Wochenende für Moria trotz Schneefall und Kälte
LINZ. Am vergangenen Wochenende, Samstag, 20. März und Sonntag, 21. März, wurde das mittlerweile neunte Protestcamp Wochenende für Moria in Linz durchgeführt. Diesmal übernahm die Katholische Jugend Oberösterreich die Organisation.

„Europa, wo sind deine Menschenrechte?“ fragte die junge Poetry Slammerin Lisa Paulsen am Samstag, 20. März 2021. Sie war zu Gast beim mittlerweile neunten Protestcamp Wochenende für Moria auf dem Linzer Domplatz. In ihrem Text verglich Paulsen Europa mit einem widerspenstigen Schüler, der nicht mehr weiß, was gelebte Menschlichkeit und Demokratie bedeuten. „Europa, es tut mir leid, du musst das Schuljahr leider wiederholen“, stellte sie am Ende fest.
Enttäuschung über Grenzpolitik
Neben ihr zeigte sich auch Sylvia Pumberger von Amnesty International enttäuscht über die europäische und österreichische Politik. „Die sichtbare Menschenverachtung an unseren Grenzen ist nicht das, wofür die EU und die Menschen, die in der EU leben, stehen. Die europäische Politik muss sich auf ihr Fundament – die Menschenrechte – besinnen und international menschenrechtskonforme Lösungen vorantreiben“, hält sie fest. Zu Wort kamen bei den Mahnwachen am vergangenen Wochenende auch Somaia Husseini, eine Geflüchtete aus Afghanistan, die eine neue Chance für Menschen in Flüchtlingslagern möchte, und Musiker, Kabarettist sowie Schriftsteller Rudolf Habringer. Er wies auf die Geschichte Österreichs hin. „Österreich ist heute eine bunte Mischung aus verschiedenen Herkunftsgeschichten und das ist gut so. Immer, wenn ich durch unser Land fahre, denke ich: Diese schwierigen und oftmals leidvollen Geschichten von Vertreibung, Flucht und Neubeginn müssten doch in den Familien aufbewahrt und als Erinnerungen weitererzählt worden sein. Warum gibt es dann für die Flüchtenden von heute so wenig Mitgefühl und Verständnis?“, fragte Habringer in die Runde.
Mehr als 20 Menschen übernachteten in der Kälte
Mehr als 20 Menschen übernachteten als Zeichen der Solidarität von Samstag bis Sonntag auf dem Linzer Domplatz. Schneefall und Kälte hielten sich nicht davon ab, auf die aus ihrer Sicht politische Kälte in Europa aufmerksam zu machen. Gemeinsam fordern sie die Aufnahme von geflüchteten Menschen aus Flüchtlingslagern in Griechenland und Bosnien. Organisiert wurde das neunte Wochenende für Moria von der Katholischen Jugend Oberösterreich, die schutzsuchenden Jugendlichen eine Perspektive für ihre Zukunft vermitteln möchte. Die Organisation möchte zu Menschlichkeit aufrütteln und mit politischen Vertretern in Dialog treten. Jeder und jede Jugendliche habe unabhängig seines oder ihres Geburtsortes die gleichen Zukunftschancen verdient, ist Sarah Neunhäuserer überzeugt. Sie ist ehrenamtliche Vorsitzende der Katholischen Jugend Oberösterreich.
Die Wochenenden für Moria in Linz sollen solange fortgesetzt werden, bis sich der Kurs der österreichischen Flüchtlingspolitik ändert. Das zehnte Wochenende für Moria wird von 27. bis 28. März von der Caritas organisiert. Veranstaltungsort ist erneut der Domplatz. Gruppen und Einzelpersonen sind eingeladen vorbeizukommen, ein Licht anzuzünden oder im Zelt zu übernachten. Wer auf dem Domplatz nächtigen möchte, sollte ein Zelt, eine FFP2-Maske sowie einen negativen Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, mitnehmen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden