Friedl Dicker-Brandeis: „Immense Bedeutung für Kunstgeschichte“

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Karin Seyringer Tips Redaktion Karin Seyringer, 28.01.2022 12:02 Uhr

LINZ. Der Bauhaus-Schülerin und Avantgarde-Malerin sowie Kunstpädagogin Friedl Dicker-Brandeis widmet das Lentos Kunstmuseum Linz die erste Ausstellung im neuen Jahr - zu sehen seit Freitag - bis 29. Mai, im großen Saal. Es ist die erste umfassende Retrospektive in Österreich.

Die Ausstellung im Lentos bietet einen Überblick über das vielseitige Schaffen von Friedl Dicker-Brandeis (1898-1944) und präsentiert rund 240 Exponate, darunter Zeichnungen, Gemälde, Fotocollagen, Filmausschnitte, Webmuster, Möbel- und Architekturentwürfe.

„Das Werk von Friedl Dicker-Brandeis ist von immenser Bedeutung für die österreichische Kunstgeschichte. Im Zusammenhang mit dem 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum fand 2019 eine Neubewertung und Aufarbeitung des wichtigen Beitrags dieser zuvor zu wenig beachteten Künstlerin statt. Die Schau im Lentos zeigt nun erstmals in Österreich in einer umfassenden Museumsretrospektive das vielfältige künstlerische Werk von Friedl-Dicker Brandeis“, so Lentos Direktorin Hemma Schmutz.

Von Nazis verfolgt

Friedl Dicker-Brandeis wurde am 30. Juli 1898 in Wien geboren. Sie studierte zunächst in Wien bei Franz Cižek und ab 1919 am renommierten Weimarer Bauhaus. Für ihre Hinwendung zur Malerei blieben der Künstlerin kaum 25 Jahre. In dieser knappen Zeitspanne setzte sie politisch motivierte Bilder, Portraits und Landschaften im Stil der Neuen Sachlichkeit um.

Die dramatischen Lebensumstände der rassistischen Verfolgung steckten ab der Mitte der 1930er-Jahre den Rahmen für ihr weiteres künstlerisches Schaffen ab. Gemeinsam mit ihrem Mann Pavel Brandeis wurde sie 1942 nach Theresienstadt deportiert.

Hingebungsvolle Pädagogin

Dort widmet sie sich hingebungsvoll ihrer Arbeit als Kunstpädagogin. Nur selten kam sie aufgrund ihrer Tätigkeit als Lehrerin im Kinderheim L-410 dazu, selbst künstlerisch tätig zu werden. Luftig-leicht wirkende Aquarelle von Blumenarrangements, Portraits und flüchtige Ansichten des Ghettos konnten von ihrer letzten Lebensstation gerettet werden. Die Entsetzlichkeit der herrschenden Verhältnisse werden in diesen Bildern jedoch nicht erkennbar.

Eines ihrer letzten Aquarelle aus dem Jahr 1944 zeigt ein Portrait eines Kindes. Das frontal dargestellte Gesicht wirkt wie eine Vision: ein wachsamer Blick aus Kinderaugen. Im Oktober desselben Jahres wurde die Künstlerin nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.

In bewegenden Filmdokumenten berichten Zeitgenossen in der Ausstellung über das tragische Leben der Künstlerin.

„Das großartige Oeuvre Dicker-Brandeis' verlangt uns heute größten Respekt und Bewunderung ab. Lassen wir ihre Kunstwerke für sich sprechen, um uns ein Bild von einer großen Philanthropin und einer multitalentierten Persönlichkeit zu machen, die bis zuletzt an das Gute im Menschen glaubte“, lädt Kuratorin Brigitte Reutner-Doneus in die Ausstellung ein.

Publikation und Führungen

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog im Hirmer Verlag. Spezialführungen wie ein „Making-of“ mit einem Blick hinter die Kulissen mit Kuratorin Brigitte Reutner-Doneus werden angeboten, ebenso wie ein Workshop, ein Symposium und Vermittlungsprogramm. Alle Infos und Termine unter www.lenstos.at

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