"Ein Vorsorgetermin ist gerade bei einer Krebserkrankung überlebenswichtig"
OÖ. Die Zahl der Gesundenuntersuchungen ist im Vorjahr teils um mehr als zehn Prozent zurückgegangen. Experten halten diese Zahl für alarmierend. Auch LH-Stellvertreterin Christine Haberlander sorgen diese Zahlen, gerade auch im Hinblick auf eine Krebserkankung: „Die Corona-Krankheit sollte kein Grund sein, auf wichtige Vorsorgeuntersuchungen zu verzichten. Ein Vorsorgetermin ist gerade bei einer Krebserkrankung überlebenswichtig – jeder Tag später kann ein Tag zu spät sein.“

„Die Krankenhäuser in Oberösterreich sind natürlich seit Monaten stark gefordert, aber sie waren und sind immer für jene Menschen da, die dringend Hilfe brauchen. Ich appelliere eindringlich an alle Krebspatientinnen und -patienten, ihre Vorsorgetermine wahrzunehmen. Das Krankenhaus ist nicht nur ein sicherer Ort, sondern gerade für sie ein lebensrettender Ort“, betont die Gesundheitsreferentin.
Das Tumorzentrum Oberösterreich
Die Erfolge in der Krebsforschung haben in den vergangenen Jahren zu einer zunehmenden Spezialisierung der Onkologie geführt, die Behandlung von Krebserkrankungen wird immer komplexer und erfordert daher neue Wege. Diesen gehen Experten aus dem Ordensklinikum Linz, dem Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried und aller Regionalkliniken der OÖ. Gesundheitsholding trägerübergreifend seit einem Jahr mit dem Tumorzentrum Oberösterreich gemeinsam, um onkologischen Patienten wohnortnahe die für ihre Situation bestmögliche Therapie zur Verfügung zu stellen. So wird eine optimale medizinische, pflegerische und psychosoziale Betreuung nach dem neuesten Stand der Wissenschaft sichergestellt.
Aktuell werden etwa 80 Prozent aller Krebserkrankungen im Bundesland im Tumorzentrum Oberösterreich behandelt, davon 30 Prozent im Ordensklinikum Linz. Dieser Anteil wird mit der geplanten Teilnahme des Kepler-Universitätsklinikums am Tumorzentrum OÖ nochmals um zehn Prozent steigen.
„Das Tumorzentrum Oberösterreich ist ein gelebtes Beispiel dafür, wie die beste Gesundheitsversorgung für unsere Patientinnen und Patienten funktionieren kann, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und ihre medizinischen Kompetenzen bündeln“, sagt Haberlander.
Virtuelle Abstimmung zwischen Experten zu über 14.000 Krankheitsfällen
Alleine im vergangenen Jahr wurden in den Spitälern des Tumorzentrums 6.198 Patienten mit der Neudiagnose einer Krebserkrankung vorgestellt bzw. diagnostiziert. Insgesamt wurden 1.415 Tumorboards durchgeführt, in denen von den Experten Behandlungsempfehlungen zu insgesamt 14.016 Erkrankungsfällen ausgesprochen wurden.
„In Zeiten der Corona-Pandemie erfolgten zwischen den Expertinnen und Experten des Tumorzentrums in regelmäßigen virtuellen Boards Abstimmungen zur optimalen Behandlung von Krebserkrankungen bei Patienten. Die Daten der Tumordokumentation zeigen, dass die Behandlungen, beispielsweise im hochsensiblen Bereich der Stammzelltransplantation, dank entsprechender Schutzmaßnahmen in gleichbleibender Qualität fortgeführt werden konnten“, sagt Ansgar Weltermann, Leiter Tumorzentrum Oberösterreich.
Bilanz nach einem Jahr
Der Zusammenschluss der Spitäler im Tumorzentrum OÖ hat sich bereits im ersten Jahr in einer Verbesserung der medizinischen Versorgung niedergeschlagen. Der erweiterte Kreis der Fachexperten, insbesondere der vielen Kollegen aus dem Onkologischen Leitspital Barmherzige Schwestern Linz, hat das fachliche Fundament der Expertenempfehlungen nochmals verbessert. Durch die gemeinsame Erarbeitung der Leitlinien ist die Akzeptanz im gesamten Tumorzentrum enorm hoch und kann in der konkreten Behandlung aufgezeigt werden. Über 98 Prozent der Empfehlungen in den Tumorboards erfolgen in Übereinstimmung mit den Leitlinien des Tumorzentrums. Die mittlerweile über 40 Leitlinien zu den verschiedensten Tumorerkrankungen werden im Rahmen der Tumorzentrumstag(e) jährlich aktualisiert.
„Im Sinne der Transparenz und Fairness machen wir die Leitlinien auf der Website des Tumorzentrums publik“, so Leiter Weltermann.
Neu: digitaler Patientenakt
Seit heuer neu ist der digitale Patientenakt in der Onkologie. Falls ein Patient aus medizinischen oder persönlichen Gründen ein Spital wechselt, „wandern“ die onkologischen Daten des Patienten mit. Trotz unterschiedlicher IT-Systeme in den Spitäler kann die Tumordokumentation so lückenlos fortgeführt werden und sichert damit die optimale Betreuung. Zudem werden Ressourcen geschont, wenn auf den bereits bestehenden Informationen eine Folgebehandlung aufgebaut wird.
Mehr Transparenz für niedergelassene Ärzte
Für die Ärzte im niedergelassenen Bereich, die onkologische Patienten nachbetreuen, bedeutet das Tumorzentrum Oberösterreich vor allem Transparenz in der Kommunikation und Sicherstellung der Behandlung ihrer Patienten auf dem neuesten Stand der Wissenschaft, egal in welcher Klinik sie behandelt werden.
„Den Patientinnen und Patienten wird die Sicherheit gegeben, dass sie die für ihr Erkrankungsbild optimale Therapie bekommen“, sagt Erwin Rebhandl, Präsident der OÖ. Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (OBGAM). Hinzu kommt, dass sich die Kommunikation von und zu den am Tumorzentrum Oberösterreich beteiligten Krankenhäusern verbessert hat. „Es wurden klare Prozesse festgelegt, die für uns und unsere Patientinnen und Patienten transparent sind. Wir bekommen zunehmend einheitliche und klare Befunde. Es wird auch immer öfter und besser abgestimmt, welche Kontrolluntersuchungen und Therapien von uns durchgeführt werden können und für welche Kontrollen und Therapien die Patientinnen und Patienten ins Krankenhaus müssen. Das erspart ihnen unnötig weite Wege und uns Hausärztinnen und Hausärzten gibt es mehr Sicherheit in der Betreuung und Begleitung“, so Rebhandl.


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