Corona-Impfskepsis in OÖ: Zweifel an Wirksamkeit, Angst vor Nebenwirkungen
OÖ. Vor allem die Wirksamkeit der Corona-Impfung zweifelt die Gruppe der ungeimpften Oberösterreicher an. Auch hat sich die Haltung, sich nicht impfen zu lassen, verfestigt, zeigt eine neue IMAS-Studie im Auftrag des Landes OÖ zur aktuellen Einstellung der Oberösterreicher rund um die Corona-Impfung. Aktuell (Stand 10. Februar) liegt Oberösterreich bei der Impfquote bei 65,1 Prozent (aufrechter Status, Anteil an der Gesamtbevölkerung). Das Land setzt nun auf direkte Gespräche.

Schon im Sommer 2021 hat das Land OÖ eine Studie in Auftrag gegebenen, zur Frage, wie die Menschen in OÖ zur Covid-Impfung stehen. Im Mittelpunkt stand die Motivlage – aus welchen Gründen man sich impfen lässt oder auch nicht. Um unter den nun veränderten Bedingungen einen Vergleich zu haben, wurde die Studie von IMAS im Jänner 2022 wiederholt.
Seit August 2021 hat sich die Gruppe jener Menschen, die keine Impfung in Anspruch nehmen will, von 30 auf 16 Prozent fast halbiert. „Wir haben in Oberösterreich sehr, sehr viele Menschen, die sich impfen haben lassen. Aber es fehlen uns einige Prozent zu einem zufriedenstellenden Ergebnis“, so Gesundheits-Landesrätin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP), bei der Präsentation der Studie am Freitag in Linz.
Befragt wurden insgesamt 1.105 Oberösterreicher ab 16 Jahren, mittels Online- und telefonischer Befragung. „Damit haben wir erstmals eine Längsschnittanalyse mit Ausgangspunkt Juli/August und einem Messzeitpunkt im Jänner“, erläutert IMAS-Research Director Paul Eiselsberg. Zwischen sorgloserem Sommer 2021 und Jänner 2022 habe sich auch viel getan, mit Welle im Herbst und der Impfpflicht, die im Sommer 2021 noch nicht zur Diskussion stand, sowie der aktuellen Omikron-Welle.
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54 Prozent halten Impfpflicht für richtig
Die Kernergebnisse der Studie: 60 Prozent, also drei von fünf Oberösterreichern ab 16 Jahren sagen, dass die Covid-Impfung eines der zentralen Werkzeuge gegen das Virus ist. Dieses Ergebnis ist mit Sommer 2021 nahezu ident geblieben. Umgekehrt gibt es ein Fünftel, das das nicht so sieht.
Bei der Zustimmung zur Impfung zeigt die Studie ein Altersgefälle, je älter, desto zustimmender (drei von vier ab 65 Jahren halten die Impfung wichtig), aber auch Zusammenhänge wie Bildung und einen Stadt/Land-Unterschied gibt es, wobei in Ballungsräumen die Impfung laut Studienergebnissen stärker angenommen wird.
Die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht sehen 54 Prozent der Befragten als richtig an.
81 Prozent der im Jänner 2022 Befragten sind geimpft (der Großteil zwei- oder dreimal), 16 Prozent nicht, der Rest machte keine Angabe. Im Sommer 2021 waren es noch 30 Prozent Ungeimpfte. Motive für und gegen Covid-Impfung
Hauptgründe für eine Covid-Impfung bei den Befragten sind neben dem kostenlosen Angebot der Selbstschutz (87 Prozent) und ein Beitrag für die Gesellschaft (86 Prozent) sowie der Schutz der persönlichen Umgebung und die eigene Freiheit. Dass die Impfung das Testen erspart, wird von vergleichsweise wenigen geimpften Oberösterreichern angegeben.
Warum keine Impfung?
Fragt man die nicht geimpften Oberösterreicher, haben 87 Prozent dieser überhaupt kein bzw. kein Interesse an einer Impfung in den nächsten zwei bis drei Monaten. Zwar ist die Gruppe der Nicht-Geimpften seit Sommer deutlich kleiner geworden, „aber diese ist deutlich klarer nicht interessiert“, so Eiselsberg. „Wichtig ist auch, dass sich diese Gruppe der Nicht-Interessierten auch gut informiert fühlt.“ Das hat sich im Vergleich zur letzten Studie geändert.
Warum aber will man keine Impfung: Spontan werden als Hauptgründe genannt, dass die Wirksamkeit nicht ausreichend gegeben sei, die Covid-Impfung viele/teils heftige Nebenwirkungen auslöse. Auch im Vergleich zum Sommer wird häufiger die mangelnde Wirksamkeit, aber auch eine generell ablehnende Haltung zur Impfpflicht geäußert. Unverträglichkeit und das Leugnen von Corona spielen eine untergeordnete Rolle.
Auch nur ein Viertel der ungeimpfte Oberösterreicher ab 16 Jahren würde sich mit einem Totimpfstoff impfen lassen, wäre dieser bereits verfügbar. 42 Prozent wollen auch diesen nicht, 33 Prozent machen keine Angabe.
