Brita Steinwendtner liest aus "Gesicht im blinden Spiegel"
LINZ. Der Verein Literaturschiff nimmt erneut Kurs auf Linz. Am Donnerstag, 21. Oktober, liest Brita Steinwendtner im Central aus ihrem Roman „Gesicht im blinden Spiegel“. Darin entwirft die Autorin die fesselnde Lebens- und Familiengeschichte von Johannes, der verletzt an Gesicht und Seele einen Krieg übersteht und nun Zeit seines Lebens versucht, Wertschätzung, Liebe und einen eigenständigen Weg zu finden.

Im Zentrum der Geschichte steht der böhmische Johannes Czermak, 16 Jahre jung und kriegsbegeistert. Als Trompetenspieler zieht er im Juli 1866 in die Schlacht von Königgrätz zwischen Österreich und Preußen. Anders als seine Freunde, die diese Schlacht nicht überleben, kehrt Johannes heim nach Neustadt an der Mettau in Böhmen – allerdings mit schweren Verletzungen. Sein Gesicht ist von nun an entstellt, es fehlen Teile von Wange, Lippen und Kinn.
Statt sich vom Schicksal unterkriegen zu lassen, lernt der von nun an verspottete und ausgegrenzte Mann, damit umzugehen. Er erlernt den Beruf des Kunstschmieds und wechselt von der Trompete zum Cello. Während einer seiner Brüder zu den tschechischen Nationalisten geht und seine Schwester einen Deutschnationalisten heiratet, schafft es Johannes, seine pazifistische Haltung zu wahren. Die Liebe bleibt bis zum Tod seines Bruders leider unerfüllt, denn seine große Liebe, Valerie, ist seine Schwägerin. Mit 50 Jahren zieht der Kunstschmied nach Steyr und erst eine spätere Reise nach Venedig bringt ihm seiner Valerie näher. Doch da schreiben wir schon das Jahr 1914 und ein neuer Krieg steht vor der Tür.
Brita Steinwendtner, geboren 1942 in Wels, studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie in Wien und Paris. Sie arbeitete als freie Mitarbeiterin beim ORF und internationalen Rundfunkanstalten, unterrichtete an diversen Universitäten und Instituten und ist Autorin von Essays, Gedichten und Romanen. Zudem war sie 22 Jahre lang Intendantin der Rauriser Literaturtage. Zu ihren Auszeichnungen gehört unter vielen anderen der Preis des Kulturfonds der Stadt Salzburg für das bisherige Lebenswerk im Jahr 2005 und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst in 2012. Heute lebt sie als Autorin, Regisseurin und Feuilletonistin mit ihrer Familie in Salzburg.


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