Über Architektur lässt sich streiten: Ausstellung "schee schiach" im afo in Linz
LINZ. Schee oder schiach, über Architektur lässt sich streiten. Am Donnerstag, 20. April, um 19 Uhr wird die erste Episode der dreiteiligen Ausstellung „schee schiach“ im afo architekturforum oberösterreich eröffnet.

Was schee [schön“ und was schiach [hässlich, unansehnlich“ ist – darüber wird leidenschaftlich gern gestritten. Wie Häuser oder Landschaften auszusehen haben, das spaltet Fachleute und Laien. Eine endgültige Definition, was schön ist, konnte bisher nicht gefunden werden.
Auch die Ausstellung unter dem Titel „schee schiach“ im afo nimmt sich das nicht vor. Vielmehr wird hinterfragt, ob Klischees, wie die Sehnsucht nach dem schönen Eigenheim im Grünen oder die Aversion gegen die hässliche Stadt, noch immer gültig sind. Daneben macht ein Blick in die Geschichte deutlich, wie Fragen der Ästhetik mit Ideologie und Politik verbunden sind.
In der ersten Episode der dreiteiligen Ausstellung werden zudem Fundstücke präsentiert, die kuriose Geschichten über das Schöne – und sein Gegenteil – erzählen.
Franz Koppelstätter, Leiter des afo: „In dieser Ausstellung werfen wir Schlaglichter auf die Geschichte des Einfamlienhauses. Wie wurde es eigentlich zum Wunschbild einer großen Mehrheit? In TV-Beiträgen aus den 1970er und 1980er Jahren sehen wir die Bausünden der Vergangenheit dokumentiert. Von Gästen mitgebrachte Objekte ergründen, was eigentlich als schee oder schiach empfunden wird. Anhand der Kontroverse von Heimatstil versus Neue Sachlichkeit erkennen wir die ideologische Aufladung des Diskurses. In einer anderen Station machen wir sichtbar, wie Spiel und Spaß unser ästhetisches Empfinden prägen. So startet die erste Episode dieser dreiteiligen Ausstellung.“
Schiaches und Schönes im Gespräch
Im Vorfeld der Ausstellung diskutierten 16 Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Altersgruppen, Berufsfeldern und Interessensgebieten. Die von Tobias Hagleitner geführten Gepräche kreisten dabei um die Gegenstände, Bilder und Zitate, die von den Gästen mitgebracht wurden.
Für die Ausstellung entstand so eine kleine, aufschlussreiche Sammlung an kuriosen Objekten, Geschichten und Thesen zu Schönheit, Hässlichkeit und Kitsch.
Wohnen auf dem Land: Alte Sehnsucht, neue Fakten
Das schöne Leben und Wohnen in der Natur als Alternative zur Stadt hat eine lange Geschichte: das Haus am Land als Zufluchtsort für stressgeplagte und wohlhabende Städter. Wer nicht reich oder mächtig genug war fürs schöne Leben am Land, musste sich mit der heißen, lauten, dreckigen Stadt begnügen. Sowohl die Sehnsucht als auch die Aversion sind bis heute lebendig.
In der ersten Episode der Ausstellung widmet sich Wolfgang Stempfer in einer knappen Genealogie der Entstehung des schönen Ideals.
Heimatstil und Neue Sachlichkeit
Der Architekturhistoriker Georg Wilbertz wirft einen Blick auf die Baukultur zur Zeit des Nationalsozialismus.
Architekturideologisch spielte das Haus während der NS-Diktatur eine zentrale Rolle. Das Wohnhaus und die Familie galten nicht nur als Keimzelle des nationalsozialistischen Staates, sondern auch als Basis der hierarchisch organisierten Partei- und Gesellschaftsstruktur.
Die Protagonisten der Moderne legten kontrovers aber detailliert dar, welche formalen und ästhetischen Mittel das zeitgenössische Haus prägen sollten. Nationalsozialistisch orientierte Planer gewannen ihre ästhetischen Parameter vor allem aus ihrer Antihaltung zur Moderne.


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