Auszeit mitten in Linz: Stadtpilgern eröffnet neue Perspektiven
LINZ. Mitten in Linz zur Ruhe kommen: Beim Stadtpilgern erleben Menschen, wie wohltuend bewusstes Gehen sein kann.

Wer an Pilgern denkt, stellt sich oft weite Wege durch ruhige Landschaften vor. In Linz funktioniert das auch anders: Beim Stadtpilgern wird die Stadt selbst zum Weg der inneren Einkehr. Zwischen belebten Straßen und versteckten Pfaden erleben Teilnehmende eine besondere Form der Auszeit mitten im Alltag.
Entscheidend ist die innere Bereitschaft, die ein neues Erleben der Stadt ermöglicht. Stadtpilgern lädt ein, innezuhalten, sich selbst zu spüren und vertraute Orte neu wahrzunehmen.
Die Zielgruppe ist breit: Wer dreieinhalb Stunden moderat gehen kann und sich eine kleine Auszeit nehmen möchte, ist willkommen.
Vier Pilgerbegleiter erzählen von ihren Erfahrungen
Seit fünf Jahren begleiten vier ausgebildete Pilgerbegleiter Gruppen durch Linz. „Die Wege führen oft durch belebte Gebiete, daher brauchen Impulse und Stille besondere Aufmerksamkeit“, erzählt Pilgerbegleiterin Eva Höllrigl.
Für Karin Seisenbacher ermöglicht die bewusste spirituelle Haltung beim Gehen und die Wahrnehmung des Wechselspiels vom lauten Gewimmel hin zu versteckten Pfaden intensives Spüren: „Dort atmet die Stadt anders.“
Für Johann Gallhammer ist vor allem das innere Hören entscheidend: „Wahrnehmen, was sich in mir tut und wie die Umgebung wirkt.“
Auch Petra Gumplmayr erlebt Stadtpilgern als überraschend intensiv: „Man sieht die Stadt wie von außen und entdeckt Dinge, die man sonst nie bemerken würde.“
Die innere Haltung macht's
Viele Teilnehmende berichten von einer spürbaren Auszeit. „Ein entschleunigtes Innehalten“, nennt es Höllrigl. Seisenbacher ergänzt: „Jeder Mensch kann sich Zeit und Weg herausnehmen und neue Eindrücke gewinnen.“ Gumplmayr beobachtet: „Am Ende fühlen sich die Menschen entspannt – als hätte sich ein neuer Blickwinkel aufs Leben geöffnet.“
Vom Spaziergang unterscheidet Stadtpilgern vor allem die innere Haltung. Es geht um Impulse, Achtsamkeit, Stille und Offenheit. Gallhammer beschreibt den Übergang „vom Wirbel der Eindrücke in die Ruhe und das Nacheinander“, der das Pilgern ausmacht.
Besondere Momente, die in Erinnerung bleiben
Besondere Momente bleiben lange in Erinnerung: die Teilnahme eines blinden Pilgers, der laut Höllrigl „durch seine aufmerksame Präsenz voll dabei war“, die Begeisterung über unbekannte Wege in einer Stadt, in der viele ihr ganzes Leben verbracht haben, wie Seisenbacher erzählt, oder Gallhammers überraschendes Wiedersehen mit einem Jugendfreund nach 30 Jahren. Gumplmayr erinnert sich an einen Weg vom hellen Mittagslicht zum Sonnenuntergang am Pöstlingberg, wo die Stadt in ganz unterschiedlichem Licht erlebt wurde.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden