Berni Wagner: „Ich bin der unsympathische Typ, der unterwegs alles aufschreibt, was lustig ist“

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Berni Wagner ist am 21. Februar im Posthof. Karten unter www.posthof.at
Foto: Astrid Knie
Berni Wagner ist am 21. Februar im Posthof. Karten unter www.posthof.at Foto: Astrid Knie
Valerie Himmelbauer Valerie Himmelbauer, Tips Redaktion, 14.02.2018 10:17 Uhr

Linz. Der Kabarettist Berni Wagner nimmt sein Publikum am 21. Februar im Posthof mit in die Großstadt. Der gebürtige Gallneukirchner, der im Interview ständig auf sympathische Weise besorgt ist, unsympathisch zu klingen, erzählt in Babylon! vom Horror im Supermarkt über das Bordservice in der U-Bahn bis zu den Aliens im Prater. Tips verlost für „das Epos gegen die Vereinsamung“ am 21. Februar 4x2 Karten unter www.tips.at

Tips: Du hast gerade Urlaub, bist krank und nimmst dir für ein Interview Zeit..

Berni Wagner: Das mach ich gerne, das ist eine schöne Abwechslung zum Kranksein. Ja, ich hab mir Urlaub genommen, um endlich mal krank sein zu können. (lacht).

Tips: Könnte sich ja gleich als Stoff für ein neues Programm anbieten, oder?

Berni Wagner: Ja, stimmt eigentlich. Bis jetzt hatte ich so viel Fieber, da wäre mir gar nichts eingefallen. Typisch, wenn man einmal Zeit hat, dann haut einem der Körper noch so richtig ein Haxerl ins Kreuz. Aber stimmt da sollte man was machen, super Idee. Ich geb dir dann Prozente ab.

Tips: Super! Ich hab übrigens gelesen du kommst aus der düsteren Ecke Oberösterreichs, wo ist denn das?

Berni Wagner: (Lacht laut) Stimmt, ich komme aus Gallneukirchen. Ich glaub das ist ein Überbleibsel aus meinem ersten Programm. Das war eine Horror-Filmparodie, alles war düster angelegt. Meine Biografie hat sich dann nie wirklich upgedatet, auf jetzt ist es nicht mehr die düstere Ecke, sondern halt eine Ecke. Aber ansich ist es eine schöne, nette Stadt und sie bemühen sich sehr immer netter zu werden.

Tips: Trotzdem lebst du jetzt in Wien. Was sind die größten Unterschiede für dich?

Berni Wagner: Alles kann ein Vor- und Nachteil sein. Ein großer Unterschied ist, dass man nicht jeden kennt. Das kann man sehr genießen, kann aber auch sehr unangenehm sein. Es bekommt nicht jeder mit, was man macht, das kann auch positiv und negativ sein. Es gibt ein großes kulturelles Angebot, manchmal so viele Termine, dass man gar niemanden findet der mit einem wo hingeht. Früher in Gallneukirchen gab es halt einen Termin, wo dann alle hingegangen sind. Und natürlich dass man in die Natur am Land draußen viel leichter und schneller raus kommt, als in Wien. Das ist eben auch der Grund für mich zurück nach OÖ zu fahren und hier Zeit zu verbringen. Inzwischen brauche ich beides als Ausgleich, ich pendle gar nicht so wenig hin und her.

Tips: Auch als Ex-Punk wirst du immer wieder bezeichnet, was hat es damit auf sich?

Berni Wagner: (lacht laut) Ich würde sagen, es stimmt. Es gibt viele verschiedene Sub-Szenen von Punks. Ich habe nie auf der Straße gelebt und um Geld geschnorrt. Aber ich war viel auf Underground-Konzerten und habe viele verschiedene Szene-Sachen besucht. Und hatte auch selbst einen Irokesen-Schnitt und hab so ausgeschaut wie ein Punk. Das war sehr cool!

