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Humor mitten aus dem Leben: „Gelacht wird, wo ich leide.“

Nora Heindl, 17.03.2026 19:18

LINZ. Gags, Gesang und intime Geständnisse: Mit „Herzklopfen“ hat Stand-up-Comedian Stefan Leonhardsberger sein zweites Solo-Programm am Start. Die Österreich-Premiere ist am 24. März im Posthof. Tips bat den Publikumsliebling aus dem Mühlviertel zum Gespräch.

Stefan Leonhardsberger feiert die Premiere seines neuen Soloprogramms „Herzklopfen“. (Foto: Luis Zeno Kuhn)

Wie übersteht man Sperrmüll-Dates mit der Ehefrau, spontane Kontrollbesuche vom Jugendamt oder einen Nachbarn, der besser nagelt als man selbst? In „Herzklopfen“ erzählt Stefan Leonhardsberger von der täglichen Herausforderung, als Partner, Heimwerker und Familienoberhaupt zu bestehen. „Im Mittelpunkt steht einfach das Leben – mein Leben mit meiner Frau, unseren drei Kindern und was mir sonst so passiert“, so der 41-Jährige. Seine Inspiration findet er vor allem dort, wo es im Alltag knirscht: „Das Publikum lacht dort, wo ich leide und wo es Probleme gibt.“

Natürlich wird's auch wieder musikalisch. „Ich habe in meinem ersten Programm 'Da Billi Jean is ned mei Bua' (gemeinsam mit Martin Schmid, Anm.) fast durchgehend gesungen und die Leute lieben es. Warum sollte ich ihnen das vorenthalten?“ Zumal es ihm selbst Spaß macht. Generell sind seine Shows sehr körperlich. „Bei mir macht immer der ganze Körper mit. Je öfter ich ein Programm spiele, desto sicherer werde ich und desto mehr tobe ich mich aus.“

Wenn die Show zum Tanz wird

Für ihn der schönste Moment auf der Bühne: „Wenn man zum Denken aufhört und es sich anfühlt wie ein Tanz. Wenn ich weiß, egal was ich sage oder tue, es ist richtig und funktioniert, wenn ich komplett im Moment versinke. Das ist für mich das Höchste, was man auf der Bühne erreichen kann.“

Seinem Publikum wiederum wünscht er: „Dass es ihnen danach besser geht als vorher.“ Dabei sieht er die Verantwortung ganz bei sich. „Ich mag es nicht, wenn ein Künstler sagt, das Publikum war schlecht drauf. Das ist mein Job, meine Verantwortung. Wenn es nicht funzt, dann bin ich schuld. Natürlich ist nicht jeder Abend gleich, aber man kann immer was erreichen.“

Solo ist die Königsklasse

Solo auf der Bühne zu stehen, ist für Stefan Leonhardsberger die Königsklasse: „Du trägst die ganze Last allein, das hat mich immer schon gereizt.“ Der Traum entstand in Jugendzeiten. „Das erste Kabarett, zu dem mich mein Papa mitgenommen hat, war von Josef Hader. Ich war 14 und da stand dieser Mann allein auf der Bühne und ich dachte, 'Wow, was muss man für Eier haben, um da zu stehen und darüber zu reden, was man fühlt und denkt'.“ Auch die Einfachheit der Kunstform fasziniert ihn: „Du brauchst ein Mikro und einen Scheinwerfer und kannst damit Menschen unterhalten.“

Was ihn von anderen Kabarettisten unterscheidet? „Ich denke, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss. Ich selbst versuche authentisch zu sein und über nichts zu reden, wovon ich keine Ahnung habe. Beispielsweise ist vermutlich wenig interessant, was ich zu Politik zu sagen habe. Da gibt es viel Gescheitere als mich. Wobei ich es auch nicht ausschließen will, mal über Politik zu reden. Gerade habe ich zum Beispiel was über AI ausprobiert, aber es war halt einfach nicht lustig. Worin ich allerdings Experte bin, ist im Zusammenleben mit einer Frau, in der Aufzucht von Kindern und wie man sich als Mann mit 41 im Jahr 2026 fühlt.“

Dabei traut er sich auch Dinge anzusprechen, über die sonst tendenziell lieber geschwiegen wird: „Ich spreche zum Beispiel über Intimität, über den Sex mit meiner Frau nach drei Kindern. Denn der ist anders. Ich will damit nicht schockieren, sondern vielmehr vermitteln, dass man mit dem Gefühl nicht allein ist und man ein Stück Heilung darin finden kann, einfach weil es mal wer angesprochen hat.“

Dass er es nicht jedem recht machen kann, nimmt er in Kauf: „Es wird immer Leute geben, die sagen, 'Wie kannst du nur so über dein Privatleben reden? Das geht doch niemanden was an'. Aber das sind meist Leute, die selber nicht gern reinschauen in sich. Das ist zumindest meine Erfahrung.“

Österreich-Premiere: Dienstag, 24. März, 19.30 Uhr, Posthof, Linz

Weitere Posthof-Termine: 22. April, 23. April, 21. November

Karten: posthof.at


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