Zwischen Fakt und Fiktion: „communale oö“ stellt Bauernkrieg 1626 in neues Licht
OÖ/LINZ. 400 Jahre nach dem Bauernkrieg in Oberösterreich rückt die communale oö 2026 Geschichte und Gegenwart zusammen. Das Kulturformat des Landes OÖ bringt Ausstellungen, Kunst und Diskussionen in mehr als 27 Gemeinden – und lädt dazu ein, zentrale Fragen des Zusammenlebens neu zu denken. Am Freitag, 17. April, wird die dritte communale-Ausgabe im Ursulinenhof Linz offiziell eröffnet.

Mit der „communale oö 2026“ widmet sich Oberösterreich einem prägenden Kapitel seiner Geschichte: dem Bauernkrieg von 1626. 400 Jahre später steht dabei nicht nur die Erinnerung im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, welche Bedeutung Themen wie Mut, Zusammenhalt und Freiheit heute haben.
„Die communale wird für das ganze Land ein bewegendes Ereignis werden“, freut sich Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) am Freitag bei der Programmpräsentation. „Die communale oö zeigt eindrucksvoll, wie lebendig Geschichte sein kann, wenn wir sie mit den Fragen unserer Zeit verbinden.“ Es gehe nicht nur um das Erinnern, sondern auch um das Verstehen. „Es bleibt nicht bei der geschichtlichen Darstellung, es wird herausdestilliert, worum es geht. Und der Titel „Mut“ trifft es ganz gut: Es geht um Freiheit, um das Eintreten für die persönliche Freiheit, um Zivilcourage – und was das für uns heute bedeutet.“
communale als Gast in 27 Mut-Orten
27 oö. Gemeinden bringen sich bis November als „Mut“-Orte in die communale ein. Diese teilen sich als Themenorte mit mehrtägigem Programm und Impulsorte auf.
Die großen Themenorte sind:
- Lembach (Mut zum Frieden)
- Haag (Mut zum Laut sein)
- Ottensheim (Mut zum Zaum kuma)
- Gmunden (Mut, Geschichte zu schreiben)
- Peuerbach (Mut zur Toleranz)
- Pram (Mut zum Ausschnopsn)
- Pinsdorf (Mut zur Versöhnung)
- Agatha (Mut zu Tradition und Brauchtum)
- Weitern (Mut zum Miteinander)
- Wolfsegg (Mut zur Zukunft)
Impulsworte mit punktuellen Veranstaltungen mit ortsspezifischem Fokus sind Aigen-Schlägl, Alkoven, Eferding, Enns, Frankenburg a. H., Freistadt, Haibach ob der Donau, Hofkirchen i. M., Hinzenbach, Linz, Meggenhofen, Pfaffing, Rutzenmoos, Steyr, St. Martin i. M, Vöcklabruck und Wilhering
„Das Programm ist eine Verknüpfung eines historischen, eines landesgeschichtlichen Themas mit unserer Gegenwart und unserer Zukunft – mit den Mitteln der Kunst, Kultur und der Vermittlung. Eine wichtige Stütze dabei sind die unzähligen Projektpartner. Die alle bieten ein Netzwerk quer durchs Land und verankern die communale in der breiten Bevölkerung“, so Kulturdirektorin Margot Nazzal.
Knallgelber Kiosk und Kurti
Das Programm ist breit gefächert: Volkskultur trifft dabei auf moderne Kunst, traditionelle Formen auf neue Perspektiven. Jede teilnehmende Gemeinde setzt eigene Schwerpunkte.
Rund 130 Projekte werden realisiert, die communale oö verstehe sich dabei „als Gast in den Gemeinden“, so der künstlerische Projektleiter Martin Honzik. „Für uns ist es wichtig, dass wir moderne, zeitgenössische und zeitgeistige Türen öffnen für die gesamte Gesellschaft. Der Bauernkrieg von 1626 bildet den Ausgangspunkt und Resonanzraum, als Echo gesellschaftlichen Handelns und Verhandelns, das bis heute nachwirkt.“
Nicht zu übersehen sein wird dabei die mobile Architektur der communale „Kiosk & Kurti“. Der knallig gelbe Kiosk kann Infostand, Treffpunkt sein, Platz für Formate wie Kasperl und vieles mehr.
