisierung in der Logistikbranche“. Speicher machten aus wetterabhängiger Sonnenenergie eine verlässlich verfügbare Energiequelle für Betriebe.
Die Bauzeit beträgt rund acht Monate, die Inbetriebnahme ist für das dritte Quartal 2026 geplant. Neben der Eigenversorgung soll der Speicher auch dem Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid Regelenergie liefern. Damit wird Hörsching nicht nur Logistikdrehscheibe, sondern auch ein Baustein für die Stabilität des Stromnetzes.


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