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OBERÖSTERREICH/LINZ. Ständig ist die Gesellschaft mit neuen Trends konfrontiert und gerade junge Menschen orientieren sich gerne daran, was in ist. Aber wird auch die Kirche als trendig wahrgenommen? Diese Frage diskutierten im Rahmen der sogenannten „Quartals.Gespräche“ der Rektor der Katholischen Privat-Universität Linz Franz Gruber und Klemens Hager von der Jugendkirche Linz Grüner Anker.

Quartalsgespräch „Wie trendy ist Kirche?“ in der Jugendkirche Linz: Klemens Hager; Franz Gruber; Gabriele Eder-Cakl.Foto: Diözese Linz / Fürlinger

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) hat geradezu ermutigt, die Fenster zu öffnen, frischen Wind hereinzulassen, die Zeichen der Zeit zu erforschen. Es stellt sich die Frage: Wie modern darf, ja muss Kirche heute sein? Gilt es, gewissen Trends zu folgen oder vielmehr selbst Trends zu setzen? Gabriele Eder-Cakl, Pastoralamtsdirektorin der Diözese Linz, moderierte den Abend und stellte die Veranstaltung als „eine Stunde Wissenschaft zum Angreifen“ vor. Ihre einleitende Frage an die Podiums-Diskutanten lautete dem Titel entsprechend: „Ist Kirche trendy?“

„Der Papst ist cool“

Klemens Hager ist Projektleiter der Jugendkirche Linz Grüner Anker. Diese begann 2011 als Pilotprojekt und ist seit 2015 – mit Zustimmung des dortigen Pfarrgemeinderats – fix in der Stadtpfarrkirche Urfahr etabliert und teilt sich das Gotteshaus mit der Pfarrgemeinde vor Ort.

Hager erzählte von seinen Erfahrungen mit Jugendlichen. In einer Instagram-Umfrage und in Jugendstunden herrsche eher die Meinung, Kirche sei nicht unbedingt trendig. Weihnachten und Ostern würden dazugehören, die Kirche selbst werde aber als kalt, alt, eher für ältere Leute und nicht mehr zeitgerecht empfunden. Nur der jetzige Papst sei cool. Hager: „Für junge Menschen ist die Gemeinschaft wichtig, aber eine Jugendgruppe wird nicht mit Kirche gleichgesetzt. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass es mit 13 Jahren nicht unbedingt cool ist, zur Kirche zu stehen.“ 

„Kirche muss Trends setzen“

Franz Gruber, Rektor und Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der KU Linz, meinte, die Kirche hätte ein Problem durch eine falsch verstandene Traditionspflege. Kirche müsse immer im Hier und Jetzt sein. Echte Tradition heiße demnach, zur Quelle zu gehen, aus der Quelle zu leben. „Wenn der Kern authentisch ist, bleibt Kirche zeitgemäß“, so Gruber. Aber auch Unzeitgemäßes gehört immer zur Kirche, wie etwa das Kreuz.

Grundsätzlich gehe es darum, zu verdeutlichen, dass das Christentum kein Religionsverein sei, sondern eine Pastoralgemeinschaft, in der es um das Leben, Sterben und Auferstehen des Jesus von Nazareth gehe und was dieser damit in die Welt gebracht habe. Es gelte, zu unterscheiden zwischen Kirche als Pastoralgemeinschaft, die mit den Menschen unterwegs sei wie Jesus damals, und einem „Kulturchristentum“.

Die Frage „Ist es trendy?“ müsse vielleicht zur Frage „Ist es an der Zeit?“ verwandelt werden. Es gelte als Kirche, Trends zu setzen: „Die Kirche muss Werte und Lebensstile prägen, die anziehend und lebensfördernd sind“, forderte Gruber. 

Jugendlichen ist Gemeinschaft wichtig

Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl brachte ein, dass junge Menschen, wenn sie zur Bedeutung von Kirche befragt werden, meist „klassische Dinge“ wie Weihnachten, Ostern, Gemeinschaft oder Soziales nennen. Klemens Hager dazu: „Gemeinschaft ist ein extrem hoher Wert. Jugendliche kommen zum Beispiel in die Jugendkirche, weil sie den oder die wiedersehen möchten. Ich sage immer, Jugendarbeit ist eine Arbeit mit Pheromonen.“ Man müsse sich auch die Frage gefallen lassen, wie „trendy“ Personen seien, die Kirche gestalten.

Kirche als eine Weltgemeinschaft, in der Vielfalt Platz hat

In einer abschließenden Runde antworteten die Diskutanten darauf, welche Fragen ein Konzil heute beantworten müsste. Franz Gruber stellte grundsätzlich in Frage, ob jetzt ein geeigneter Zeitpunkt für ein Konzil wäre und ob ein Konzil heute der richtige Weg sei. Er würde sich wünschen, dass zuerst einmal die „Hausaufgaben“ des Zweiten Vatikanischen Konzils gelöst würden. Außerdem solle man das Gedankenexperiment wagen: „Wie würde Jesus heute handeln und leben?“. Und auch eine grundlegende Reform des Kirchenrechts, das in weiten Teilen leider noch immer eine feudale, ständische Ordnung spiegelt, hält Gruber für notwendig. Die Kirche der Zukunft müsse eine „pfingstliche Kirche“, eine Weltgemeinschaft werden, wo Vielfalt Platz habe und Menschen zeigen, als Brüder und Schwestern gut miteinander leben zu können, schloss Gruber.

Klemens Hager setzte den Akzent in seinem Schlussstatement zunächst auf die Frage der Liturgie. Es brauche so etwas wie eine Liturgiereform. In der Jugendkirche würden Formen praktiziert, die aus der Sprachlosigkeit herausführen und die Bedeutung der Liturgie und des Brotbrechens unterstreichen würden, so Hager. „Jugendliche haben da einen einfachen und oft pragmatischen Zugang.“ Außerdem wären Mut und Großzügigkeit beim Thema Scheitern gefragt. Nicht über andere zu urteilen sei eine wünschenswerte Tugend, so Hager.

Die Quartals.Gespräche haben das Anliegen, Wissenschaft und Praxis ins Gespräch zu bringen. Veranstaltet wurde die Diskussion „Wie trendy ist Kirche?“ von der Theologisch-praktischen Quartalschrift an der KU Linz, vom Bildungszentrum Haus der Frau, der Personalentwicklung der Diözesanfinanzkammer und des Pastoralamtes der Diözese Linz sowie vom Katholischen Bildungswerk – Treffpunkt Bildung in Kooperation mit der Jugendkirche Linz Grüner Anker.


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