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Meinhard Lukas: Plädoyer für die Freiheit der Kunst, der Wissenschaft und der Presse

Online Redaktion, 06.07.2021 14:50

LINZ/OÖ. In seinem Gastbeitrag für die 35 Jahre Tips-Jubiläumsausgabe plädiert der Rektor der Johannes Kepler Universität, Meinhard Lukas, für die Freiheit der Kunst, der Wissenschaft und der Presse und erinnert sich an eine besondere Rede bei der Klangwolke.

Rektor Meinhard Lukas (Foto: JKU)
Rektor Meinhard Lukas (Foto: JKU)

„Man muss den Glauben immer in sich lebendig halten, dass man die Welt verändern kann, wenigstens die Welt in uns selbst. Denn warum sollen wir sonst leben, warum sollen wir dann schreiben?“, so die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan 2017. Ein Jahr zuvor, nämlich im August 2016, wurde sie in der Türkei im Rahmen einer Verhaftungswelle von Journalistinnen und Journalisten, von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer pro-kurdischen Tageszeitung festgenommen, nachdem zuvor ein Putschversuch gegen ihren Namensvetter, dem türkischen Präsidenten Erdogan, gescheitert war. Es war ein Schlag gegen die Meinungsfreiheit, der international Entsetzen auslöste.

Am 10. September 2016 bekam Asli Erdogan schließlich eine ungewöhnliche Bühne, umrahmt von fliegenden Drohnen, spektakulären visuellen Effekten und sphärischer Musik. 100.000 Menschen hörten an der Linzer Donaulände bei der 34. Visualisierten Klangwolke zu, als ich mit einem Appell für die Freilassung und freie Entfaltung von Asli Erdogans eintrat: „Möge ihre Poesie stärker sein als der diffuse Hass in den Palästen der Macht“. Die Klangwolke war an diesem Abend ein Plädoyer für die Freiheit der Wissenschaft, der Kunst und der Presse – gewidmet dem 50-jährigen Bestehen der Johannes Kepler Universität Linz und all jenen, die weltweit für die freie Meinung eintreten. Die rund einstündige Inszenierung des Berliner Medienkünstlers Salvatore Vanasco verknüpfte das JKU-Jubiläum auch mit den Themen Migration und Umweltkrise. Der Moment meines Plädoyers auf einer unglaublichen Bühne und in einer unglaublichen Stimmung wird mir immer in Erinnerung bleiben. Auch wenn Asli Erdogan heute wieder in Freiheit lebt, müssen wir besonders achtsam sein: Wenn die Freiheit der Wissenschaft, der Kunst und der Presse in Gefahr ist, dann ist es damals wie heute Aufgabe der Universitäten, ihre Stimme zu erheben. Das gehört dazu wie der technische Fortschritt. Wenn wir das jemals verlernen, haben wir tatsächlich unseren Glauben verloren – und Menschen wie Asli Erdogan ihren Kampf vergebens geführt.


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