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Unterhaltsamer Geschichtsunterreicht: Gelungene "Mythos Voest"-Uraufführung in den Linzer Kammerspielen

Karin Seyringer, 25.02.2019 15:06

LINZ. Ein großes Stück Linz bringen die Dokumentartheatermacher Regina Dura und Hans-Werner Kroesinger auf die Bühne der Kammerspiele: „Mythos Voest“. Die Premiere war ein voller Erfolg – ein schwerer Stoff wird mit gekonnter Leichtigkeit erzählt.

Foto: Norbert Artner
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Nach der erfolgreichen Uraufführung von „Swap“ im Jahr 2017, nehmen sich die beiden renommierten Dokumentartheater-Macher Dura und Kroesinger mit der Voest ein Unternehmen vor, das Linz und Oberösterreich wie kein anders Unternehmen geprägt hat, mit seiner wechselvollen Geschichte, mit all seinen Tiefpunkten und Glanzlichtern. „Wir haben versucht, die schwere Geschichte leicht und sportlich zu erzählen. Die Bearbeitung eins Stoffs ist immer auch ein Kommentar“, so Regisseuer Kroesinger.

Mit Leichtigkeit und subtilem Witz

Erzählt wir die Geschichte des Unternehmens von 1938 an bis heute, vom Spatenstich der Hermann-Göring-Werke über wirtschaftlichen Aufstieg und Fall, den Noricum-Waffenskandal, Pleite, Börsengang bis zur Industrie 4.0. Bedrückend wird es, wenn die Absiedlung der Bewohner von St. Peter-Zizlau oder Zwangsarbeit zur NS-Zeit thematisiert werden. Verschiedene Ebenen kommen zusammen, um die Voest zu greifen. „Wir versuchen auch, die unterschiedlichen Seiten zu erzählen - die Seite der Arbeiter und der Führung“, so Kroesinger. Es werde „ein schweres Werk, leicht und unterhaltsam inszeniert“.

Auflockernde musikalische „Hingucker“

Für diese Leichtigkeit sorgen vor allem die musikalischen Einlagen im Stück. Wie auch schon bei Swap ist Nebojša Krulanovic für diese zuständig. Im Gegensatz zum gewaltigen Klang der Voest, der ihn übermachtet habe, hat sich Krulanovic entschieden die Musik klein und minimalistisch zu halten. So kommen Klavier, Glockenspiel und auch Ukulele zum Einsatz. Mit viel Witz werden Songs wie Falcos „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ (großer Zwischenapplaus beim Premierenpublikum) oder Freddy Quinns „Heimweh“ (“So schön war die Zeit“) bearbeitet.

„Du voest ma“

Auf der Bühne (Rob Moonen) ist viel Stahl zu sehen, der von den Darstellern mit viel Körpereinsatz bespielt wird. Übermächtig steht die Heilige Barbara in Alufolie gekleidet da. Durchlässigkeit und Verspiegelungen vergrößern den Raum, Projektionen mit Doku-Material und grafischen Elementen vervollständigen das Bühnenbild. Das fünfköpfige Ensemble im Blaumann – Gunda Schanderer, Angela Waidmann, Jenny Weichert, Sebastian Hufschmidt und Benedikt Steiner, schlüpft gekonnt vielseitig in die verschiedenste Rollen, bravourös werden emotionale wie skurrile Szenen gebracht. Nicht zuletzt ist es der Voest-Geist, der sich durch das Stück zieht und dessen Verschwinden mit dem Lied „Du voest ma“ besungen wird. Ein beeindruckender Schlusspunkt.

Bis 19. Mai

Die Zuschauer – auch jene ohne voest-Hintergrund – erwartet gelungener, unterhaltsamer Geschichtsunterricht mit subtilem bis bissigem Humor und gelegentlichen Seitenhieben. Lacher aber auch Betroffenheit fehlen nicht. Zu sehen ist „Mythos Voest“ bis 19. Mai, alle Termine und Karten: www.landestheater-linz.at


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Rabler
Rabler
27.02.2019 22:43

Mythos voest

Ich bin von diesem Theaterstück wirklich fasziniert. Ich erlebte mein gesamtes Berufsleben (war 38 Jahre in der voest) noch einmal im Schnelldurchlauf. Es macht mich aber auch sehr nachdenklich, was die Vergangenheit betrifft, als auch was die Zukunft unseren Jungen bringen wird. Ein äußerst gelungenes Theaterstück!