Eingebettet in die Architektur ist Kurti, das mobile Museum der communale. Kurte bringt zentrale Inhalte des Bauernkrieges direkt in die Gemeinden. Ergänzt wird durch künstlerische Arbeiten, Hörstationen (Radio FRI) sowie einem Film von Grauwerk.
Hauptausstellung rund um vier Knöpfe im Linzer Schlossmuseum
Zentraler Teil der communale ist die Ausstellung „Bauernkrieg 1626 – Zwischen Geschichte und Fiktion“ im Schlossmuseum Linz. Sie beleuchtet die Ereignisse des Jahres 1626, die Bedingungen, die zum bewaffneten Aufstand führen sollten. Sie bietet Einblick in die von Krisen geprägten Lebenswelten der Bevölkerung und folgt den anfänglichen Erfolgen der Aufständischen im Mai 1626 über die letztlich scheiternde Belagerung des Linzer Schlosses bis hin zu ihren verheerenden Niederlagen im November 1626.
Beleuchtet wird in der Ausstellung aber auch, wie die Gesellschaften über die Jahrhunderte mit der Geschichte der Bauernkriege 1626 umgegangen sind. Wie hochstilisiert wurde, uminterpretiert.
Alfred Weidinger, wissenschaftlicher Geschäftsführer der OÖ Landes-Kultur GmbH erzählt, dass bei der Ausstellung zum 350-Jahr-Jubiläum vor 50 Jahren in Linz 750 Katalognummern umfasst hatte. Davon sei nach heutiger Erkenntnis aber nun nichts mehr übrig: Denn nur vier einzelne Knöpfe, die bei Ausgrabungen in Lambach gefunden wurden, können als einzig Authentisches aus der Zeit des Bauernkrieges gesehen werden.
Rund um diese vier Knöpfe wurde die Ausstellung aufgebaut. „Wir versuchen herauszuarbeiten, was die Facts sind, was Fiktion“, so Weidinger.
Für ihn ist auch wichtig: Die Geschichte der Adeligen kenne man sehr gut, sie hätten ihre Geschichte geschrieben. „Von den Bauern selbst haben wir keine Stimmen“.
Und weiter: „Wie ist man mit den Facts umgegangen. Wie hat die Gesellschaft diese interpretiert. Was haben wir hinzugefügt, was wurde verworfen. Genau das ist es, was diese Ausstellung prüft.“
communale-Thema aufbereitet für die Schulen
Die „communale oö“ versteht sich als offenes Format. Beteiligung, Diskussion und Zusammenarbeit spielen eine zentrale Rolle. Auch für junge Menschen und Familien gibt es zahlreiche Angebote.
Vermittlungsprogramme laden dazu ein, sich aktiv mit Geschichte auseinanderzusetzen und eigene Perspektiven einzubringen. Aktiv eingebunden werden Schulen mit eigenem Angebot und Materialien. Seit den Semesterferien haben sich laut Kulturdirektorin Nazzal schon 65 Schulen mit dem Thema der communale 2026 befasst. „Unser Vermittlungsteam ist im ganzen Land unterwegs.“ Das Thema werde nicht nur erklärt, sondern erfahrbar, erlebbar, kreativ spürbar gemacht. Dafür wurde das dreiteilige, fächer- und schulstufenübergreifende Programm für Volksschulen bis zur Oberstufe „MUT³“ entwickelt.
Programmbücher und Homepage
Das Budget für die communale 2026 beläuft sich auf rund zwei Millionen Euro.
Zu den Veranstaltungen werden zwei Programmhefte (zu den Veranstaltungen Frühling/Sommer sowie das zweite zu jenen im Herbst) aufgelegt. Alle Veranstaltungen und ausführliche Infos zu diesen sind auf der communale-Homepage unter communale.at zu finden.


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