Land setzt auf Aufklärungsgespräche
Klar sei, dass es jetzt noch schwieriger sei, zu überzeugen, vor allem müsse die Wirksamkeit der Impfung deutlich gemacht werden, schlussfolgert Eiselsberg.
Anhand der Erkenntnisse der Studie setzt das Land nun noch viel verstärkter auf persönliche Gespräche. Laut Haberlander werden ab Kalenderwoche 8 (21. Februar) immer freitags an den öffentlichen Impfstandorten Beratungsärzte für Gespräche zur Verfügung stehen. „Da braucht es keine Impfung am Schluss. Einfach hingegen, austauschen, sprechen, bewusst Zeit und Raum geben, damit man reden kann“, so Haberlander. Beratungsärzte stehen auch Vereinen und Gemeinden zur Verfügung, für Diskussionen, Veranstaltungen und einen Austausch, um vor Ort Ängsten begegnen zu können. Rund 90 Ärzte hätten sich in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer dafür gemeldet. Zudem soll mit Online-Talks und Social Media-Kampagnen gezielt auf die Motive der ungeimpften Oberösterreicher eingegangen werden.
Der Gesundheitsdirektor des Lands OÖ, Jakob Hochgerner, verweist darauf, dass es unabhängig von der Impfpflicht große Gruppen gebe, die angesprochen werden müssten. „Unser Anspruch ist, zur Impfung zu überzeugen, und keinen Zwang auszudrücken.“ Er meint die Unter-18-Jährigen, Genesene und Schwangere. „Es ist individuell für diese und insgesamt für die Gesellschaft wichtig, noch sehr viele aus diese Gruppen zu erreichen, vor allem in Richtung Herbst. Denn am Ende des Tages wird es darum gehen: Wie viel aktuelle Immunität können wir in unserer Gesellschaft erreichen und auch halten“, so Hochgerner zur gern gestellten Frage, wie lange die Pandemie noch dauern werde.
Aktuelle Lage in Spitälern
Tilman Königswieser, Ärztlicher Direktor des Salzkammergut Klinikums und Mitglied des Krisenstabes verweist darauf, dass trotz Rekord-Infektionszahlen die Auswirkungen auf die Spitäler wie prognostiziert „zu schaffen“ seien, „wenn auch mit großen Anstrengungen“. Aktuell knapp über 300 Covid-19-Erkrankte stationär, davon 23 auf Intensiv, seien Werte, „die uns sehr beschäftigen, aber die uns aus Krankenhaus-Sicht weit weg von einem Lockdown bringen.“
Er verweist auch darauf, dass Omikron im Vergleich zur Delta-Variante achtmal weniger zu Spitals-Aufenthalten geführt habe. „Darum halten wir die Inzidenzen aus. Das wird natürlich unterstützt von der Vielzahl an Geimpften.“ Denn: „Hätten wir in der Delta-Welle und jetzt auch in der Omikron-Welle nicht so viele Geimpfte, dann wären die Spitäler längst voll.“
Aktuell rund 0,75 Prozent aller Gesamtinfizierten sind in Spitalsbetreuung, „in vorigen Wellen waren das bis zu 15 Prozent an manchen Tagen.“ Rund ein Zehntel aller Spitalspatienten müssen auf die Intensiv, das habe sich auch durch Omikron nicht geändert. Er verweist darauf, dass die aktuellen Intensivpatienten fast ausschließlich Menschen seien, die sich nicht impfen hätten lassen.
Subtyp BA.2: Noch einstellige Prozentzahl
Der neue Omikron-Subtyp BA.2 könne dazu führen, dass das Plateau der Neuinfektionen, das in den nächsten Tagen erreicht sein dürfte, sich verbreitet, so Königswieser. Aktuell liegt laut ihm der Anteil dieses Subtyps bei den Neuinfektionen in OÖ noch im einstelligen Bereich, vor drei Wochen bei 0. „Wenn BA.2 kommt, werden wir das im März ähnlich spüren wie jetzt, wir kalkulieren mit 400 bis 450 stationären Patienten.“
90 bis 95 Prozent nötig - Respekt vor Herbst
Nach dieser Phase geht er davon aus, dass die 90 bis 95 Prozent der Durchimmunisierung der Bevölkerung erreicht sei, die vor einer massiven Welle schützen würde. „Im Idealfall durch die Impfung, viele durch den Status genesen“, und durch jene, die eine Infektion gar nicht bemerkt hätten.
„Aber das ist es, warum wir dem Herbst durchaus mit Respekt entgegensehen. Wir haben gelernt: Die Immunität, auch der Genesenen, lässt nach. Auch die Impfschutzwirkung lässt nach. Es wird wieder so kommen, dass unsere Gruppenimmunität geringer wird und wir dann wieder anfällig sind für eine neue Welle.“
Haberlander: „Wir wissen nicht, ob nicht nach Omikron wieder eine gefährlichere Variante kommt – was wir jetzt wissen, ist, dass die Impfung schützt. Unabhängig davon, ob sie Pflicht ist oder nicht.“ Daher gehe es bei der Überzeugungsarbeit nicht nur um die Erstimpfungen, sondern vor allem auch um die Auffrischungen.


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