Tips: Einen gewissen morbid-skurrilen Hintergrund sagt man dir noch von deinem ersten Programm nach. Ist dein drittes Soloprogramm, mit dem du am Mittwoch, 21. Februar im Posthof bist, anders?

Berni Wagner: Morbid ist das neue Programm „Babylon!“ nicht mehr. Skurril sagen die Leute immer dazu. Für mich ist es nicht skurril, ich finde es einfach lustig. Ich schreibe immer Sachen, wo ich mir denke, das ist sehr eindeutig lustig und unterhaltsam. Im neuen Programm geht es um die größere Stadt, es geht um Einsamkeit. Es klingt jetzt irgendwie nicht lustig, aber es ist wirklich lustig (lacht). Es sind lauter kleine kurze Storys aneinandergebaut. Es geht immer um Kontakt zu anderen Menschen suchen, aber es ist sehr lustig. Hab ich schon erwähnt, dass es sehr lustig ist (lacht)

Tips: Lustig sein ist dein Beruf, kannst du das auf Knopfdruck?

Berni Wagner: Am leeren Blatt lustig sein, das kann ich nicht. Ich mache mir Notizen, schreibe alles auf, wenn mir etwas einfällt, oder unterkommt. Aber auf Knopfdruck kann ich nicht lustig sein, oder was lustiges schreiben. Ich sammle auch jetzt schon Ideen, Geschichten und Witze für das neue Programm. Die Hauptarbeit ist dann das Zusammenführen. Ich habe noch nicht den einen großen Inspirationsort gefunden, meistens kommt es auf Entspannung an. Jeder ist lustig, wenn er mit den richtigen Leuten zusammensitzt oder mit seinen Freunden. Und ich bin halt der nervige Typ, der in dieser Situation dann sein Handy rausholt und alles was gerade lustig war aufschreibt. Das ist möglicherweise sehr unsympathisch...

Tips: Es läuft ja gerade auf allen Linien für dich gut, die Auszeichnung Grazer Kleinkunstvogel, TV, Radio, auf der Bühne, du bist überall erfolgreich...

Berni Wagner: Ich weiß jetzt gar nicht, was ich darauf antworten soll, ohne darauf auch schon wieder unsympathisch zu klingen.  (lacht). Ich denke, ich kann mich nicht beschweren. Ich habe total viele Chancen gegeben bekommen, und ich hoffe, die nutze ich so, dass es passt. Es gibt viele Künstler, die diese Chancen auch verdient hätten, und sie aber nicht bekommen haben. Ich habe auch das Gefühl im Kabarett gibt es einen jungen Aufschwung. Paul Pizzera oder Lisa Eckhart sind ja durch die Decke gegangen. Das ist fein, dass auch Leute in meinem Alter die Chance bekommen sich zu etablieren. Es wird auch Zeit dafür und es muss ja irgendwann einmal wer nachkommen.

Tips: Hat man nicht im Kabarett immer das Gefühl, Frauen könnten noch mehr vorne mit dabei sein?

 Berni Wagner: Ich finde, alles was wirklich cool und gut ist im Kabarett machen gerade wirklich Frauen. Flüsterzweig zum Beispiel, die Lisa – das ist ja ein Wahnsinn, wie das abgegangen ist. Oder zum Beispiel, die Stefanie Sargnagel, die arbeitet halt mit anderen Mitteln, hat aber auch eine riesige Reichweite. Aber ich glaube schon, es gibt viele Leute die schon sehr skeptisch ist. Von Kolleginnen habe ich schon gehört, dass sie das Gefühl hatten, als sie die Bühne betreten haben, dass vom Publikum her kam: „Oh das ist eine Frau, ist die eh lustig?“ Ich würde jedem empfehlen, dass er sich alles anschauen soll, was Frauen im Kabarett machen. Es gibt schon deutlich weniger Frauen im Kabarett, die arbeiten dafür aber total hart dafür und wollen das dann wirklich unbedingt.

21. Februar, 20 Uhr Posthof Linz

Info: www.posthof.at



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