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Mural Harbor: Mit dem alten Silo verschwindet auch das wohl bekannteste Graffiti

Nora Heindl, 31.08.2023 07:49

LINZ. Im Linzer Hafen sind endgültig die Bagger aufgefahren. Der seit längerem erwartete Abriss des alten Getreidesilos ist in vollem Gange. Für den Mural Harbor schmerzlich: Die Freiluftgalerie verliert mit dem Mutter-Kind-Porträt, das auf der Längsseite zum Wasser seinen Platz hatte, sein wohl bekanntestes Werk.

  1 / 3   Nach dem Abriss wird das Mutter-Kind-Porträt unwiederbringlich verschwunden sein. (Foto: Florian Holter)

„Wir haben von Anfang an gewusst, dass der Silo irgendwann wegkommen wird und haben eigentlich auch schon viel früher damit gerechnet. Aber natürlich schmerzt es, weil wir diese Ansammlung an Künstlernamen und Bildern so nie wieder zusammen bekommen werden. Aber auch wegen des Gebäudes an sich, das so nicht mehr gebaut wird“, sagt Mural Harbor-Geschäftsführer Leonhard Gruber.

Bekanntestes Werk verschwindet

Was sicher am meisten fehlen werde, und fast schon ein inoffizielles Wahrzeichen von Linz sei, sei das Mutter-Kind-Porträt des spanischen Künstlers Aryz von 2014. „Auch wenn er wieder nach Linz kommen würde, so etwas malt er heute gar nicht mehr, das heißt dieses Bild ist unwiederbringlich weg. Das tut am meisten weh. Zumal es das Bild ist, das am meisten publiziert und kommuniziert wurde. Es ist über die Jahre unser wichtigstes Bild geworden, das uns auch in Künstlerkreisen viele Türen geöffnet hat.“

Noch intakt ist das Museum auf Zeit im Gebäude in der Industriezeile. Aber auch dieses soll dem Linz AG-Projekt „Neuland“ weichen. Das Museum war dem Namen getreu aber von Beginn an nur auf ein Jahr gedacht. „Solange es noch steht, besichtigen wir es im Rahmen von Führungen. Es ist eine willkommene Alternative, wenn es zu heiß ist oder bei Regen. Wir rechnen aber jederzeit damit, dass die Bagger auffahren“, so Gruber.

Mit dem Headquarter selbst ist man schon längst in zwei Container neben den U-Bahn-Waggon gezogen, unweit der früheren Zentrale. Hier ist auch der Startpunkt für die Touren.

Über 400 Führungen

Apropos Touren. „Die Bilanz schaut sehr gut aus. Heuer ist erstmals in den Sommerferien von Mittwoch bis Sonntag jeden Tag eine Führung angesetzt. Wir haben das einfach mal riskiert und es ist super angenommen worden. Übers Jahr gesehen kommen wir heuer sicher auf über 400 Führungen. Das sind dann rund 10.000 Besucher, eher mehr“, bilanziert Gruber. Führungen finden übrigens auch im Winter statt, ab November aber nur mehr einmal wöchentlich.

Die Führungen selbst beeinflusst der Abriss nur geringfügig. „Eine ganz genaue Zählung gibt's nicht, aber wir haben jenseits von 300 Murals und Graffitis. Wegfallen werden mit dem Abriss etwa 30. Bei unseren Führungen müssen wir sowieso eine Auswahl treffen, wir können nicht annähernd alles besichtigen, und diese Auswahl ändert sich jetzt halt ein bisschen. Schon im Herbst werden uns aber wieder Künstler beehren. Mengenmäßig werden wir also schnell wieder Ersatz haben. Aber natürlich, so Bilder wie das Mutter-Kind-Motiv kann man nicht ersetzen. Aber wir hoffen, dass Aryz irgendwann wieder nach Linz kommt, um ein neues Bild für uns zu malen“, so Gruber.

Schwerpunkt auf Frauen

Weiter verfolgt wird im Mural Harbor der Frauenschwerpunkt. „Im Oktober besucht uns noch eine junge Künstlerin aus Jordanien.“ Und auch 2024 soll es weitergehen. „Wir haben einiges aufzuholen. Als wir begonnen haben, gab es nur eine Handvoll Künstlerinnen, die international tätig waren. Dementsprechend niedrig ist die Frauenquote bei uns. Mittlerweile hat sich das komplett geändert und es gibt unglaublich viele Malerinnen, die richtig gut sind. Da gibt's einige Namen, hinter denen wir her sind.“

Einblick in Kultur

Davon abgesehen soll das Führungsprogramm ausgebaut werden. So wird es nächstes Jahr eine Familientour geben, die sich speziell an Kinder richtet. Bisher angeboten werden schon die Schwerpunkte Frauen und österreichische Künstler. „Wir wollen die Geschichten unserer Künstler erzählen, um unseren Besuchern einen spannenden Einblick in diese Kultur zu vermitteln.“


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