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Eine Lach-Visite der CliniClowns muss nicht immer lustig sein, vielmehr geht es um Ablenkung

Nora Heindl, 06.05.2025 17:05

LINZ/GALLNEUKIRCHEN. Seit 30 Jahren bringen die CliniClowns Ablenkung und Leichtigkeit in den Krankenhausalltag von kleinen und großen Patienten. Im Tips-Gespräch erzählen Dr. Doris Drüse und Dr. Gustav Gulasch von ihren Begegnungen in den Zimmern. Übrigens: Das Geburtstagsfest steigt am Freitag, 9. Mai, im Linzer Posthof.

Dr. Doris Drüse und Dr. Gustav Gulasch unterwegs in der Kinderklinik (Foto: CliniClowns)
Dr. Doris Drüse und Dr. Gustav Gulasch unterwegs in der Kinderklinik (Foto: CliniClowns)

Donnerstagnachmittag in der Kinderklinik am MedCampus IV. Der Besuch von rund 50 Zimmern liegt vor Birgit Schwamberger-Kunst und Benjamin Gumpenberger alias Dr. Doris Drüse und Dr. Gustav Gulasch. In keinem wissen, was sie erwartet. „Bevor wir die Türe öffnen, wissen wir nicht, wie die Stimmung ist, ob locker, ernst oder genervt, weil man aufs Heimgehen wartet oder auf den Befund“, erzählt der 35-jährige Linzer, der mit seinen zweieinhalb Jahren Erfahrung noch als Juniorclown zählt.

Dementsprechend haben die CliniClowns auch kein fixes Programm, das sie abspulen. In jedem Zimmer entsteht im Moment eine neue Geschichte. „Aber nicht irgendeine. Wir reagieren direkt auf den Patienten, auf die Situation, auf das, was wir sehen. Am Ende entsteht im Zimmer dann im besten Fall genau die Geschichte, die es braucht“, ergänzt die 52-jährige Gallneukirchnerin, die sich bereits vor 19 Jahren ihren Herzenswunsch vom CliniClown-Dasein erfüllt hat.

Geschichten aus den Zimmern

Auch wenn es heißt, dass Lachen die beste Medizin ist, „denn in dem Moment, wo man lacht, spürt man keinen Schmerz“, so Dr. Doris Drüse, muss eine Lach-Visite nicht immer lustig sein. Viel mehr geht es um Ablenkung, den Kindern ein Verbündeter in der fremden Umgebung zu sein, sie zu stärken.

„Wir begleiten schon sehr lange ein Mädchen auf der Onkologie. Ihr berichte ich immer von meinen Problemen mit meinem Kollegen und sie unterstützt mich dann. Sie sagt, dass ich es nicht so tragisch nehmen soll, dass ich ihn auch verstehen muss oder dass ich es echt nicht leicht mit ihm habe. Es stärkt sie, dass sie mir Ratschläge geben kann, denn in dem Moment ist sie diejenige, die alles im Griff hat“, erzählt die 52-Jährige, die im echten Leben Schauspielerin und Regisseurin ist. Ein anderer junger Langzeitpatient hat gerne selbst bestimmt. „Wenn er ein Lied hören wollte, haben wir gesungen. Es war sein Moment der Selbstermächtigung.“

Für ihre Patienten brechen die CliniClowns auch mal mit der Konvention. „Ich kann mich an ein kleines Mädchen erinnern, das wirklich frustriert war, weil sie schon so lange auf den letzten Befund vorm Heimgehen warten musste. Wir waren dann einfach mit ihr frustriert, haben sie darin bestätigt, dass das eine Frechheit ist, dass man so lange auf einen Zettel warten muss und dass wir jemanden suchen gehen, der das schneller ausdrucken kann. Am Ende hatte sie ein Lächeln auf den Lippen“, erzählt der 35-jährige Linzer, der auch als Liedermacher Chevapcici bekannt ist.

Die Diagnose spielt keine Rolle

Die Diagnose spielt übrigens keine Rolle. „Weil das für die Geschichte nicht wichtig ist“, so Benjamin Gumpenberger. Seine Kollegin ergänzt: „Das Leiden nicht thematisiert.“

In seltenen Fällen können aber auch die CliniClowns nichts ausrichten. „Da passt es halt dann einfach nicht. Wenn eine starke Übelkeit da ist oder das Kind sehr müde ist, dann gehen wir wieder. Wir würden nie jemanden aufwecken, denn ein gesunder Schlaf ist die zweitbeste Medizin“, lacht die Gallneukirchnerin. Als wertvolle Verbündete haben die Clini-Clowns die Krankenschwestern, die ihnen schon vorher verraten, wo es schwierig werden könnte.

Die Dankbarkeit ist groß

Die CliniClowns schenken ihren Patienten aber nicht nur viel, sie bekommen auch ganz viel zurück. „Die Eltern sind dankbar, dass die Kinder lachen und die Kinder sind dankbar, dass Mama und Papa wieder mal entspannt sind“, schmunzelt Birgit Schwamberger-Kunst. Des Vertrauens, das ihnen entgegengebracht wird, sind sich die CliniClowns natürlich bewusst. „Wir dürfen ganz nah am Patienten sein, in seinem Zimmer. Oft lernt man auch die Familie kennen. Dieses Vertrauen geschenkt zu bekommen, ist sehr berührend“, so Birgit Schwamberger-Kunst.

Und der erfüllendste Moment für einen CliniClown? „Wenn man am Anfang das Gefühl hat, man wird nicht angenommen oder kriegt keine Reaktion zurück, und im Laufe der Geschichte öffnet sich das Kind, legt womöglich das Handy weg und schenkt uns die volle Aufmerksamkeit. Vielleicht lacht es sogar. Dann umarmen wir uns manchmal später draußen, weil es einfach so ein schöner Moment war und wir ein Teil davon sein durften.“

Zu den CliniClowns

In 30 Jahren haben die CliniClowns OÖ als ein Teil von Proges 150.000 Kinder besucht, waren bei 20.000 Erwachsenen und bei 2.000 Menschen in palliativer Begleitung. Über 60 Personen haben sich der Idee, als CliniClown Leichtigkeit zu schenken, angeschlossen  manche sehr kurz, manche sehr lange. Mittlerweile sind 33 CliniClowns in Oberösterreich auf über 45 Stationen in 14 Spitälern und Altersheimen unterwegs.

Benefizfest zum 30. Geburtstag der CliniClowns OÖ:
Freitag, 9. Mai, ab 17 Uhr, Posthof, Linz, Karten: posthof.at
Das Programm ist so bunt, wie die CliniClowns selbst: Tanz, Kabarett, Musik und Clownerie von Anna De Lirium, BlöZinger, Chevapcici & die Antikörper, Falk Theater, OÖ Tanzakademie, Vocalensemble LALA, Manuel Thalhammer u.v.m. Natürlich werden auch die CliniClowns für Unterhaltung sorgen und zum Scherzen, zum Knuddeln oder zum Unterhalten zur Verfügung stehen.

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