Mietvertrag überraschend gekündigt: Tribüne Linz soll bis Juni ausziehen
LINZ. „Wir wurden von unseren Vermietern überraschend gekündigt und sollen bereits Ende Juni dieses Jahres die Räumlichkeiten, in denen sich unser Theater befindet, leer geräumt zurückgeben“, verkündet die Theaterleitung der Tribüne Linz am 7. Jänner in einer Aussendung.
Im Sommer 2013 bezog die Tribüne Linz die völlig leeren Räumlichkeiten in der Linzer Eisenhandstraße ein, wo zuvor das Eisenhandkino und das Eisenhandtheater, die Studiobühne des Linzer Landestheaters, logierten. Nun soll damit Schluss sein.
„Das Haus, in dem sich unser Theater befindet, soll nach unserem Informationsstand verkauft werden. Wir haben am 11. Dezember 2025 von unseren Vermietern eine gerichtliche Kündigung erhalten. Nach deren Willen sollen wir unsere Räumlichkeiten in der Linzer Eisenhandstraße bereits Ende Juni 2026 geräumt übergeben. Gegen diese kurzfristige Kündigung haben wir fristgerecht beim Linzer Bezirksgericht Einwendung erhoben. Es wird nun ein umfangreiches Gerichtsverfahren stattfinden, in dem wir für unsere Rechte kämpfen. Die Entscheidung liegt sodann beim Gericht. Wir gehen davon aus, dass sämtliche Aufführungen im Jahr 2026 wie geplant stattfinden können“, informieren die Theaterleiter Cornelia Metschitzer und Rudi Müllehner.
Weitere Infos könnten aufgrund des laufenden Verfahrens derzeit nicht gegeben werden. Unabhängig vom Ausgang zeigt sich das Paar aber zuversichtlich: „Wir erachten die Zukunft des Theaters als gesichert. Wir blicken mit Zuversicht und Vorfreude auf die bevorstehenden Spielzeiten der kommenden Jahre.“
Wie alles begann
Die Tribüne – Theater am Südbahnhofmarkt wurde am 2. Oktober 2013 von CorneliaMetschitzer, Rudi Müllehner und Bernhard Mayer gegründet.
Bereits zuvor waren sie fast neun Jahre lang mit der freien Theatergruppebühne04 – Theater für Toleranz unterwegs. Zwischen 2004 und 2013 verbuchten sie 28 Theaterproduktionen mit fast 500 Vorstellungen und rund 38.000 Zusehern, und das an verschiedenen Orten. „Wir durften uns also damals schon über sehr viel Stammpublikum freuen, das uns überallhin folgte: von der Kellerbühne im Gasthaus Alte Welt ins Kulturzentrum Hof, wo wir uns ganze fünf Jahre niederlassen konnten, dann zu denverschiedenen Sommertheater-Spielorten sowie zuletzt in das Volkshaus Kleinmünchen. Auch hatten wir begonnen, Klassenzimmertheater in den Schulen zu spielen und konnten uns damit den Grundstein für unsere Arbeit für junges Publikum legen sowie in der Folge sehr viel Schülerstammpublikum in die Eisenhandstraße mitnehmen“, erinnern sich Cornelia Metschitzer und Rudi Müllehner in einer Information an ihr Publikum.
Einzug im Sommer 2013
Mit dieser Vorgeschichte im Rücken bezogen sie im Sommer 2013 die leeren Räumlichkeiten in der Linzer Eisenhandstraße ein. „Wir mussten uns nicht neu erfinden, denn das inhaltliche und künstlerische Profil der Tribüne Linz war bewährt und so zogen wir, mit unserem Stammpublikum im Schlepptau und auch sonst mit viel immateriellem Gut, selbstbewusst in die leeren Räumlichkeiten der Eisenhandstraße ein“, so das Theaterpaar.
