„Man altert mit Anton Bruckner mit“
LINZ. Am Donnerstag, 1. Oktober, steht der gebürtige Linzer Wolfgang Böck für die Reihe „Böck ist Bruckner“ bereits zum dritten Mal auf der Bühne des Brucknerhauses. Tips verrät der Publikumsliebling im Gespräch, warum er manchmal Mitleid mit Anton Bruckner hat und dass auch ihn schlechte Kritiken nicht kalt lassen.

Beschäftigte sich Teil eins von „Böck ist Bruckner“ mit dem jungen Anton Bruckner und Teil zwei mit dessen Verhältnis zu Frauen, stehen im dritten Teil die Briefe und Tagebuchaufzeichnungen im Vordergrund, die sich mit der Verehrung Bruckners für Richard Wagner und dem nicht weniger schwierigen Verhältnis Bruckners zum scharfzüngigen Kritiker Eduard Hanslick beschäftigen. „In beiden Fällen kann man fast von einer unerwiderten Liebe sprechen“, verrät Wolfgang Böck.
„Unter Hanslick hat Bruckner sehr gelitten“
„Während Bruckner Wagner regelrecht verehrte und dessen Antworten wenig berauschend waren, litt Bruckner sehr unter den Kritiken Hanslicks, der ihn zwar als Organist zwar durchaus geschätzt hat, mit seinen Werken aber überhaupt nichts anfangen konnte.“ Den Schmerz, negative Kritiken lesen zu müssen, kann Wolfgang Böck auch persönlich nachvollziehen: „Da hat man elf Kritiken, davon sind zehn gut bis sehr gut und eine schlecht. Und dann geht man raus am nächsten Abend und dir fällt vor dem Auftritt keine einzige der guten Kritiken ein, sondern die elfte, die Schlechte. Das nervt und kränkt dich. Unter Hanslick hat Bruckner sehr gelitten, da tut er mir beinahe leid.“
Bühnen-Comeback in Linz
Mit der Bruckner-Lesung feiert Wolfgang Böck coronabedingt spät sein Bühnencomeback in einem für Künstler sehr schwierigen Jahr: „Ich hätte heuer bereits bei den Schlossspielen in Kobersdorf, die ich selbst leite, gespielt, das wurde recht früh abgesagt. Auf den Auftritt im Brucknerhaus freue ich mich deshalb wirklich sehr, ich kann mich nur in Hoffnung üben, dass die weiteren Auftritte im Herbst und Winter über die Bühne gehen können. Die Angst vor Covid-19 hielt zuletzt zudem viele Menschen vom Theaterbesuch ab.“
Die künstlerische Liason Bruckner-Böck wird auch noch in zwei weiteren Kapiteln bis zum großen Brucknerjahr 2024 weitergehen. „Wenn man sich so lange und intensiv mit einem Menschen, einer historischen Persönlichkeit auseinandersetzt, altert man mit Bruckner förmlich mit. Ich habe Bruckner immer mehr liebgewonnen und versuche, die Ängste und Nöte, in denen sich der Mann sein ganzes Leben lang befunden hat, irgendwie nachzuvollziehen.“ Dabei handelt es sich laut Böck um eine „intuitive“ Arbeit: „Wenn ich diese Texte und Briefe lese, spüre ich dem nach, wie er als Person gewesen sein könnte.“
Corona traf Künstler hart
Als Künstler wurde Wolfgang Böck wie viele andere auch heuer von den Auswirkungen der Corona-Pandemie hart getroffen: „Es kam ja von einem Tag auf den anderen förmlich einem Berufsverbot gleich, wir durften auf einmal nicht mehr auftreten, dabei leben viele von Auftritt zu Auftritt. Im Kulturbereich hat es dann auch fast am längsten gedauert, bis sich wieder etwas getan hat.“


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