„Das Rote Kreuz wird immer einen Platz in meinem Leben haben“
Bereits als kleines Mädchen wusste die 20-jährige Michi Neissl, dass sie einmal eine von „ihnen“ sein wollte. Nach ersten Erfahrungen in der Jugend-Rotkreuz-Gruppe im Kindesalter hat die Rettungssanitäterin ihren Platz im Dienste der Freiwilligkeit als Jugendgruppenleiterin gefunden. Im Tips-Gespräch erzählte sie von ihren täglichen herausfordernden Einsätzen im Berufsalltag, der alles andere als gewöhnlich ist.

„Ich habe gewusst, ich gehöre zum Roten Kreuz. Schon als kleines Mädchen habe ich mir gewünscht, dass ich später einmal, wie auch meine Eltern, mit dem Rettungsauto fahren darf und anderen helfen möchte“, erinnert sich Michaela Neissl zurück. Bereits während ihrer Schulzeit und neben der Matura hat die Urfahranerin ihre Rettungssanitäter-Ausbildung absolviert. „Leider hatte ich zu dieser Zeit auch viel mit Unverständnis von Lehrern oder Schulkollegen zu kämpfen. Und ich hörte oft, dass die Schule und nicht die Rettung an erster Stelle für mich stehen sollte“, blickt Michi zurück. Trotzdem hat sie beides geschafft und darf sich jetzt stolz als Rettungssanitäterin bezeichnen, die gerade ein Berufsfindungspraktikum beim Roten Kreuz absolviert.
Spannende Herausforderung
Besonders gerne mag die Linzerin ihren Dienst beim Roten Kreuz, weil „man nie weiß, was passiert und was auf einen zukommt. Das macht es für mich so spannend. Es hat auch noch nie einen Tag gegeben, an dem ich während meines Praktikums nicht gerne in die Arbeit gegangen wäre.“ Selbstverständlich gilt es auch einer großen Herausforderung und Verantwortung Herr, oder besser Frau, zu werden: „Manchmal wenn es um Personentransporte geht, höre ich schon oft die Frage, ob mir das nicht zu schwer sei, und ob ich das kräftemäßig überhaupt schaffe. Aber ich sage dann immer: Sonst wäre ich ja hier falsch. Ich trete mit Selbstbewusstsein auf und führe meine Arbeiten mit Überzeugung durch“, lächelt die 20-Jährige.
Kein Platz für Vorurteile
Eine Herausforderung sei es auch, eigene eventuell auftretende Vorurteile absolut zurück zu schrauben: „Egal ob Hautfarbe, Religion, ethische Grundsätze oder das Ausschauen, bei uns im Rettungswesen haben Intoleranzen keinen Platz.“ Auch schwierige Einsätze hat Michi Neissl schon hinter sich gebracht. „Eine Reanimation wird mir immer in Erinnerung bleiben. Es ist auch gut, dass wir nach schwierigen Einsätzen die Möglichkeit haben, die Geschehnisse zu verarbeiten. Ich bespreche viel mit dem Team und meinen Eltern, die ja auch vom Fach sind“, schildert Michi. Ein gutes, stabiles Team, wie auch am Linzer Standort, sei sowieso das Um und Auf für die gute Zusammenarbeit.
Fokussiert, aber gelassen durch den Dienst
Auch im Team passe man immer gut aufeinander auf, und viele Freundschaften würden durch die vielen gemeinsamen Erlebnisse entstehen. Ausgelernt könne man übrigens als Rettungssanitäter nie haben. Viele Einsätze mit routinierten Kollegen seien wichtig, um selbst viele Erfahrungen sammeln zu können, wobei sie sich gar nicht jeden Einsatz herbeiwünscht: „Ein Kind muss ich zum Beispiel nicht unbedingt zur Welt bringen, ich bin jedes Mal froh, wenn wir es mit der werdenden Mutter noch rechtzeitig ins Krankenhaus schaffen“, lächelt Michi und wird wieder ernst: „Wenn es natürlich einmal doch so weit kommt, dass eine Geburt ansteht, bin ich aber gut vorbereitet.“ Anfängliche Stresssituationen würden sich über die Jahre verändern und werden zur selbstverständlichen Routine. „Wenn heute der Einsatzalarm ertönt, bin ich zwar fokussiert, aber trotzdem bleibe ich gelassener als an meinen Anfangstagen“, so Michi und gibt Tipps an alle, die sich für einen Freiwilligendienst interessieren: „Empathie, Hilfsbereitschaft und Zugang zu Menschen zu haben sind wichtige Bereiche, wobei man über die Zeit auch viel dazulernen kann.“
Spielerisch zur Ersten Hilfe
Neben ihren Rettungseinsätzen hat Michi Neissl ihren Platz auch als Jugendgruppenleiterin gefunden. Seit 2010 gibt es die Jugendgruppe in Linz Stadt, Michi selbst war eines der ersten Kinder, die dort ihre frühen Erste-Hilfe-Erfahrungen machen durfte. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester organisiert sie am Stützpunkt Linz Stadt zwei Gruppen mit insgesamt 40 Kindern, von sechs bis zehn und zehn bis siebzehn Jahren, im zweiwöchigen Rhythmus. „Wir trainieren die Kinder spielerisch im Bereich der Ersten Hilfe. Es ist uns wichtig, dass die Kleinen viel Spaß dabei haben. Sie lernen zum Beispiel im Spiel, Schritt für Schritt einen Notruf abzusetzen. Aber es gehören auch Highlights wie Ausflüge mit Suchhunden dazu, oder Bewerbe, bei denen die Kinder ihr Können unter Beweis stellen können“, erzählt Michi von ihrer Rolle als Jugendgruppenleiterin.
Jeder kann helfen
Dahinter steckt ein wichtiger Gedanke, denn jeder könne helfen: „Der erste Schritt eines Einsatzes beginnt eigentlich mit dem Ersthelfer, der den Notruf setzt. Er ist eine der wichtigsten Personen, und das ist ausschlaggebend für den weiteren Einsatz. Hier kann man nichts falsch machen, Erste Hilfe ist einfach. Und das lernen wir auch den Kleinsten“, berichtet Michi Neissl.
Jeder der helfen wolle, könne beim Roten Kreuz den für ihn richtigen Platz finden: „Egal ob im Rettungstransport, als Sanitäter, bei der Rettungshundeausbildung oder im Besuchsdienst, viele Sparten bieten die Möglichkeit, freiwillig zu helfen, denn schließlich braucht auch jeder selbst irgendwann mal Hilfe. Für mich wird das Rote Kreuz immer einen Platz in meinem Leben haben“, ist Michi sicher.
Weltrotkreuztag: 8. Mai
Der Weltrotkreuztag ist ein inoffizieller internationaler Gedenk- und Feiertag. Er wird jährlich am 8. Mai, dem Geburtstag von Henry Dunant, gefeiert.
Infos Freiwilligendienst: www.roteskreuz.at/oberoesterreich


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