Aus eigener Kraft und mithilfe von Förderungen schafften sie die gesamte Zuschauerinfrastruktur, die Bühne und die Veranstaltungstechnik heran. „Eine der prägendsten Szenen, die uns in Erinnerung bleibt, ist das viele Kabelziehen, denn auch, was man später nicht mehr sehen konnte, weil es in den Kabeltassen, unter Treppen, in Mauern verschwand, ist für einen funktionierenden Theaterbetrieb essenziell.“
Die Eröffnung erfolgte am 2. Oktober 2013 mit dem zeitgenössischen Stück „Einige Nachrichten an das All“ von Wolfram Lotz.
Die letzten zwölf Jahre in Zahlen
Von Oktober 2013 bis Dezember 2025 wurden im Theater in der Linzer Eisenhandstraße bei fast 1.800 Vorstellungen rund 150.000 Theatergäste willkommen geheißen. Das ist ein Zuschauerschnitt von über 83 pro Vorstellung.
„Wir produzierten in diesem Zeitraum 57 eigene Theaterpremieren, zumeist Klassiker, aber auch viele Jugendstücke. Mit diesem Mix kamen wir in diesen zwölf Jahren auf eine für ein freies Theater außergewöhnlich hohe Schüler*innenzahl von über 66.000. Nach Corona sind die Theaterbesuche von Schulklassen zwar zurückgegangen, aber das ist nur ein Grund mehr, diese Schiene weiterhin anzubieten und anzukurbeln. Denn für junge Menschen in unserer digitalen Welt sind Theaterbesuche in jeder Hinsicht unglaublich wertvoll“, sind sich Metschitzer und Müllehner einig.
Als Glücksfall erwiesen hat sich auch die Öffnung für Gastspieler. Fast ein Drittel aller Vorstellungen wird von Gastspielpartnern gespielt, darunter viele Theaterpremieren mit Spielserien, aber auch unzählige Einzelvorstellungen aus allen Sparten der Livekultur (Musik, Tanz, Literatur, Performance, Kleinkunst, Crossover).
„Unsere Geschichte wird gut ausgehen“
Dass ihr Theater pulsiert und sie ihrem vielfältigen Publikum alle drei Monate mit ihrem Spielplan eine Wundertüte öffnen können, freut das Theaterpaar sehr. Und deshalb soll es auch unbedingt weitergehen - wenn auch nicht am jetzigen Standort.
„Das eigene Theaterschaffen, das Auswählen, Bearbeiten, Inszenieren und Spielen ist uns seit nunmehr über 20 Jahren so ins Fleisch und Blut übergegangen, dass wir weiterhin einen inspirierenden Ort brauchen, an dem Produktivität und Experimentierfreude möglich sind. Theater ist einfach unser Leben und alles zusammen, das Produzieren, Inszenieren, Spielen, die Programmierung und Betreuung der Gastspiele, das Diskutieren mit den Schüler*innen auf Augenhöhe braucht weiterhin Räumlichkeiten, über die wir autonom verfügen können. Denn nur in solchen konnten wir zusammen mit unserem Team die Tribüne Linz zu dem machen, was sie heute ist und nur so können wir sie auch weiterentwickeln und weiterhin in unserer Zeit pulsieren lassen.“
Cornelia Metschitzer und Rudi Müllehner geben sich gemeinsam mit ihrem zehnköpfigen Team optimistisch: „Wir sind sehr guter Dinge, dass alles gut ausgehen wird, auch wenn wir derzeit mit der überraschenden Kündigung eine Phase der Unsicherheit erleben. Die bisherige Entwicklung der Tribüne Linz ist aber so rasant und beglückend, dass es nur ein Bild für die Zukunft geben kann: dass es uns weiterhin gibt! Aber nicht in einer Schmalspurvariante, sondern vollumfänglich, denn all das, was wir uns über 20 Jahre lang aufgebaut haben, verschwindet nicht einfach so. Wir werden jedenfalls alles daransetzen und sind sehr guter Dinge, dass unsere Geschichte gut ausgeht“, so das Theaterpaar abschließend.
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