"Passiert auch im Forscherleben nicht so oft": Umfangreiches Archiv zu Gemäldefenster des Mariendoms
LINZ. Skizzen, Entwürfe und Schriftverkehr: Die Bischof-Rudigier-Stiftung konnte einen Archivbestand zur Entstehung der prachtvollen Gemäldefenster von einer Tiroler Glasmalerei kaufen und nach Linz bringen.

Die 42 Gemäldefenster und die drei Rosetten sind berühmte Fenstergruppen des Linzer Mariendoms. Sie wurden zwischen 1910 und 1924 gefertigt. Laut Kunsthistorikerin Christina Wais-Wolf könne grob gesagt werden, dass die meisten Fenster während dem 1. Weltkrieg entstanden sind. „Das war ein Gemeinschaftsprojekt in schwierigsten Zeiten, wo alle am selben Strang gezogen haben“, erläutert sie.
Ein bedeutender Archivbestand wurde somit nach Linz geholt worden. Die Domfenster wurden vor circa 100 Jahren in der Glasmalerei Innsbruck gefertigt. Die Archivunterlagen wurden um einen angemessenen Preis herausgekauft. Die genaue Summe wird nicht bekanntgegeben.
Von der Skizze bis zu Fotoplatten
Der Bestand umfasse Skizzen, Entwurfszeichnungen, kolorierten Finalentwürfen, Werkszeichnungen, Postkarten, Fotografien, Fotoplatten und Schriftverkehr zwischen Bischof Rudolph Hittmair, dem Dombaukomitee und der Tiroler Glasmalerei. Das Archiv werde in das Digitalisierungsprogramm übernommen.
Wais-Wolf zeigt sich begeistert: „So etwas passiert auch im Forscherleben nicht so oft, dass man an so einem großartigen Ereignis teilhaben kann.“ Der Kreis zu vorhandenen Beständen im Domarchiv würden sich somit schließen.
Vermittlungsarbeit auf einem neuen Level
„Über den relevanten Teil der Gemäldefenster am Linzer Mariendom haben wir jetzt ein umfassendes Bild: von den ersten Skizzen, von den ersten Gesprächen, Korrespondenzen bis zur Entwicklung der Bildmotive, zu den Fertigungsmotiven und den Fertigungstechniken, hin zu den letztendlichen Entwürfen, die uns da davor liegen - gemeinsam mit den Protagonisten, die auf den Bildern, auf den Gemäldefenstern abgebildet sind, die immer speziell fotografiert wurden“, ist auch Dombaumeister Michael Hager begeisert.
Damit gelinge es jetzt, „dass wir ein sehr gesamtheitliches Bild über die Fenster, über die Geschichte hinter den Fenstern vermitteln können.“
Restaurierungsprojekt läuft über zehn Jahre
Das laufende Restaurierungsprojekt der 42 Gemäldefenster sei für zehn Jahre angesetzt. Pro Jahr werden drei Fenster restauriert. Mittlerweile ist man bei knapp über der Halbzeit und bei dem 16. oder 17. Fenster angekommen, erläutert Hager.
„Ich sage immer so, Geschichtslosigkeit ist Gesichtslosigkeit. Wer seine Geschichte nicht kennt, kennt sich selber nicht. So gesehen ist das wirklich eine bedeutende Stunde in der Geschichte unserer Arbeit als Verein Pro Mariendom“, betont Landeshauptmann a.D. Josef Pühringer, Präsident des Vereins Pro Mariendom.
Bischof Manfred Scheuer ergänzt zur Bedeutung der Fenster: „Die Gemäldefenster des Mariendoms zählen zu den kostbarsten Kunstschätzen unseres Landes. Sie sind weit mehr als ein architektonisches Schmuckstück. In ihnen verdichten sich Glaubensgeschichte, Landesgeschichte und die Geschichte des Domes selbst.“








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