Tips-Jahresrückblick: Was Oberösterreich 2018 bewegte
OÖ. Es war das Jahr der Jubiläen: 100 Jahre Republik, 100 Jahre Land Oberösterreich, 100 Jahre Frauenwahlrecht. Und was wäre da passender, als dass mit Christine Haberlander am 5. Dezember die erste Frau im Amt der Landeshauptmann-Stellvertreterin angelobt wurde. Geprägt war 2018 außerdem von einem Rekordsommer und die dadurch ausgelösten landwirtschaftlichen Schäden.

Mehr heiße Tage gab es noch nie, allerdings war 2003 noch heißer. Insgesamt fünfeinhalb Monate dauerte der Sommer 2018 und hinterließ im Land seine Spuren. Oberösterreich war von den landwirtschaftlichen Schäden mitunter am stärksten betroffen, davon am schlimmsten das Mühlviertel. Neben Ernteeinbußen hatten Grundbesitzer auch wieder mit einem starken Borkenkäferbefall zu kämpfen.
Personalrochade Strugl-Achleitner, Haberlander erste Landeshauptmann-Stellvertreterin
In der Landespolitik hat sich zum Ende des Jahres einiges personell verändert: Eurothermen-Chef Markus Achleitner folgte Michael Strugl als Wirtschafts-Landesrat ins Regierungsteam nach. Die Vertretung des Landeshauptmannes hat nun Christine Haberlander übernommen. Damit ist sie die erste Frau in dieser Funktion.
Nachmittagsgebühren in Kindergärten
Für das Budget 2018 wurde im Landtag mit der Mehrheit von Schwarz-Blau ein umfassendes Sparprogramm beschlossen. Alle Ressorts waren davon betroffen. Die Auswirkungen machten sich im laufenden Jahr breit und damit verbunden folgte harsche Kritik von Seite der Opposition sowie zahlreicher Vereine und Organisationen. Ein Paradebeispiel dafür war die Einführung der Kindergartengebühren für den Nachmittag im Februar. Teilweise wurden rund ein Drittel der Kinder wieder abgemeldet am Nachmittag, sodass dies in zahlreichen kleineren Gemeinden sogar zu einer Einstellung des Angebotes führte.
Das Jahr der Volksbegehren
Große österreichweite Themen, über die man auch in OÖ gerne diskutierte, waren die Volksbegehren, allen voran das Rauchervolksbegehren, das Frauenvolksbegehren und jenes über die ORF-Gebühren. Warum sollte man das Rauchen in Lokalen abschaffen in einem Land, das sich in dieser Frage bisher nicht internationalen Standards unterzogen hat? Braucht es tatsächlich ein Frauenvolksbegehren, wenn doch eh schon quasi Gleichberechtigung herrscht? Und: Warum zahlen für ein öffentlich rechtliches Rundfunkangebot, wenn es doch vielleicht nicht jedem immer gefällt? Soll man für die Beantwortung dieser Fragen ein Volksbegehren unterschreiben? Und bringt es überhaupt was, wenn die politischen Vertreter dann doch keine Konsequenzen ziehen.
Tempo 140 am Prüfstand
Außerdem ein beliebtes Stammtisch-Thema: Tempo 140. Auf der A1 bekam Oberösterreich eine 15 Kilometer lange Teststrecke. Während die einen begeistert waren, weil man eh immer schon so schnell gefahren sei, kontern Gegner, unter diesen auch Umwelt-Landesrat Anschober, dass diese erhöhte Geschwindigkeit nur zu zusätzlichen Co²-Emissionen und einem höheren Sicherheitsrisiko führen würde. Verkehrsminister Nobert Hofer will nun trotzdem weitere Teststrecken einführen.
Oberösterreich, das Land der „Aufschreier“
Von Oberösterreich ausgehend entwickelte sich heuer eine Bewegung mit dem Titel „Ausbildung statt Abschiebung“. Integrationslandesrat Rudi Anschober forderte auf, sich für die Lehre von Asylwerbern einzusetzen und gründete damit eine Initiative, die schnell unzählige Anhänger fand, unter ihnen auch zahlreiche Prominente aus Wirtschaft, Kultur und Sport. Auch ehemalige Politiker wie Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner hängen sich an und wollen damit ihren Unmut über die aktuelle Politik kundtun.
Donnerstagsdemos auch in Linz
Am 1.9.2018 wurde der 12-Stunden-Tag eingeführt und ließ die Wogen hochgehen. Arbeitnehmer-Vertretungen und politische Organisationen rufen zu Demonstrationen auf. Man geht 2018 wieder vermehrt auf die Straße. Grund genug für zahlreiche Vereine und Organisationen, die Idee der Donnerstagsdemos nach Linz zu holen. Am 8. November war es dann soweit: 3000 Teilnehmerinnen schließen sich an und demonstrieren gegen die Regierung und für mehr Demokratie und Menschlichkeit in der Politik. Heftige Kritik wurde dabei auch am oberösterreichischen Sparkurs geübt. Vor allem gegen Budgetkürzungen in den Bereichen Kultur und Soziales machte man dabei mobil.
Wirtschaftsboom: Rekordumsätze und niedrige Arbeitslosenquote
Oberösterreichs Unternehmen schreiben Rekordzahlen. So präsentierte die VOEST im Sommer Rekordzahlen von 12,9 Milliarden Umsatz für das Geschäftsjahr 2017/18 mit einem Plus von 14,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Von den ganz großen Firmenpleiten im dreistelligen Millionen-Bereich blieb man in Oberösterreich verschont. Ein Minus bei den Unternehmensinsolvenzen spiegelt diese generell positive Entwicklung wider. Dagegen stiegen allerdings die Privatinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahr - vor allem aufgrund der Gesetzesnovelle - um knapp 37 Prozent auf einen Rekordwert.
Die Situation am Arbeitsmarkt ist erfreulich, im Bundesländervergleich liegt die Arbeitslosenquote mit 4,5 Prozent (November 2018) weiterhin am niedrigsten. Trotzdem gibt es Grund zu klagen: Ein Großteil der Unternehmen hat Probleme damit, das geeignete Personal, vor allem Fachkräfte, zu finden. Da wundert es nicht, dass die Rekrutierungsmaßnahmen immer kreativer werden.
Musikalische Highlights im TV und „in concert“
Am 13. Mai erlebte die ganze Welt aber vor allem das stolze Oberösterreich eine Sternstunde im TV. Song-Contest-Teilnehmer Cesár Sampson holt mit dem Song „Nobody but you“ den unglaublichen dritten Platz, nach dem Juryvoting wurde er sogar auf Platz eins gereiht.
Musikalisch beeindruckt haben 2018 auch zahlreiche Weltstars auf den Konzertbühnen des Landes: Gestartet wurde mit einer bombastischen Show von Chartstürmer David Guetta in der Linzer TipsArena, im Mai begeisterte dort auch David Hasselhoff die Fans der späten 80er. Bei den Clam-Konzerten wehte ein Hauch von Hollywood über das Gelände, als Johnny Depp, Alice Cooper und Joe Perry zu Gast waren. Auf der beliebten Open-Air-Bühne mit herrlicher Kulisse gastierten außerdem Jack Johnson, James Blunt, Nickelback, Sunrise Avenue und Nick Cave.
Einen Rückblick ins faszinierende Sportjahr 2018 gibt Reinhard Spitzer hier>>>


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