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LINZ. Mitte Juni kommt die Abrissbire - ab dann ist das alte Gebäude der Bruckneruni an der Wildbergstraße Geschichte. Zuvor aber werden die Landestheater-Produktion „Das goldene Vlies“ und eine ortsbezogene Ausstellung der Kunstuni noch einmal die Möglichkeit bieten, die Nase in das 70er-Jahre-Gebäude zu stecken.

  1 / 2   Luminaire Arcadia (De Republica) von Katharina Anna Loidl. Eine Lusterkonstruktion aus 4.000 Rasierklingen Foto: Loidl

„Dieses Gebäude ist ein Ort des Gedächtnisses kultureller Arbeit“, so Landestheater-Intendant Hermann Schneider. „Wir wollen diesen öffentlichen Raum noch einemal für die Kunst öffnen, über das Theater hinaus. Wir wollen das Publikum nicht nur zu den einzelnen Theater-Vorstellunen hineinschleusen, sondern das gesamte Haus noch einmal der Kunst widmen - zumindest die nächsten Wochen. Dann wird es diesen Ort nicht mehr geben“. Franz Grillparzers Schicksaslstragödie „Das goldene Vlies“ wird im Großen Saal der alten Bruckneruni gezeigt - das Landestheater habe hier „Asyl“ gefunden, nachdem sich die Bauarbeiten an der Promenade verzögern.

„Ungerochen, klaglos“

„Doch ungerochen, klaglos fall' ich nicht“ - dieses Zitat aus dem Stück war Namensgeber der Ausstellung der Kunstuni, die zeitgleich zu den Vorstellungen bis Ende März zu sehen sein wird. Unter dem Titel „Ungerochen, klaglos“ präsentieren Studierende und Absolventen eine Ausstellung ortsbezogener Kunst. Kurator ist Hubert Lobnig (Leitung Künstlerische Praxis, Institut Kunst und Bildung): „Die Arbeiten beziehen sich einerseits auf die Architektur der 70er-Jahre, andererseits auf den Grillparzer-Stoff und die Härte dieser Realität“, erklärt er.

Großteils vor Ort sind die Arbeiten der Künstler entstanden, zum Großteil aus Materialen, die das 70er-Jahre-Gebäude hergab. Assoziationen wie Heimatlosigkeit, Migration, Flucht, Gewalt und Rache ziehen Querverbindungen zu Grillparzer.

4000 Rasierklingen schweben über Köpfen

Eine zentrale Arbeit, die im Foyer des Gebäudes hängen wird, ist etwa ein riesiger Luster - gefertigt aus 4000 Rasierklingen - der Linzer Künstlerin Katharina Anna Loidl.

Rainer Nöbauer-Kammerer hat sich für seine namenlose Arbeit alte Türen der Bruckneruni geholt. Entstanden ist ein Kartenhaus, dass bis in die Decke des Ballettsaales reicht. Mit seiner Arbeit nimmt er Bezug auf die Vergangenheit sowie die Zukunft des Gebäudes, wie er sagt. „Man merkt, dass hier viel Schweiß und Tränen geflossen sind. Zusammenfallen können Häuser ebenso wie Karrieren“.

Unter dem Titel „Passé“ bezieht sich Künstler Roland Wegerer ebenfalls auf das Haus, gleichzeitig aber auch auf die Ballettpositionen, die hier geübt wurden. Wegerer schafft eine abstrakte Figur, einen Tänzer, an einem Ort, der ihm nicht mehr gewidmet ist. „Dort wird die Figur einsam und verloren ihre Runden drehen.“

Weitere Beteiligte: Margit Greinöcker, Colin Linde, Oktavia Schreiner und Georg Schuchlenz.

Strom wieder angeschaltet

Technisch wurde das Gebäude für „Das Goldene Vließ“ und die Ausstellung wieder nutzbar gemacht, der Strom wieder angestellt. Der Große Saal wurde für die Theaterproduktion adaptiert.

Hinweis

Ausstellungseröffnung/Premiere: Samstag, 18. Februar. Zu sehen ist die Ausstellung bis 31. März, zu den Vorstellungen und immer dienstags, mittwochs, freitags und samstags von 16 bis 18 Uhr, Eintritt frei. Termine und Karten für „Das goldenen Vlies“: www.landestheater-linz.at


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