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LINZ. Für Generationen von Linzern gehört die Grottenbahn zur Kindheit. So sehr, dass der Besuch sogar einen eigenen Namen trägt: Wer am Pöstlingberg „Zwergerl schnäuzen“ geht, macht sich auf den Weg in die Grottenbahn. Der Ausdruck gehört ebenso zu Linz wie Lenzibald, die Märchenfiguren und der historische Hauptplatz im Kleinformat. Zum runden Geburtstag wird am Samstag, 12. September, groß gefeiert.

Ein Motorwagen mit Drachenkopf – der Vorfahre des heutigen Lenzibald. (Foto: LINZ AG)
  1 / 4   Ein Motorwagen mit Drachenkopf – der Vorfahre des heutigen Lenzibald. (Foto: LINZ AG)

Die Geschichte der Grottenbahn begann lange vor ihrer ersten Fahrt. 1897 erwarb die damalige Tramway- und Elektrizitätsgesellschaft Linz-Urfahr (TEG) das Fort Pöstlingberg, das zur Maximilianischen Befestigungsanlage aus dem 19. Jahrhundert gehörte. Während in einem der Türme die Bergstation der Pöstlingbergbahn entstand, wurde in einem weiteren auf Initiative des damaligen TEG-Betriebsdirektors Franz Scheinig eine besondere Attraktion eingerichtet.

„Küssen verboten“

Am 6. August 1906 nahm die „Elektrische Turmbahn am Pöstlingberg“ ihren Betrieb mit einem Motorwagen mit Drachenkopf samt Anhänger – der Vorfahre des heutigen Lenzibald – auf.

Die Inszenierung war für damalige Verhältnisse durchaus spektakulär: Während der ersten drei Runden wechselte die Beleuchtung ihre Farben. Die vierte Runde führte durch völlige Dunkelheit, ehe ein Transparent mit der Aufschrift „Küssen verboten“ aufleuchtete.

1911 wurde dem Untergeschoß des Turms ein Highlight hinzugefügt: Lebende Grottenolme aus aller Welt waren zu sehen. Zwischen 1917 und 1919 befand sich ein Kriegsmuseum in den Räumen. Nach ungenutzten Jahren schuf Landschaftsmaler Ludwig Haase 1936 eine Kulissendarstellung des historischen Linzer Hauptplatzes. Märchenszenen und präparierte Tiere von Bernhard Stolz ergänzten die Ausstellung.

Neustart nach der Zerstörung

Der Zweite Weltkrieg brachte einen tiefen Einschnitt. Am 8. Jänner 1945 wurde die Grottenbahn durch eine Fliegerbombe schwer beschädigt. Für den Wiederaufbau wurde die Bildhauerin und Keramikerin Friederike Stolz, Tochter von Bernhard Stolz, engagiert. Sie gilt als „Mutter der Grottenbahn“. Ihr ist maßgeblich zu verdanken, dass aus der zerstörten Anlage jene Märchenwelt entstand, die Besucher bis heute kennen.

1950 wurde auch das Untergeschoß wieder für Besucher geöffnet. Dort entstand der Linzer Hauptplatz um 1900 als gemauerte Miniatur im Maßstab 1:7. In den Seitengassen begegnen Besucher bekannten Märchenfiguren, vor allem aus Geschichten der Brüder Grimm. Zu sehen sind dort noch heute Originalfiguren von Friederike Stolz sowie präparierte Tiere ihres Vaters.

Über die Jahrzehnte wurde die Grottenbahn behutsam modernisiert, ohne ihren charakteristischen Charme zu verlieren. Lenzibald zieht weiterhin durch das Reich der Zwerge, während Maskottchen Sebastian seit den 1990er-Jahren zur Grottenbahn-Familie gehört.

Ausflugsziel über Generationen

Damit ist die Attraktion längst mehr als ein klassisches Kinderausflugsziel: Für viele Linzer Familien gehört ein Besuch am Pöstlingberg zur eigenen Kindheit – und wird später mit der nächsten Generation wiederholt.

Im Jahr 2025 gingen 152.260 Besucher, davon 62.364 Kinder, „Zwergerl schnäuzen“, ein Plus von rund fünf Prozent im Vergleich zu 2024.

Großes Geburtstagsfest

Zum 120. Geburtstag laden Lenzibald, Sebastian und die Zwerge am Samstag, 12. September, 10 bis 17 Uhr, zum Geburtstagsfest ein. Sebastian begrüßt die Gäste am Eingang, mit den Zwergen wird gebastelt, ein Gewinnspiel wartet und jedes Kind erhält ein Stück der Geburtstagstorte.


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