Trainieren wie auf dem Mond: neues Laufband entlastet Patienten
LINZ. Ein neues Anti-Schwerkraft-Laufband am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern ermöglicht besonders schonendes Bewegungstraining. Es entlastet den Körper um bis zu 80 Prozent und kann damit die Rehabilitation nach Verletzungen, Operationen oder bei neurologischen Erkrankungen unterstützen.

Auf dem Mond beträgt die Schwerkraft nur etwa ein Sechstel jener auf der Erde. Eine Person mit 70 Kilo kommt damit auf nur 12 Kilo. Ein ähnliches Gefühl erleben nun Patienten in der Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation des Ordensklinikums Linz Barmherzige Schwestern: Auf einem neuen Laufband können sie gehen, ohne ihr volles Körpergewicht tragen zu müssen.
Das ist vor allem dann hilfreich, wenn die Beine noch nicht vollständig belastet werden dürfen oder die Kraft für ein herkömmliches Training fehlt. Davon können etwa ältere Menschen, Patienten nach einem Schlaganfall oder Menschen mit Querschnittlähmung profitieren.
Luftdruck statt Aufhängung
Für das Training befinden sich die Patienten bis zur Hüfte in einer luftdichten Druckkammer, die wie ein Zelt über das Laufband gespannt ist. Eine spezielle Neoprenhose wird mit der Kammer verbunden. Anschließend wird diese aufgeblasen und entlastet so den Körper.
„So können wir das Körpergewicht um bis zu 80 Prozent reduzieren. Ein Training also, das sich fast wie auf dem Mond anfühlt“, erklärt Physiotherapeut Severin Hinterplattner. Die Patienten seien dabei entlastet und stabilisiert. Geschwindigkeit und Steigung lassen sich wie bei einem herkömmlichen Laufband einstellen.
Bisher kamen für ein Training mit reduziertem Gewicht unter anderem Unterwassertherapie und Gurtsysteme zum Einsatz. Diese hätten jedoch Grenzen, sagt Daniela Gattringer, Leiterin der Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation: Im Wasser lasse sich die Entlastung kaum fein dosieren, während Gurte die Bewegungsfreiheit einschränken könnten.
Früher mit dem Gehtraining beginnen
Ein Vorteil des neuen Geräts ist die Stützwirkung der Druckkammer. Sie bietet insbesondere sturzgefährdeten Menschen sichere Bedingungen für den Trainingsbeginn.
Auch nach Operationen oder Verletzungen kann das Laufband eingesetzt werden, wenn zunächst nur eine Teilbelastung erlaubt ist. Die Belastung wird über die einzelnen Einheiten hinweg gesteigert. Laut Gattringer kann dies die Rehabilitation insbesondere nach Eingriffen an den Beingelenken beschleunigen.
Das Gerät analysiert zudem das Gangbild: Es erfasst unter anderem Schrittlänge, Gewichtsbelastung und Standzeit der Beine. So können Therapeuten das Training anpassen und Patienten ihre Fortschritte nachvollziehen.








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