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„Nicht selbstverständlich“: Oö. Feuerwehr-Mitglieder rückten 2021 über 50.000 Mal aus

Karin Seyringer, 02.03.2022 20:59

OÖ/LINZ. Verheerende Unwetter, Großbrände, nicht zuletzt die Covid-Pandemie: Die Oö. Feuerwehr war 2021 einmal mehr extrem gefordert. 3,5 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden, über 50.000 Einsätze galt es für die insgesamt 913 Feuerwehren in OÖ zu absolvieren. Am Mittwoch wurde in Linz Bilanz über ein ereignisreiches Jahre gezogen. Knapp 95.000 Mitglieder zählt die Feuerwehr in Oberösterreich.

  1 / 2   Landes-Feuerwehrinspektor Karl Kraml, Feuerwehr-Landesrätin Michaela Langer-Weninger, Landes-Feuerwehrkommandant-Stv. Michael Hutterer, Landeshauptmann Thomas Stelzer und TU-Graz-Rektor Harald Kainz (v. l.) (Foto: Hubert Wilflingseder/OÖ LFV)

Im Vergleich zum leicht ruhigeren Corona-Jahr 2020 sind die Gesamteinsätze 2021 wieder gestiegen. Für viele Oberösterreicher teilweise immer noch spürbar - etwa durch noch nicht neu eingedeckte Dächer - sind die schlimmen Unwetter im Jahr 2021. „Da gab es bis zu 1.000 Notrufe in einer Unwetternacht“, so Landes-Feuerwehrkommandant Robert Mayer. Dazu kamen Hochwasseralarmierungen oder ein Unterstützungseinsatz beim Rax-Waldbrand in Niederösterreich. Alleine in den 3,5 Monaten der Unwetterkatastrophen mussten die Einsatzkräfte 8.900 Mal ausrücken.  

Auch mehr Brände und mehr technische Einsätze waren wieder zu verzeichnen: 11.329 Brandeinsätze, davon 25 Großbrände, 40.160 technische Einsätze. 1.624 Personen wurden gerettet, 1.037 Tiere.

Für logistische Unterstützung im Zuge der Covid-Pandemie waren 2021 über 5.800 Ausrückungen zu leisten, seien es Transporte, Unterstützung bei Massentestungen oder in Impfstraßen.

Nach langer Schließung im Jahr 2020 konnte 2021 der Schulbetrieb in der Landes-Feuerwehrschule unter strengen Corona-Auflagen wieder durchstarten. Inklusive Aus- und Weiterbildung, Jugendarbeit, Leistungsprüfungen, Instandhaltung und Eigenmittelaufbringung wie Haussammlungen wurden 2021 3,5 Millionen Arbeitsstunden gezählt. 588.000 davon vielen auf Einsätze.

„Mitglieder größtes Kapital“

Beim „größten Kapital“ der Feuerwehr in Oberösterreich, den Mitgliedern, freut sich Mayer nach einem Corona-Einbruch 2020 nun wieder über eine konstante Entwicklung. Nach einem starken Einbruch bei der Jugend 2020 konnten die Zugänge 2021 fast verdoppelt werden. Waren es 2020 1.234 neue Jugendmitglieder, konnte dies 2021 auf 2.385 gesteigert werden. Auch der Frauenanteil ist stark angestiegen. Waren es 2010 noch  3.781 weibliche Mitglieder, sind es 2021 8.347.

„Herausforderung ist es aber speziell bei der Jugend, diese auch im System zu halten und weiter zu begeistern für die Feuerwehrarbeit“, so Mayer. Landeshauptmann Thomas Stelzer unterstreicht: „95.000 Mitglieder müssen auch motiviert werden, es ist eine unschätzbare Leistung der Feuerwehr, zu begeistern - Mitglied zu werden und auch dabei zu bleiben. Feuerwehren sind ein wesentlicher Bestandteil der Gemeinschaft, regional und landesweit.“

„System nicht selbstverständlich“

Er wie auch die neue Feuerwehr-Landesrätin Michaela Langer-Weninger sprachen anlässlich der Bilanz-Präsentation ihren großen Dank aus. „Entscheidend sind die Menschen hinter dem System. Aber nicht nur die Mitglieder, sondern auch deren Familien, Partner, die es ihnen ermöglichen, dabei sein zu können. Mein Appell an die Bevölkerung: Das System nicht als selbstverständlich anzusehen!“

Logistische Hilfe auch für Ukraine-Flüchtlinge

„Diese öffentliche Leistung wird durch Ehrenamtliche erbracht, was wir sehr, sehr schätzen“, so Stelzer. Er verweist auch auf die außerordentliche logistische Unterstützung der Feuerwehr im Rahmen der Corona-Pandemie, genauso wie jetzt aber auch bei den Vorbereitungen des Landes, um Ukraine-Flüchtlinge aufzunehmen. Auch hier ist die Feuerwehr mit logistischer Kompetenz wie dem Sachgüter- und Personentransport eingebunden. „Wir hoffen, dass wir uns auf etwas vorbereiten, das nicht eintritt, weil wir uns alle den Frieden wünschen. Aber wenn es eintritt, dann möchten wir gut vorbereitet sein“, so Stelzer.

Mayer führt näher aus: „Die Feuerwehr ist grundsätzlich immer in einer alarmbereiten Situation, vorbereitet auf verschiedenste Szenarien. In diesem besonderen Fall sind wir wie auch in der Covid-Krise in enger Abstimmung mit dem Land. Wir halten für andere Szenarien natürlich auch Stützpunkte vor, beispielsweise im Bereich des Strahlenschutzes haben wir eigene Expertenteams. Wir hoffen natürlich nicht, dass wir das brauchen.“

Wichtig ist Mayer auch das Thema Blackout-Vorbereitung: So wurde im abgelaufenen Jahr eine große Übung in der Landesfeuerwehrzentrale abgehalten, über ein Förderprogramm wird die Notstromversorgung in den FF-Häusern in den Regionen aufgerüstet – etwa via PV-Anlagen und Speicher.

Zusätzliche Unterstützung vom Land

7,9 Millionen Euro an Förderungen wurden 2021 vom Landesfeuerwehrverband an die Feuerwehren und Gemeinden ausgeschüttet. Mayer verweist darauf, dass diese Investitionen fast zur Gänze in die heimische Wirtschaft zurückfließen.

Neben den laufenden Unterstützungen für das Feuerwehrwesen wurde 2021 auch ein gesondertes Feuerwehrpaket vom Land OÖ aufgelegt, „um den Einsatzkräften die bestmögliche Ausrüstung zur Verfügung zu stellen“, so Langer-Weninger. Unterstützt wird nicht nur mit Förderungen des C-Führerscheins für Feuerwehr-Fahrzeuge oder Unfallversicherungen, auch neue Hubrettungsfahrzeugen samt Wartung sowie Kommandofahrzeuge wurden angeschafft. Investiert wird zudem in Drohnentechnologie.

Abgeschlossen wurde 2021 die landesweite Umstellung auf Digitalfunk. 16.000 Funkgeräte sind dafür bestellt worden. Für 2022 ist die Ausstattung der Gemeinden mit Digitalfunkgeräten geplant, für gesicherte Kommunikation im Katastrophenfall. „Das System hat sich in Einsätzen bestens bewährt, es gibt weiterhin viel Bewegung bei dem Thema“, so Mayer


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