„Weniger Perfektion ist mehr Frieden für alle“
LINZ. Die Erwartungen gerade an die Zeit zwischen den Feiertagen sind hoch, in vielen Familien und Beziehungen treten gerade dann große Spannungen zu Tage. Die Linzer Elternbildnerin, Pädagogin und Kinderfreunde-Mitarbeiterin Leslie Jäger hat wertvolle Tipps parat, wie man diese Zeit am besten nützen kann – egal ob mit und ohne Kinder.

Viele Familien neigen dazu, die Zeit zwischen den Feiertagen mit vielen Aktivitäten „vollzustopfen“. „Vorbereitung ist das A und O, aber nie alles durchplanen. Auf keinen Fall mehr als 60 Prozent der Zeit verplanen, der Rest füllt sich von alleine“, betont Leslie Jäger im Gespräch mit Tips. „Bei den Kindern wird erst das ganze kreative Potenzial freigesetzt, wenn manche Tage auch unverplant sind. Auch beispielsweise das Spielzeug, das sie zu Weihnachten bekamen, soll ja auch ausgiebig ausprobiert werden dürfen. Und nicht zuletzt: Wenn es den Eltern gut geht, geht“s auch den Kindern gut.“
Zu Weihnachten sorgen auch Traditionen für Ärger, die mit Zwang aufrecht erhalten werden, oftmals zwischen mehreren Generationen. „Es gilt, die eigenen Vorstellungen und Traditionen mit allen Familienmitgliedern vorher genau zu besprechen und festzulegen.“ Auch das oftmals beschworene gemeinsame Kochen zu den Feiertagen kann Probleme hervorrufen: „Wenn eine Familie das nicht sonst schon oft gemeinsam macht und es auch sichtlich keinen Spaß macht, sollte man diese Dinge auch zu Weihnachten unterlassen und den Kindern und Familienmitgliedern nichts aufzwängen, was sie nicht wollen, nur weil es sich quasi so gehört.“
„Nicht auf tausend Hochzeiten tanzen“
Gemeinschaftserlebnisse sollen dabei natürlich nicht zu kurz kommen, aber: „Schon ein gemeinsamer Spaziergang in der frischen Luft schafft Friede und Wohlbefinden. Weniger Perfektion ist generell mehr Frieden für alle“, betont Leslie Jäger. Freiraum sollte sich generell jeder lassen, wie die Expertin betont: „Nur weil ich tausend Einladungen habe, muss ich nicht gleich auf tausend Hochzeiten tanzen. Das Jahr darf man durchaus in Ruhe zu Ende gehen lassen, die Zeit als stille Zeit genützt werden.“ Auch oft ein heißes Thema: Die Frage des Lernens in den Ferien. Leslie Jäger: „Die Vorweihnachtszeit ist oft schon voll mit Tests, Schularbeiten, gerade die erste Ferienwoche sollte den Erholungsphasen dienen. Wenn es nicht zwingend nötig ist, sollen die Ferien auch als Ferien genützt werden.“
Familien setzen auch die eigenen Ansprüche zwischen den Feiertagen oftmals zu hoch an: „Wenn etwas schief, sollte man das durchaus auch mit Humor sehen“, betont die Pädagogin abschließend.


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