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GUSEN/LINZ. Am Samstag, dem 25. April, fand der Themenrundgang Glaube im KZ im Informationszentrum KZ-Gedenkstätte Gusen statt. Die Besucher erhielten einen Einblick in die vielfältige Bedeutung des (religiösen) Glaubens für Häftlinge im Konzentrationslager Gusen. Es referierten unter anderem Heidi Gsell, Historikerin und Vorstandsmitglied vom Verein Lila Winkel, und Charlotte Herman, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz.

Memorial Gusen. Foto FMZ (Bildrechte: Franz Michael Zagler)
  1 / 4   Memorial Gusen. Foto FMZ (Bildrechte: Franz Michael Zagler)

Die Moderatorin Julia Mayr richtete den Fokus auf die Frage, wie Glaube in einer von Gewalt, Vernichtung und Entmenschlichung geprägten Umgebung Hoffnung geben konnte. Im Programmheft wurde auch folgende Überlegung formuliert: „Auch der Zweifel an der Existenz eines liebenden Gottes, das Verzweifeln und jeglicher Glaubensverlust angesichts der nihilistischen Erfahrungen werden thematisiert. Anhand von Biografien und Quellen möchten wir die vielfältige Bedeutung und Ausprägung von Glauben im Lager verdeutlichen.“  

Bernhard Mühleder, Koordinator der KZ-Gedenkstätte Gusen, machte in seiner einleitenden PowerPoint-Präsentation deutlich, unter welchen Umständen der Glaube der Häftlinge im KZ-Alltag auf die Probe gestellt wurde. Mühleder präsentierte einen Folder der DESt (Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH) mit Seltenheitswert, der nichts darüber verriet, dass die Repressions- und Vernichtungsziele der SS-Führung in der Regel vor wirtschaftlichen Überlegungen standen. Der Folder der DESt zeigte lediglich Bilder der Granitherstellung und informierte unter Wir stellen her in welcher Qualität (kleinkörnig) und Farbe (graublau, hell, mittel, dunkel) der abgebaute Stein der Werkgruppe St. Georgen an der Gusen produziert wurde. Dass von den rund 71.000 Häftlingen in Gusen mehr als 37.000 Menschen den Tod fanden, zeigt auf schauderhafte Weise, wie wenig ein Menschenleben der KZ-Gefangenen zählte.

Der anschließende Rundgang machte auch beim Krematorium halt. Charlotte Herman, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde Linz, erinnerte daran, dass Adolf Hitler am Reichstag 1939 seine „Lösung“ für das „Problem“ Judentum präsentierte, nämlich „die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.“ Ein paar Schritte weiter blieb Herman andächtig stehen. Neben dem Memorial liegen unterschiedliche Keramikherzen in loser Reihenfolge, die von Volksschülern aus der Umgebung geformt wurden. Sie erinnern an jene 420 Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren, die in einer Februarnacht 1945 von zwei Ärzten mit einer Herzinjektion getötet wurden.

Thema Glaube im KZ. Auf das Erlebte reagierten die Häftlinge, so die Referenten, unterschiedlich. Allerdings gab es eine Häftlingsgruppe, die sich nicht nur ihre Integrität über all die Jahre bewahrte, sondern deren Glauben an Gott noch erstarkte. Sie stellten sich kompromisslos gegen das Nazi-Regime und blieben ihrem Hauptprinzip „Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten“ treu. Heidi Gsell, Historikerin und Vorstandsmitglied vom Verein Lila Winkel, sprach von Jehovas Zeugen, die als einzige christliche Gruppe ein Häftlingszeichen trugen, den lila Winkel. In Gusen waren 75 Personen der Glaubensgemeinschaft inhaftiert, die der starke Zusammenhalt prägte und die ihre Haft als Prüfung ihres Glaubens sahen. Einer von ihnen, Boleslaw Cebo, sagte 1945: „Einen Zeugen Jehovas erkannte man sofort: Kopf erhoben, trotz allem. Gewissheit im Blick. Die Hoffnung auf das kommende Reich Gottes trug ihn. Für mich ist das etwas Wunderbares. Alle Macht, alle Waffen – sie werden fallen. Diese Hoffnung hielt uns am Leben.“

Hoffnung. Ein inspirierendes Schlusswort. Eines, das für die Herausforderungen der heutigen Zeit Mut macht. Und eines, das an das Zitat von Heidi Gsell erinnert, die bei der Gedenktafel ihrer Glaubensgeschwister die Worte des Apostels Paulus zitiert, der an die Christen in Philippi schrieb: „Für alles bin ich stark durch den, der mir die Kraft gibt.“ (Bibelbuch Philipper, Kapitel 4, Vers 13, Anm.)


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